Darum gehts
- Valentin Schmidli (9) beeindruckt mit seinem Talent am Schwyzerörgeli
- Er trat 2026 bei «Immer wieder sonntags» vor Millionenpublikum auf
- Sein Vater investierte bereits 15'000 Franken in seine musikalische Ausrüstung
Spielen wir noch eins!», sagt Valentin Schmidli zu Nicolas Senn. «Noch so gern», antwortet der Appenzeller Hackbrett-Virtuose und stimmt den Schottisch «Di muetig Gääser Chatz» an. Ein paar Takte hört Valentin zu – dann begleitet er Senn mit seinem Schwyzerörgeli, singt dazu. Die beiden spielen, wie wenn sie schon lange miteinander musizieren. Nach dem letzten Ton stösst Valentin einen Juchzer aus, sein Blick schweift über die Landschaft hier auf dem Oberen Gäbris ob Gais AR. Dann sagt er: «De beschti Tag e mim Läbe!» Seine Mutter Pian, eine gebürtige Thailänderin, hat Tränen in den Augen.
Valentin Schmidli (9) aus Dintikon und Nicolas Senn (36) kennen sich seit vorletztem Frühjahr. Damals spielte der Appenzeller im Rahmen seiner SRF-Volksmusiksendung «Potzmusig» mit einem Trio in Luterbach SO. Valentin war mit seinem Vater Guido (70), da. In der Pause kam der damals Achtjährige – keck, wie er ist – auf Senn zu, fragte, ob er mitmusizieren dürfe. Senn erinnert sich: «Wir spielten zwei Stücke. Valentin meisterte das souverän, die volle Beiz wollte nicht aufhören zu klatschen. Es war schön, sein unbekümmertes Gemüt und seine Freude an der Musik mitzuerleben.» Dass ein Kind in diesem Alter schon so gut und spontan nach Gehör begleiten könne, sei sehr aussergewöhnlich. «Er wird ein Grosser in der Schweizer Volksmusik.»
Nun sitzt der Neunjährige auf einem Hocker neben dem Stubentisch der elterlichen Wohnung in Dintikon.
Er spielt das Stück «Schmüsele und schätzele». Dreimal täglich übt er hier auf seinen Instrumenten, 45 Minuten. Der Drittklässler: «Das mache ich gern!» Als Vierjähriger nahm er auf Familienausflügen das Mini-Örgeli des Vaters mit, hockte ins Gras und spielte. Vor zwei Jahren begann er unter Anleitung eines Musiklehrers auf einem zweichörigen B-Örgeli. 15'000 Franken gab Guido Schmidli bisher für die Ausrüstung seines Sohnes aus: zwei Schwyzerörgeli der Emmentaler Marke Reist, Akkordeon, Schlagwerk, Mikrofon, Verstärker, Laptop fürs Online-Lernen.
Dreimal im Monat fährt er mit Valentin nach Haag im St. Galler Rheintal, zum Unterricht bei Ramona Zimmermann. Die renommierte Schwyzerörgeli-Lehrerin: «Valentin hat ein grosses musikalisches Talent und eine unglaubliche Auffassungsgabe. Taktgefühl und Gespür für die Musik liegen ihm im Blut. Dazu kommt sein Wille und seine Begeisterung, ständig Neues zu lernen.» Valentins Repertoire umfasst Dutzende von Stücken, er spielt auch Pop, Rock ’n’ Roll und Blues. Auch ist er schon am Pröbeln eigener Kompositionen. «Er ist sehr ungeduldig und ehrgeizig.»
