Diese künftigen Könige Europas solltest du kennen
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William und Co.Diese künftigen Könige Europas solltest du kennen

Schweden-König Carl XVI. Gustaf wird 80
Seine Liebe zu Silvia veränderte alles

Sein Vater starb bei einem Flugzeugabsturz. Mit 27 erbte er den Thron. Erst in Ehefrau Silvia fand er sein Glück. Sie zähmte den Partyprinzen, formte ihn zum beliebten Schweden-König. Jetzt wird der Liebhaber stiller Natur und schneller Autos 80.
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Seine Regentschaft: Carl XVI. Gustaf sitzt seit fast 53 Jahren auf dem Thron – absoluter Rekord in Schwedens Geschichte. Er gilt als fleissiger Monarch, aber auch als König der Fettnäpfchen.
Foto: Clément Morin

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • König Carl XVI. Gustaf ist seit 1976 mit Silvia verheiratet.
  • Er heiratete als erster schwedischer König seit 400 Jahren eine Bürgerliche.
  • 2026 feiert das Paar seinen 50. Hochzeitstag und bleibt europaweit beliebt.
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René Haenig
Schweizer Illustrierte

Auch wenn König Carl XVI. Gustaf seinen Ehering bis heute am kleinen Finger trägt, Ehefrau Silvia (82) spielt im Leben des schwedischen Monarchen die grösste Rolle. Sie ist der Grund, dass aus dem einst als ungeschickt und bisweilen hölzern wahrgenommenen Regenten der heutige populäre König wurde. Als der schwedische Partyprinz die deutsche Olympia-Hostess 1976 bei ihrer Traumhochzeit zum Altar führte, wurde ein Märchen wahr. Ihre Eheschliessung war die erste in Schweden seit mehr als 400 Jahren, in der ein König eine Bürgerliche heiratete. Einer von Carl Gustafs Vorgängern, König Erik XIV., hatte 1568 die Tochter eines Gefängniswärters zur Frau genommen.

Sein Schicksal: Carl Gustaf als kleiner Prinz. Er ist gerade mal knapp neun Monate alt, als sein Vater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt.
Foto: IMAGO/TT

Geguckt, geduckt – getraut

Verguckt – im wahrsten Sinn des Wortes – hat sich Prinz Carl Gustaf in Silvia 1972 bei den Olympischen Spielen in München. Bei der Eröffnungsfeier im Olympiastadion huscht keine zwei Meter vor dem neugierig durchs Fernglas blickenden Prinzen eine hübsche Unbekannte vorbei: Silvia Sommerlath. Sie duckt sich. Er guckt sie an. Sie lächelt. Obwohl sie zwei Jahre älter ist als er – zur damaligen Zeit eine ungewöhnliche Kombination –, noch dazu eine Bürgerliche, ist der Schwede der attraktiven Deutschen bald schon mit Haut und Haar und Herz verfallen.

Monatelang trifft der Prinz die Hostess heimlich, verkleidet besuchen sie sogar eine Münchner Promi-Bar. «Es hatte klick gemacht», verriet Jahre später einmal die Schweden-Königin. Silvia fuhr ihren Prinzen im klapprigen blauen VW Käfer durch Bayern, bis Paparazzi eines Tages das turtelnde Paar im Auto erwischen – küssend. Dass sie ihr Techtelmechtel nicht an die grosse Glocke hängten, geschah nicht grundlos. Als Kronprinz hätte Carl Gustaf das Anrecht auf den Thron verloren, das er nach dem frühen Unfalltod seines Vaters hatte, wenn er einer Bürgerlichen sein Jawort gegeben hätte. Aber als sein Grossvater König Gustaf VI. Adolf am 15. September 1973 stirbt, ist der Weg für Carl Gustaf und Silvia frei. Der Kronprinz wird König – und als solcher ist er befugt, eine Bürgerliche zu heiraten. Als König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia wird das Paar zum Liebling aller Monarchisten in ganz Europa.

Seine Stütze: Mit Königin Silvia feiert der Monarch im Juni den 50. Hochzeitstag. Sie gilt als ruhender Pol und hält loyal zu ihm.

