Darum gehts
- Eveline Hasler (93) veröffentlicht Roman «Königssohn» über Hans Christian Andersen
- Spekulation: Andersen könnte unehelicher Sohn von Dänen-König Christian VIII. sein
- Hasler recherchierte zwei Jahre, entdeckte 100 Jahre alte Dokumente
Es war einmal … So beginnen Erzählungen des dänischen Nationaldichters Hans Christian Andersen, und an die knüpft auch die 93-jährige Schriftstellerin Eveline Hasler Kindheitserinnerungen. Ob in «Die kleine Meerjungfrau», «Die Prinzessin auf der Erbse», «Die Schneekönigin» oder «Des Kaisers neue Kleider» – Monarchen oder Herrscherinnen sind in Andersens Geschichten allgegenwärtig. Der berühmte Märchenerzähler selbst stammte aus ärmlichen Verhältnissen: Sein Vater war Schuhflicker, die Mutter Wäscherin. Das Faible für Prinzessinnen, Könige und Kaiser mag erstaunen.
Bis heute wird spekuliert, dass Hans Christian Andersen ein unehelicher Sohn von Prinz Christian Frederik, dem späteren Dänen-König Christian VIII., gewesen sein könnte. Dieser zeugte als Kronprinz gut ein Dutzend Kinder, um dem Staat gesunde Nachkommen zu schenken. Historiker betrachten die Theorie skeptisch, Befürworter verweisen auf die ungewöhnliche Unterstützung, die der Dichter zeitlebens von adligen Förderern erhielt.
Faszination mit historischen Figuren
Hasler, die Grand Old Lady historischer Romane, geht in «Königssohn» dieser Familienverstrickung im Dänemark des frühen 19. Jahrhunderts nach. Anhand des Dichter-Schicksals und einer ihr zugetragenen Biografie begibt sie sich auf Spurensuche und erzählt eine faszinierende Geschichte. Die Erfolgsautorin gilt als Meisterin, brisante historische Stoffe literarisch aufzuarbeiten, intensiv zu recherchieren und Fakten mit fiktiven Elementen zu verknüpfen. So beleuchtete sie Schicksale wie das der Aussenseiterin «Anna Göldin. Letzte Hexe» sowie von verkannten Persönlichkeiten wie Emily Kempin-Spyri – der ersten Juristin in Europa –, der sie im Roman «Die Wachsflügelfrau» ein literarisches Denkmal setzte.
Dass sich Hasler nun dem hohen Norden zuwendet, statt wie bisher über ihre Heimat zu schreiben, sei für sie «ein Geheimnis der Zeit» und einer Erinnerung an eine Reise nach Dänemark geschuldet, die sie vor 35 Jahren in die Hauptstadt Kopenhagen führte – für eine Lesung. «Als Frau aus den Glarner Bergen war ich hingerissen vom Geruch des Meeres», erinnert sie sich. Auch die Bronzestatue der Kleinen Meerjungfrau, dem Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt, habe sie so fasziniert wie die Geschichte von Hans Christian Andersen selbst.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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Hasler begann zu recherchieren, stiess auf Dokumente, die über 100 Jahre unter Verschluss gehalten wurden – und schrieb die letzten zwei Jahre an ihrem neuen Roman. «Ich hörte dafür sogar mit dem Malen auf, was mir wirklich leidtat. Aber ich spürte, dass ich bei den Worten bleiben musste. Es ist wirklich eine schöne und spannende Geschichte geworden», zeigt sich die Autorin zufrieden.
Allzu viel verraten möchte sie nicht. Nur dies lässt sich Eveline Hasler noch entlocken: «Es ist sehr poetisch und teils religiös, was dem damaligen Zeitgeist geschuldet ist.» Und geheimnisvoll orakelt sie in ihrem Domizil in ihrer Tessiner Wahlheimat zum Abschied: «Auch wenn diese Geschichte von einem Prinzen und der Liebe wie eine Szene aus einem Andersen-Märchen klingt, so ist sie doch wahr. Und die heute wirkenden Adligen in Dänemark werden das wissen und auch verstehen.»