Darum gehts
- Katja Krasavice spricht offen über den Tod ihrer zwei Brüder
- Ihr Bruder Max starb mit 18 an Krebs, Oto beging Suizid mit 30
- Mit 29 Jahren kämpft sie weiterhin mit den traumatischen Erlebnissen
In den Medien präsentiert sich die Rapperin stets selbstbewusst, stark und provokant. Doch Katja Krasavice (29) hat auch eine verletzliche Seite. In einem Gespräch mit «Bild» spricht sie über ihre tragische Familiengeschichte und den frühen Tod ihrer zwei Brüder.
Schon mit fünf Jahren musste Krasavice den Verlust ihres Bruders Max verkraften, der an Knochenkrebs starb. Er wurde nur 18 Jahre alt. Sein Tod habe sie tief geprägt. «Damals habe ich es nicht realisiert», sagt die in Tschechien geborene Sängerin. «Jetzt merke ich immer, dass ich ja fast jeden Tag darüber rede, irgendwie, also das ist schon so mein Schatten, irgendwie.»
«Das liegt ja oft in der Familie, so ein Suizid»
Einige Jahre später starb auch ihr Bruder Oto, der sich im Alter von 30 Jahren das Leben nahm. Oto lebte in Tschechien, war vor seinem Tod in Haft. «Er war ein Gangster. Aber ein toller Mann, hübsch und selbstbewusst», beschreibt ihn Krasavice. Sein Tod belaste sie bis heute: «Vor allem mein Bruder, der sich umgebracht hat. Das beschäftigt mich am meisten. Ich feiere im August meinen dreissigsten Geburtstag. Und mit dreissig hat er sich umgebracht. Solche Gedanken sind schliesslich vererbbar. Das liegt ja oft in der Familie, so ein Suizid. Das macht mir Angst. Ich finde es einfach gruselig.»
Die genauen Gründe für seinen Suizid bleiben unklar. Krasavices Mutter spreche nicht gern über das Thema. «Ich will sie aber auch nicht belasten; das ist ihr erstes Kind. Ich habe da viel zu viel Respekt vor ihren Gefühlen, als dass ich da nachhaken möchte. Auch wenn ich es will, aber irgendwie – ich will nicht was aufmachen. Weil die alte Generation geht ein bisschen anders mit Problemen um, und ich respektiere das auch.» Krasavice vermutet, dass Oto «wahrscheinlich genauso wie ich, einfach ein Draufgänger» war und «alle Gefühle in sich reingefressen» habe.
«Kam er auf das Grundstück gefahren, begann das Zittern»
Der Verlust ihrer zwei Brüder war nicht die einzige Herausforderung, mit der Krasavice zu kämpfen hatte. Sie berichtet von einem gewalttätigen, alkoholkranken Stiefvater, durch den ihr Zuhause zu einem Ort voller Anspannung wurde. «Mich hat er nie geschlagen. Aber es reicht ja schon, wenn du vor einem Kind die Mutter deines Kindes schlägst.» Sie beschreibt, immer vor ihm auf der Hut gewesen zu sein. «Wir hatten zu Hause immer nur eine schöne Zeit, wenn er abwesend war. Und dann immer diese Angst, wenn er wieder zurückkommt. Kam sein Transporter auf das Grundstück gefahren, begann das Zittern.»
Aus der schlechten Erfahrung zieht Krasavice die Motivation, es besser zu machen. Zwar hat sie keine eigenen Kinder, doch für ihre Nichten und Neffen will sie ein liebendes und behütetes Umfeld schaffen.