Isabelle Huppert verkörpert L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt
«Diese extremen Figuren zu spielen, macht immer Spass»

Seit 54 Jahren steht sie vor der Kamera, spielt komplexe und moralisch ambivalente Frauenfiguren. In ihrer Rolle als L’Oréal-Erbin ist der Französin Isabelle Huppert nun der nächste Coup gelungen.
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«Ich versuche nicht, mit meinen Figuren zu sympathisieren, ich versetze mich in sie hinein», sagt Huppert.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Isabelle Huppert spielt Liliane Bettencourt in «Die reichste Frau der Welt»
  • Knapp eine Milliarde Euro verschenkte Bettencourt an François-Marie Banier
  • Huppert arbeitete bisher 54 Jahre als Schauspielerin und liebt Filme
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Mariam Schaghaghi
Schweizer Illustrierte

Madame unterschreibt Checks. Jeden Tag, immer wieder, mit unveränderter Nonchalance, egal, wie viele Nullen auf dem Papier stehen, mal sind es 50'000 Euro, mal 50 Millionen. Checks sind ihr Zepter. Damit dirigiert und manipuliert sie Politiker, Präsidenten, Familienangehörige. Denn Madame ist «Die reichste Frau der Welt».

Die Tragödie um Liliane Bettencourt, Erbin des Kosmetikgiganten L’Oréal, ausgenommen von einem Dandy, verklagt und entmündigt von der Tochter, ist jetzt im Kino als bissig-bunte Komödie zu sehen, als amüsanter, bisweilen gemeiner Schwank, der den echten Fall lustvoll verzerrt.

Isabelle Huppert wird zur reichsten Frau der Welt

In der Hauptrolle: die eine, die immer glänzt, Frankreichs Schauspiel-Ikone Isabelle Huppert (73). Sie erinnere sich lebendig daran, wie sie selbst die Affäre um Madame und ihren Galan verfolgte, sagt sie beim Interview in Paris. «Jeder sprach darüber, versuchte, zu verstehen, was da los war: Nahm er sie nur aus? Oder war es Liebe?»

Isabelle Huppert fasziniert die Geschichte bis heute. «Mir gefiel, wie Regisseur Thierry Klifa es sah: Das Ende dieser Story kennen wir alle, aber niemand kannte den Anfang. Und das ist der Schlüssel! Wir betreten das Szenario durch die kleine private Tür, nicht durch das grosse Tor des Skandals.»

Die Charakterdarstellerin tut es mit gewohnter Grandezza: Huppert spielt die immer perfekt geschminkte und makellos ondulierte Milliardärin als respekteinflössende Festung der Bourgeoisie – bis der penetrante Fotograf Pierre-Alain Fantin auftaucht, dreist, unverschämt, ein menschgewordener Affront. Und zum unverzichtbaren Liebling der älteren Dame wird. Die dann auch ihm Checks ausschreibt.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

Das Extreme bringt ihr Spass

Exzentrisch, theatralisch, fast wie Shakespeare findet Huppert die Mär von der Gier. «Diese extremen Figuren zu spielen, macht immer Spass. Natürlich ist er verrückt, er ist völlig überzogen. Aber sie ist auch verrückt. Denn als er auftaucht, wird sie plötzlich zu einer ganz anderen Person.» Und damit unberechenbar für die anderen.

Knapp eine Milliarde Euro bekommt der kultivierte Nichtsnutz über die Jahre von Bettencourt. Weil er sie wirklich mochte? Oder weil sie sich einfach das Amüsement eines dreisten Hofnarrs leistete, der sie aus ihrer Luxusstarre erlöste? So oder so lautete die hämische Antwort der Presse damals: «Weil er es ihr wert war.»

«Das zu hören, ist hart»

«Die Geschichte haut dich um und ist ebenso fremd wie traurig», findet Isabelle Huppert. Besonders das zerrüttete Verhältnis zur einzigen Tochter ging der 73-Jährigen an die Nieren. «Sie sagt ihrer Tochter allen Ernstes: ‹Ich weiss nicht, ob ich dich liebe – oder je geliebt habe.› Das zu hören, ist hart, das auszusprechen, aber auch! Denn ich liebe meine eigene Tochter sehr!»

So privat wird die Grande Dame des Weltkinos selten. Tochter Lolita Chammah hat nicht nur die roten Haare ihrer Mutter geerbt, sondern auch ihr Talent. Die 42-Jährige ist in Frankreich eine feste Branchengrösse. Hupperts gesamte Familie ist kinoverrückt: Ehemann Ronald Chammah (75) ist Produzent, Sohn Lorenzo (38) spielt und produziert, der Jüngste, Angelo (28) schreibt Skripts, jobbt als Schreiner oder Set-Assistent bei Drehs von Julian Schnabel oder Michel Franco.

Nebenbei betreiben die Chammahs zwei Kinos im Quartier Saint-Germain-des-Prés, wo sie leben. «Jeder Filmliebhaber in Paris kennt sie, auch von ausserhalb kommen Fans. Paris ist bekannt für diese Art von kleinen Kinos, die ausschliesslich Klassiker zeigen. Blockbuster gibts bei uns nicht!» Huppert hat beobachtet, dass es jungen Zuschauern ein grosses Bedürfnis ist, alte Filme komfortabel im Kinosessel anzugucken. «Die Säle, die grosse Leinwand sind doch etwas Magisches. Sie kurbeln meine Fantasie an. Unvorstellbar, das zu empfinden, wenn man auf sein Handy starrt.»

Huppert gehört noch immer zu den ganz Grossen

Auch nach 54 Jahren – ihr Debüt gab sie 1972 in «Faustine et le bel été» – ist ihr Beruf noch immer ihre grosse Liebe. Hupperts enormer Arbeitshunger wurde sogar einmal bei ihrem Gastauftritt in der Erfolgsserie «Call My Agent!» durch den Kakao gezogen. Huppert nickt. «Dafür war ich selbst verantwortlich: Ich sagte dem Autor, er soll da gnadenlos überziehen, bis es völlig absurd ist. Daher ist diese Episode besonders lustig geworden.»

Wenn es um den Beruf geht, ist Huppert weder wortkarg noch kühl, da macht ihr rot geschminkter Mund kaum Pause. «Das Schauspielen fällt mir sehr leicht, daher fühle ich mich nie gestresst. Es ist für mich keine echte Arbeit, eher ein Lifestyle.»

Filme sind ihr Fenster zur Welt, zur inneren und zur äusseren. Das Reisen wurde ihre zweite Passion. «Mal drehe ich in Japan oder Korea, mal in Paris oder Berlin.» Es passt daher perfekt, dass im legendären Pariser Luxushotel Lutetia eine Suite zu Ehren der Film-Ikone gestylt wurde: mit Fotos von ihr, ihren Lieblingsbüchern von Philip Roth, Sylvia Plath und Simone de Beauvoir, ihrer selbst kuratierten Playlist von den Stones, Mozart, Zaho de Sagazan, einem eleganten, strengen Interieur und dem eindrucksvollen Blick in Richtung Eiffelturm. Was eine Übernachtung kostet? Nicht mehr als eine Unterschrift auf einem Check.

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