Darum gehts
- ZDF-Doku zeigt deutsche Adelswelt trotz Abschaffung 1919, gestartet am 28. April
- Frauen verlieren Adelstitel bei Heirat mit Bürgerlichen, Männer behalten Status
- Tulpenball und «Adel auf dem Radel» fördern Netzwerke, Zulauf besonders bei Jungen
Eine Welt, die offiziell nicht mehr existiert, bleibt lebendig: Der deutsche Adel hat trotz rechtlicher Abschaffung 1919 seine eigenen Regeln. Die ZDF-Dokumentation «Die geheime Welt des Adels», die seit dem 28. April läuft, beleuchtet dieses Paralleluniversum.
Der Adel hält an alten Gesetzen fest, darunter das Mannesstamm-Prinzip. Frauen sind dort benachteiligt. Eine adelige Frau verliert ihren Status, wenn sie einen Bürgerlichen heiratet. Männer hingegen behalten Titel und Besitz. «Ausheiraten» nennen das einige Familien.
Annabel Clanner von Engelshofen, eine Biologin, beschreibt die Situation in der Dokumentation nüchtern: «Ich kann meinen Kindern leider keinen Titel geben, aber dafür mein Bruder.» Früher habe sie das unfair gefunden, doch inzwischen habe sie sich damit abgefunden.
So daten deutsche Adelige
Ein Ort, an dem der Adel noch immer seine Netzwerke knüpft, ist der Tulpenball in Den Haag. Hier pflegt man die alten Ballregeln des Adels. Das ZDF begleitet zwei junge Adelige zu diesem Event. Einer von ihnen erzählt, wie ein solcher Anlass abläuft.
«Man gibt auf der Einladung die Körpergrösse und das Alter an. Dann wird einem im Grunde genommen eine Tischdame zugewiesen», erzählt Vincent Ritter Clanner von Engelshofen, einer der Protagonisten. Seit Jahrhunderten knüpfe der Adel ein festes Netzwerk, um den Stand zu erhalten und dem eigenen Nachwuchs den Platz in der Gesellschaft zu sichern.
Velo-Event für junge Adelige
«Gibt es denn noch andere Möglichkeiten ausser Bälle, andere junge Adelige kennenzulernen?», will ZDF-Reporter Jochen Breyer (43) von ihm wissen. «Adel auf dem Radel», sagt Vincent. Eine Art Fahrradtour, bei der man in Begleitung von Schloss zu Schloss fährt. Dies sei aber eher für jüngere Adelige bis 18 Jahre gedacht. «Es geht einfach nur darum, dass die Adelsfamilien sich kennenlernen, dass man sich beschnuppern kann, dass man einfach von klein auf den Einstieg bekommt.»
Der Zulauf zu Netzwerk-Events sei gross. Das Gefühl der Protagonisten der Doku ist, dass der Adel nach einer Durststrecke die letzten Jahrzehnte, wieder beliebt ist. Vor allem bei den Jungen.