Trotz der als äusserst klug, gebildet und diplomatisch geltenden Silvia an der Seite haftet Carl Gustaf zeitweise der zweifelhafte Ruf als König der Fettnäpfchen an. Als 1978 in Schweden das Thronfolgegesetz geändert wird, wird Victoria – nach der Geburt ihres Bruders Carl Philip – als Erstgeborene zur Kronprinzessin. Der Kommentar Carl Gustafs, wonach Frauen für den Job seiner Ansicht nach nicht geeignet seien, verärgert sogar seine Cousine Margrethe, die zu diesem Zeitpunkt schon sechs Jahre lang Königin von Dänemark ist. Sie ist so sauer, dass sie mit ihm lange Zeit privat nichts mehr zu tun haben will. Jahre später aber lobt er seine Tochter Victoria überschwänglich: «Sie macht das richtig gut, ich habe volles Vertrauen in sie.»

Seine Leidenschaft: Als Dreijähriger tritt Carl Gustaf bei seinem Rennwagen noch selbst in die Pedale...
Foto: IMAGO/TT

Ein nicht ganz perfekter König

Immer wieder sagte oder sagt er etwas, was nicht perfekt ist. Zuletzt Schlagzeilen machte 2025 ein Versprecher, als er seine Enkelin, Ines Marie Lilian Silvia (1) als Prinzessin «Inse» vorstellte. Doch der König leidet an einer angeborenen Lese- und Schreibschwäche. Er tut sich bis heute mit dem Lesen schwer, muss deshalb vieles auswendig lernen.

Ganz Schweden weint, als König Carl XVI. Gustaf nach der Tsunami-Katastrophe 2004 in Asien tröstend sagt: «Ich würde gern wie ein Märchenkönig sagen: ‹Und nun lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende.› Das kann ich nicht»

Ausgerechnet die Tsunami-Katastrophe an Weihnachten 2004 in Asien bescherte dem König einen Höhepunkt seiner Regentschaft. 543 Schweden verloren ihr Leben, darunter der Sohn eines engen Freundes. Carl Gustaf, selbst auf dem Weg in die Ferien, kehrte nach Stockholm zurück. Bei der Trauerfeier für die Opfer weinte ganz Schweden, als er sagte: «Stellt euch vor, ich könnte wie ein Märchenkönig sagen: ‹Und nun lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende.› Das kann ich nicht. Ich bin genau wie ihr ein trauernder Mensch.»

Vorbei mit seiner Beliebtheit war es, als im November 2010 das Skandalbuch «Der widerwillige Monarch» erschien. Darin wurde Carl Gustaf als ein Mann porträtiert, der Silvia immer wieder betrog und Stammgast in Nachtklubs war. Erst als der König Abbitte leistete und gestand: «Ich habe mit meiner Familie darüber gesprochen. Nun wenden wir das Blatt», vergab ihm das Volk.

Seine Familie: Carl Gustaf und Silvia, die Enkel Estelle und Oscar, Tochter Victoria mit Ehemann Daniel, Sohn Carl Philip mit Frau Sofia sowie Tochter Madeleine mit Gatte Christopher (v. l.). Unterdessen hat der König neun Enkelkinder.
Foto: danapress

Carl XVI. Gustaf ist ein Monarch der Gegensätze. So hat er eine Vorliebe für Chips, aber nicht irgendwelche Kartoffelchips, sondern es müssen schon die mit Trüffelgeschmack sein. Und während er früher selbst gern ein blutiges Steak auf seinem Teller hatte, setzt er sich heute gegen den Konsum von Rindfleisch ein – aus Umweltgründen. Obwohl er auf Fotos grummelig oder ernst wirkt, ist er privat sehr unterhaltsam, liebt Musik von Pink Floyd, Bruce Springsteen, Stevie Wonder und natürlich den seiner Frau gewidmeten Song «Dancing Queen» der schwedischen Kultband Abba. Er geniesst die Stille der Natur auf seinem Landsitz Gut Stenhammar, aber braust genauso gern im röhrenden Ferrari durch die Lande.

... heute setzt er unter anderem auf die 190 PS seines Porsche 911 Targa aus dem Jahr 1974.
Foto: IMAGO/TT

Seinen Ehering trägt er übrigens nur am kleinen Finger, weil beim König der Siegelring den Ringfinger ziert.

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