Darum gehts
- Michael B. Jordan gewinnt seinen ersten Oscar für «Sinners» in Los Angeles
- Preis für Doppelrolle in Südstaatenepos, Konkurrenz waren DiCaprio und Chalamet
- 39-jähriger Schauspieler seit 2015 bekannt, «Sinners» erhält vier Oscars insgesamt
Scheinwerferlicht fällt über den Saal des Dolby Theatre in Los Angeles. Kameras klicken, Designerroben rascheln, das Publikum scheint zum Zerreissen gespannt. Dann wird der Umschlag für die Kategorie «Bester Schauspieler» geöffnet. Der Name darin: Michael B. Jordan.
Für einen Moment wirkt der 39-Jährige selbst überrascht. Viele rechnen bei der diesjährigen Oscar-Verleihung eher mit Leonardo DiCaprio (51) oder Timothée Chalamet (30).
Doch am Ende gewinnt der einstige Underdog. Ausgezeichnet wird Jordan für seine Doppelrolle im mit vier Oscars gekrönten Südstaatenepos «Sinners». Darin spielt er zwei Brüder mit komplett unterschiedlichen Charakterzügen, deren Leben und Entscheidungen von derselben Vergangenheit geprägt sind.
«Mama, danke, dass du immer an mich geglaubt hast», sagt Jordan sichtlich gerührt in seiner Dankesrede. Im Publikum sitzen an diesem Abend neben Mutter Donna auch Vater Michael, der extra aus Ghana angereist ist, Schwester Jamila und Bruder Khalid. Der Oscar ist in diesem Moment nicht nur die Krönung einer schauspielerischen Leistung, er ist auch der private Triumph eines Jungen aus Newark, der Arbeiterstadt nähe New York, der es bis ganz nach oben geschafft hat.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
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Jugend in New Jersey
Michael B. Jordan wird 1987 in Santa Ana in Kalifornien geboren, wächst aber an der Ostküste auf – in Newark, New Jersey. Sein Vater, ein ehemaliger Marine, arbeitet als Caterer, seine Mutter als Schulberaterin.
Die Familie lebt in sehr bescheidenen Verhältnissen – eine Herkunft, die ihn bis heute prägt. «Ich habe mit meiner Familie in der Küche geschlafen – mit offenem Ofen, damit wir im Winter warm hatten», sagt er in einem Interview. Wer aus einem solchen Umfeld komme, für den sei der ganze Luxus Hollywoods «einfach nur Schnickschnack».
Vom Kindermodel zum Fernsehstar
Zur Schauspielerei kommt Jordan eher zufällig. Seine Mutter meldet ihn als Kind bei einer Modelagentur an. Über Werbejobs und erste Castings landet er schliesslich auch im Fernsehen. Grössere Bekanntheit erlangt er mit der Rolle des drogendealenden Teenagers Wallace in der gefeierten HBO-Serie «The Wire» (2002). Auch in der populären Seifenoper «All My Children» (2003–2006) steht er vor der Kamera. Schon damals fällt er durch eine ungewöhnliche Intensität auf – eine Präsenz, die zu seinem Markenzeichen wird.
Bei «All My Children» begegnet er einer jungen Schauspielerin, die später ebenfalls weltberühmt wird: Amanda Seyfried (40). «Mein erster Kuss vor der Kamera war mit Michael», erinnert sich Seyfried an die gemeinsame Zeit. «Wir waren beide noch Teenager und total nervös. Aber er war unglaublich freundlich und professionell.» Bis heute verbindet die beiden eine freundschaftliche Beziehung.
Sein Liebesleben behält der «Sexiest Man Alive» von 2020 lieber für sich. «Es passt zu meiner Persönlichkeit, ich teile ohnehin nicht gern viel über mich», sagt er. Er habe sich in den letzten Jahren bewusst «sehr auf meine Arbeit konzentriert». Über Beziehung und Liebe «zerbreche ich mir nicht den Kopf». Dennoch sorgt Anfang 2021 seine Beziehung mit dem Model Lori Harvey (29) für Schlagzeilen. Die beiden gelten damals als eines der glamourösesten Paare Hollywoods. Doch nach etwas mehr als einem Jahr trennen sie sich wieder.
Durchbruch in Hollywood
Beruflich läuft es für den bekennenden Workaholic schon Jahre zuvor hervorragend. Mit dem Blockbuster «Creed» wird er 2015 einem internationalen Publikum bekannt. Als Boxer Adonis Creed glänzt er an der Seite von Rocky-Legende Sylvester Stallone (79). Jordan sei «unglaublich talentiert», schwärmt Stallone über seinen Co-Star, die Zusammenarbeit mit ihm sei «fantastisch» gewesen. In der Rolle des aufstrebenden Boxtalents zeigt der heute 39-Jährige jene Mischung aus Härte und Verletzlichkeit, die seine Figuren so besonders macht. Auch im Marvel-Hit «Black Panther» (2018) überzeugt er als Bösewicht mit persönlichen Dämonen – ein Motiv, das sich bis zu seiner gefeierten Doppelrolle in «Sinners» wiederfindet.
«Ich liebe es, die Erfahrungen eines schwarzen Mannes in Amerika zu erzählen – aber auf moderne Weise, ohne immer auf historische Stoffe zurückgreifen zu müssen», beschreibt er seine Rollenauswahl. «Ich möchte ein modernes Verständnis dafür vermitteln, wo wir heute stehen und wohin wir in Zukunft gehen wollen.»
Pläne jenseits der Leinwand
Doch Jordan, dessen Vorbild der Musiker und Unternehmer Jay-Z (56) ist, denkt längst über Hollywood hinaus. «Ich möchte etwas aufbauen, ein Unternehmen, das über meine Schauspielkarriere hinaus Bestand hat», erklärt er. Dazu gehören eine Rum-Marke, ein Restaurant, vielleicht sogar ein eigenes Hotel.
Sein erster Oscar ist für Michael B. Jordan deshalb weniger ein Ziel als ein Startpunkt – für alles, was noch kommt. Und eines ist dabei klar: «Wenn es meiner Familie gut geht, geht es auch mir gut. Wenn es ihnen nicht gut geht, geht es mir auch nicht gut.»