Jamaika sagt: No King!
Fluch der Karibik für King Charles III.

Jamaika steht für Rum, Reggae und Rastafaris. Von den Royals will sich die Insel lossagen.
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Charles und Camilla wurden 2008 in Jamaika freundlich empfangen. Mittlerweile hat sich der Wind gedreht.
Foto: IMAGO

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Zunehmende Proteste: Jamaika will die Monarchie abschaffen
  • Bürgermeister fordert Nationalhelden-Status für Bob Marley als Symbol gegen Kolonialismus
  • Umfragen: 56 bis 60 Prozent der Jamaikaner gegen die britische Krone
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Eine Jamaika-Reise wurde für Prinz William (43) und Prinzessin Kate (44) zum PR-Desaster. Was als Charme-Offensive geplant war, endete mit Protestplakaten, Buhrufen und offener Wut.

Demonstranten empfingen die Royals 2022 in Kingston (Jamaika) mit «Recogni$e!»-Schildern – mit dem S als Dollarzeichen geschrieben. Das sollte bedeuten: Anerkennung heisst auch Entschädigung! Es geht um Reparationen für Verbrechen der Kolonialzeit. Der Besuch wirkte wie ein Bruch mit der Vergangenheit und zeigte: Der Glanz der Krone ist auf der ehedem britischen Karibikinsel endgültig verblasst.

Wenn Royal, dann «Team Meghan»

Der Ruf nach einem Bruch mit London wird lauter. Während König Charles III. (77) um Einfluss ringt, hat sich die Loyalität vieler Jamaikaner längst verschoben: Wenn sie sich als Royal-Fans fühlen, dann im «Team Meghan». Meghan (44). Die Ehefrau von Prinz Harry (41) geniesst auf der Insel mehr Sympathien als der Buckingham-Palast. Für viele symbolisiert die Ex-Schauspielerin einen Bruch mit alten Machtstrukturen, die Kritik an Rassismus und Kolonialismus.

Immer wieder sorgten Berichte über rassistische Untertöne im Umfeld der verstorbenen Queen Elizabeth für Empörung. Anonyme Quellen wollen wissen, es habe Diskussionen über die Hautfarbe von Meghans ungeborenem Kind gegeben. Für viele Jamaikaner ist das Ausdruck eines Systems, das tief in kolonialem Denken verwurzelt ist.

Der Bürgermeister von Kingston will eine Republik

Das trifft einen Nerv – und befeuert eine Entwicklung, die kaum noch aufzuhalten ist. Die Regierung des Inselstaats in Kingston arbeitet an der Abschaffung der Monarchie, eine Volksabstimmung rückt näher. Je nach Umfrage kommen Monarchie-Gegner auf 56 oder gar 60 Prozent Zustimmung. Nur eine Minderheit will an der englischen Krone festhalten. Besonders bei jüngeren Wählern ist die Ablehnung des britischen Königshauses ausgeprägt.

Zu den prominenten Gegnern der Krone gehört der Bürgermeister von Kingston, Andrew Swaby (54). Im Gespräch mit Blick kritisiert er London und wirbt für einen Jamaikaner, der offiziell noch nicht als Nationalheld anerkannt ist: «Bob Marley bedeutet uns enorm viel. Viele Menschen kennen Jamaika überhaupt erst durch ihn.» Der Weltstar des Reggae (1945–1981) habe «den Kampf nicht nur für Jamaika geführt, sondern international» und geniesse weltweit Respekt. Der Bürgermeister fordert deshalb: «Bob Marley sollte auch offiziell unser Nationalheld werden. Andere stehen für den Kampf gegen Sklaverei und für die Unabhängigkeit. Marley hat diesen Kampf mit seinen Worten und seiner Musik weitergeführt – und er ist bis heute relevant.»

Kolonialismus, Sklaverei, Ausbeutung

Der Blick über die Insel hinaus zeigt, wohin die Reise gehen könnte. Barbados hat sich erst 2021 von der Monarchie gelöst und ist zur Republik geworden. Ein Schritt, der in der gesamten Karibik genau beobachtet wurde – und Jamaika zusätzlichen Rückenwind gibt. Jahrhunderte von Kolonialismus, Sklaverei und wirtschaftlicher Ausbeutung prägen das kollektive Gedächtnis der Karibik. Die britische Krone steht nicht nur für Tradition, sondern auch für Unterdrückung, Rassismus und strukturelle Ungleichheit.

Doch so klar die innenpolitische Stimmung ist – geopolitisch bewegt sich Jamaika auf dünnem Eis. Die Insel ist wirtschaftlich von einem anderen «King» abhängig – von US-Präsident Donald Trump (79). Millionen amerikanischer Feriengäste sichern Arbeitsplätze und Devisen. Trump könnte jederzeit mit einer Reisewarnung drohen – mit verheerenden Folgen. Von einem Tag auf den anderen würden Hotels leer bleiben, Einnahmen wegbrechen, die Wirtschaft ins Wanken geraten. In Kingston weiss man das und agiert entsprechend vorsichtig.

Die kubanischen Ärzte fehlen

Deswegen geht Jamaika neuerdings auf Distanz zu Kuba. Jahrzehntelang pilgerten kubanische Ärzte und Pflegekräfte nach Jamaika. Doch Kingston hat den Medizin-Tourismus stark reduziert – nicht zuletzt, weil die Einnahmen dem Regime in Havanna zugutekommen, was Trump ein Dorn im Auge ist. Die Folge: Fachkräftemangel in Spitälern und Kliniken.

Um unabhängiger zu werden, setzt Jamaika verstärkt auf Europa: neue Märkte, neue Gäste, neue Geldquellen. Für europäische Touristen ist Jamaika ein Sehnsuchtsziel mit Rum, Reggae und Rastafaris. Bob Marleys Musik prägt bis heute das Bild des Landes, ebenso die Jerk-Küche und Rumcocktails bei Sonnenuntergang.

Bob Marley, der ungekrönte König

Die Stadt Negril lockt mit endlosen, weissen Sandstränden. In Montego Bay reihen sich luxuriöse Resorts an den Stränden der Karibik. Bei Ocho Rios stürzen Wasserfälle durch dichten Dschungel. Und Adrenalinjunkies erhalten in «Rick’s Café» den ultimativen Kick: Sie können aus bis zu zwölf Meter Höhe direkt ins türkisfarbene Meer hüpfen.

Egal, wo man in Jamaika unterwegs ist: Der ungekrönte König des Landes heisst Bob Marley. Er ist überall: Seine Musik, sein Gesicht, seine «One Love»-Botschaft. Auf Hauswänden, in Bars, auf T-Shirts. Jamaika hat seinen König längst gefunden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis König Charles auch formell aus Jamaikas Geschichte verschwindet.

Die Schweizer Airline Edelweiss fliegt von Ende Oktober bis Ende März donnerstags von Zürich nach Montego Bay (Jamaika) mit einem Zwischenstopp in Puerto Plata (Dominikanische Republik). Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.

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