Darum gehts
- Yasmina Filali (50) spricht über Gewalt und Traumata im Kinderheim
- Mit Telefon wurden ihr Nase und Zähne im Schlaf eingeschlagen
- Bis 18 lebte sie im Heim nach Flucht mit 10 Jahren
Yasmina Filali (50) ist eine erfolgreiche Schauspielerin. In den 90er-Jahren wurde sie durch Rollen in «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» oder «Die Rote Meile» bekannt und ist seither fester Bestandteil der deutschen TV-Landschaft. Auch privat fand sie ihr Glück und wurde Mutter zweier Kinder.
Die erschreckenden Erlebnisse in ihrer eigenen Kindheit stecken der Schauspielerin jedoch noch immer in den Knochen. Filali berichtet von «Traumata», die sie durch körperliche Gewalt im Kinderheim erfahren hat. Auch die Alkoholsucht ihres Vaters beschäftigt Filali bis heute.
Sie lief von zu Hause weg
Als Filali zweijährig war, verliess ihr Vater die Familie. «Er war weg und hat alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war», sagt sie zu «Bild». Ihr Vater sei mit seiner neuen Freundin dann in das Haus direkt gegenüber eingezogen. «Das war so kaltblütig von ihm», so Filali.
Weil ihr Vater nach der Trennung den Kontakt zu seiner Tochter einklagte, musste sie als Sechsjährige jedes zweite Wochenende bei ihm verbringen – gegen ihren Willen, wie Filali berichtet. Dort habe sie aber oft nur darauf gewartet, dass ihr Vater und dessen Freundin ihren Alkoholrausch ausgeschlafen hatten. Ihr Vater sei dann im Alter von 59 Jahren an den Folgen seines langjährigen Alkoholmissbrauchs gestorben.
Als Filali 10 war, lief sie schliesslich von zu Hause weg. Eines Tages sei sie nach der Schule einfach nicht mehr zurückgekehrt und stattdessen zur Reeperbahn in ihrer Heimatstadt Hamburg (D) gelaufen. Dort sei sie von der Polizei eingesammelt worden.
Filali wollte nicht mehr zurück. Sie kam in ein Kinderheim, in dem sie bis zu ihrem 18. Lebensjahr blieb.
«Entweder bist du das Opfer oder du bist der Täter!»
Filali berichtet von schockierenden Zuständen im Heim. «Es gab Geschrei, Gejammer, Gewalt, Drogen und Alkohol, das kannte ich bis dato gar nicht», so die Schauspielerin. Gewalt sei dort an der Tagesordnung gewesen.
«Eines der ersten Traumata war, als man mir im Schlaf mit einem Telefon meine vorderen Zähne und meine Nase eingeschlagen hat. Es gab keinen Anlass dafür», erzählt sie. Zwei ihrer Vorderzähne und ein Schneidezahn brachen ab. Filalis Nasenscheidewand wurde verletzt, sie musste zweimal operiert werden.
«Entweder bist du das Opfer oder du bist der Täter! Es gibt nichts dazwischen», beschreibt sie die ungeschriebenen Regeln im Heim. Auch sie habe irgendwann zu Gewalt gegriffen. «Ich wollte einfach kein Opfer mehr sein.»
Die Erinnerungen an diese Jahre begleiten Filali bis heute. Sie könne seit dem nächtlichen Angriff vor all den Jahren nicht mehr tief schlafen. «Wenn man einmal aus dem Tiefschlaf so geweckt wird, dann schläft man nie wieder in seinem Leben tief.» Auch im Schlaf sei ihr Körper stets in Alarmbereitschaft.