Er heuet gern
Vater Guido nimmt einen Schluck Bier. Der ehemalige Metzger sitzt am Stubentisch, hört Valentin mit Frau Pian, 49, beim Üben zu. Er selber packte in jungen Jahren bei Schwingfesten ab und zu sein Schwyzerörgeli aus, seine Mutter war eine gute Sängerin. Valentins Mami lächelt: Sie spiele kein Instrument, könne nicht singen. Vor 22 Jahren lernten sie und Guido sich in Pians Heimat Thailand kennen, zwei Jahre später ist Hochzeit, seither lebt sie in der Schweiz, in der Migros Wohlen AG arbeitet sie als stellvertretende Chefin der Molkereiabteilung. «Dass ich mit 62 Jahren noch einmal Vater wurde, war nicht geplant», sagt Guido. Sein Sohn sei wie er sehr naturverbunden. Immer wieder hilft Valentin mit seinem Schulgschpänli Endric auf einem Bauernhof beim Misten und Heuen.
Bei seinen Konzerten sind Guido und Pian immer dabei. Mit seiner erfrischenden Art hat Valentin schon an vielen Stubeten und Jodlerabenden für Stimmung gesorgt, solo oder als Begleiter. «Ich liebe es, vor Publikum zu spielen!» Beim Prix Walo 2025 kam er in den Final des Nachwuchswettbewerbs, auch für die diesjährige Ausgabe dieses Anlasses haben ihn die Organisatoren wieder angefragt. Vater Guido: «Ich schaue das mit Valentins Musiklehrerin an. Wir wollen nicht, dass er überfordert wird.»
Auch ein geborener Entertainer
Wie jedes Jahr machen die Schmidlis auch heuer Ferien in Pians Heimat – dort begeistert der singende Örgeler Einheimische wie Heimweh-Schweizer. Seiner rassigen Spielweise wegen hat er den Spitznamen Valentin Vollgas – so heisst auch sein Youtube-Kanal. Daheim am Radio hört er auch gern Schlager und Oldies. «Techno ist nichts für mich!» Fan ist er von den Genderbüebu, Willy Tell & Eveline, den Rusch-Büeblä – und Nicolas Senn. «Nicolas ist mein Vorbild! Bei ihm möchte ich Hackbrettspielen lernen.» Auf dem Oberen Gäbris hatte er diesen gebeten, ihm zu zeigen, wie das geht. Senn gab ihm zwei Rüetli, Valentin schaute zu, wie dieser mit seinen eigenen Holzhämmerchen die 100 Saiten des Instruments zum Klingen brachte. Zehn Minuten später spielten die zwei harmonisch zusammen. Senn: «Macht Valentin so weiter, tritt er bald in ‹Potzmusig› auf.»
Ein Stück hat Valentin besonders geübt in letzter Zeit: «Ein Stern (... der deinen Namen trägt)» von Nik P. Ende August trat er damit vor einem Millionenpublikum auf: In Rust (D) war er zu Gast bei «Immer wieder sonntags», der Volksmusik-Livesendung auf ARD. Vor seinem Auftritt ist er kein bisschen nervös, mit seiner Örgeli-Lehrerin spielt er backstage Tschau Sepp. «Guten Tag, liebes bestes Publikum der Welt! Danke, dass ich kommen durfte», sagt er auf der Bühne zur Begrüssung. Den Megahit singt er auf Hochdeutsch, in Appenzellertracht. Das Publikum ist aus dem Häuschen, «Zugabe! Zugabe!» Nachher muss der kleine Showman von der Security begleitet werden: Unzählige wollen ein Selfie mit ihm. Das Video des Auftritts auf dem Account der Örgeli-Lehrerin wurde schon hunderttausendfach angeschaut.
«Wir sehen uns wieder», gratuliert Moderator Stefan Mross, 50, dem jungen Aargauer. Er ist geplättet ob des schlagfertigen und selbstsicheren Buben: «Der sägt an meinem Stuhl!»
Dabei hat Valentin ganz andere Vorstellungen von seiner Zukunft. Musiklehrer will er werden. Oder noch lieber mit Endric einen Bauernhof führen. Dafür brauche es zwei Munis, sagt Valentin und lacht. «Endric und ich gehen an ein Schwingfest. Und jeder bringt einen Muni heim!»