Darum gehts
- To Athena veröffentlicht drittes Album «Have I Lost My Magic»
- Burnout 2023: Symptome wie Panikattacken, Schlafmangel und Tinnitus
- Therapie alle drei Wochen: Musik und Tagebuch als Ventil
To Athena (32) gehört zu den vielversprechendsten Namen in der Schweizer Musikszene. 2023 gewann sie den Artist Award an den Swiss Music Awards und war zuletzt bei «Sing Meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert» zu sehen. Mit «Have I Lost My Magic» (deutsch: «Habe ich meine Magie verloren») hat die in der Stadt Zürich wohnhafte Luzernerin kürzlich ihr drittes Studioalbum veröffentlicht.
Blick: Wieso der Titel? War der Druck so gross, an vorherigen Werken anzuknüpfen?
To Athena: Der Titel ist nicht im Sinne von «Oh, kann ich überhaupt noch gute Songs schreiben?» gemeint. Er dreht sich darum, dass ich an einem Punkt das Feuer für meinen Job verloren habe. Ich habe mich gefragt: «Hey, was mache ich eigentlich da? Für wen mache ich das eigentlich?»
Dachten Sie ans Aufhören?
Nein, das nicht. Das war für mich nie eine Option. Ich musste aber einen Weg finden, um wieder zu meiner Freude zu kommen. Dieser Druck, meine Bandkolleginnen und Bandkollegen fair zu zahlen, etwas im Indie-Bereich zu machen, das doch heraussticht und gehört wird und genug Tickets zu verkaufen und gleichzeitig intime, tagebuchmässige Songs zu schreiben, war herausfordernd.
Wie haben Sie die Lust am Job wiedergefunden?
So simpel es klingt: Ich habe Songs geschrieben. Das ist mega absurd, weil das ist ja eigentlich mein Job, aber man vergisst es wirklich ab und zu, dass das ja nicht nur ein Endprodukt, sondern auch ein Ventil ist. Ich habe dann versucht, Songs zu schreiben, ohne den Druck, etwas davon herauszugeben. Das war der Schlüssel, der mich wieder zu dieser Magie zurückgeführt hat.
Sie thematisieren auf dem Track «Collide» Ihr Burnout. War das zu dieser Zeit?
Es waren bestimmt Nachwehen. Das Album habe ich in den letzten zwei Jahren geschrieben, das Burnout hatte ich 2023. Im Moment, in dem mich etwas total beschäftigt, bin ich fast gelähmt. Erst später kann ich es verarbeiten.
Wie äusserte sich Ihr Burnout?
Es hat sich angeschlichen. In der Phase zwischen Studium und Karriere, als ich nie Feierabend gemacht habe. Zwei Jahre lang habe ich so ein bisschen Symptome gehabt wie Schlafmangel, ständige Gliederschmerzen und Panikattacken. Und Anfang 2023 fing der Tinnitus an. Als dieser schlimmer wurde, kam der Moment, an dem ich merkte, dass es so nicht mehr weitergeht. Ich brauche mein Gehör für meinen Job. Ich war mental komplett am Ende. Da merkte ich, es wäre gut, jetzt in eine Therapie zu gehen.
Die Luzernerin To Athena, bürgerlich Tiffany Limacher, studierte Jazz- und Popgesang an der Zürcher Hochschule der Künste. 2020 veröffentlichte sie ihr Debütalbum «Aquatic Ballet», drei Jahre danach erschien ihr zweites Werk «The Movie». Sie wurde am Swiss Music Award mit dem «Artist Award» ausgezeichnet. Ihr Künstlername setzt sich aus ihrem Spitznamen To und ihrem zweiten Namen Athena zusammen.
Die Luzernerin To Athena, bürgerlich Tiffany Limacher, studierte Jazz- und Popgesang an der Zürcher Hochschule der Künste. 2020 veröffentlichte sie ihr Debütalbum «Aquatic Ballet», drei Jahre danach erschien ihr zweites Werk «The Movie». Sie wurde am Swiss Music Award mit dem «Artist Award» ausgezeichnet. Ihr Künstlername setzt sich aus ihrem Spitznamen To und ihrem zweiten Namen Athena zusammen.
Wie war das?
Es hat mir die Augen geöffnet, als ich die Diagnose bekam.
Was haben Sie verändert?
Das ist heute noch grosse Arbeit. Etwas, was ich mir immer wieder sehr vornehme und total banal klingt: Wochenenden einhalten. Auch wenn es nur bedeutet, einen Tag lang mal nichts mit meinem Musikprojekt zu machen. Es hat lange gebraucht, zu akzeptieren, dass es keine Zeitverschwendung ist, wenn ich als Tiffany einem Hobby nachgehe. Und ich nicht nur To Athena bin und arbeiten muss.
Was machen Sie an Tiffany-Tagen?
Ich bastle und koche gerne und habe gerne Freundinnen um mich herum. Ich teile gerne das Leben mit lieben Menschen, brauche aber den Ausgleich mit Zeit für mich. Seit dem Burnout schreibe ich auch selbst für mich. Keine Lieder, sondern Tagebuch. Es hilft mir extrem, bei mir selbst einzuchecken.
Wann kamen Sie zum ersten Mal mit Psychotherapie in Kontakt?
Schon als Kind war ich dort, aber aus anderen Gründen. Ich wollte immer mit allen befreundet sein und habe alles für andere gemacht. Dann ging ich in eine Spieltherapie, in der ich beispielsweise Dinge bastelte, ohne sie anderen schenken zu dürfen. Danach war ich aber nie mehr in Therapie, bis zu meinem Burnout. Heute finde ich: Es ist ein grossartiges Geschenk, was ich dort erleben darf und gehe noch regelmässig circa alle drei Wochen.
Auch Musik ist eine Art Therapie. Mit dem Song «Ergendeinisch» thematisieren Sie Kindsmissbrauch.
Den Song gibts schon vier Jahre und ich traute mich lange nicht, ihn zu veröffentlichen. Ich schrieb den Titel für eine mir sehr nahestehende, betroffene Person und das hat mit mir viel mehr gemacht, als ich dachte.
Inwiefern?
Ich habe mich dabei auch mit meiner eigenen Geschichte auseinandergesetzt und auf eine Art einen Frieden damit gefunden.
Wie kommt die Veröffentlichung vier Jahre nach dem Schreibprozess?
Ich konnte den Titel lange nicht mal jemandem zeigen, geschweige denn vorsingen. Ich fing an zu weinen und war total überfordert. Aber mit der Zeit habe ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigt und wollte den Song daher auch unbedingt auf das Album nehmen. Ich möchte auf dieses wichtige Thema aufmerksam machen und darüber reden, damit es irgendwann vielleicht weniger Scham und mehr Prävention gibt.
Wie war der Moment, als Sie den Titel zum ersten Mal der betroffenen Person gezeigt haben?
Sehr emotional. Und es hat viel ausgelöst. Die Person hat sich mehr mit dem Thema befasst und sich danach auch mehr getraut, für sich selbst einzustehen und das Thema anzugehen. Das hat mich sehr gefreut, dass der Song nicht alte Wunden aufreisst, sondern einen positiven Einfluss hat.
To Athena ist aktuell auf Tournee durch die Schweiz, Deutschland und Österreich. Termine unter www.toathenamusic.com.