«Persönliche Apokalypse»
So verarbeitete Herbert Grönemeyer die schwerste Zeit seines Lebens

1998 verlor Herbert Grönemeyer innerhalb weniger Tage seine Frau und seinen Bruder. Im Dok-Film «Grönemeyer – Alles bleibt anders» spricht der Sänger ungewohnt persönlich darüber, wie er diese Schicksalsschläge überstand.
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Der neue Doku-Film «Grönemeyer – Alles bleibt anders» blickt auf die lange Karriere des Sängers zurück.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Doku zeigt Grönemeyers Leben, Schicksalsschläge und Karrierehöhepunkte bis 2026
  • 1998 starben seine Frau Anna und sein Bruder binnen vier Tagen
  • Album «Mensch» verkaufte sich über 3,6 Millionen Mal
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Sophie OferRedaktorin People

Die neue ARD-Dokumentation «Grönemeyer – Alles bleibt anders» zeichnet die jahrzehntelange Karriere des deutschen Ausnahmesängers nach. Doch neben seinem atemberaubenden Erfolg musste Herbert Grönemeyer (69) bekanntlich auch schwere Schicksalsschläge erleiden.

Im Film spricht er nun ungewohnt persönlich über den tragischen Verlust seiner Frau Anna Henkel (†45), der er einst das Lied «Der Weg» widmete – und seinen Weg zurück ins Leben.

Alles kam zum Stillstand

1998 kam es zum wohl einschneidendsten Erlebnis in Herbert Grönemeyers Leben. Im November starben sein Bruder Wilhelm (†44) und seine Frau Anna Henkel im Abstand von nur vier Tagen – zwei tragische Schicksalsschläge innerhalb kürzester Zeit. Nach anfänglichem Ringen um Worte beschreibt Grönemeyer im Doku-Film die Zeit als «unfassbare Zäsur», als «Riss». Es sei alles zum Stillstand gekommen, «es ist wie ein Beben, es ist Stille. Grosse Stille.»

Grönemeyer und Henkel lernten sich 1978 am Set des Films «Uns reicht das nicht» kennen. «Ich weiss noch, wie sie runterkam von der Probe und ich sass in der Kantine. Wir haben uns gegenseitig angeguckt und ich glaube, wir konnten miteinander nicht viel anfangen», erinnert sich Grönemeyer. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Zwanzig Jahre lang gingen sie von da an gemeinsam durchs Leben, Grönemeyer widmete ihr das Lied «Anna», sie heirateten 1993, bekamen wenig später zwei Kinder.

«Es war eine brutale Zeit»

Über dem Familienglück breitete sich bald ein Schatten aus: Anfang der 90er-Jahre bekam Henkel eine Brustkrebs-Diagnose. Eine Krankheit, der sie im Alter von nur 45 Jahren schliesslich erlag. Henkel starb in London, wo die Familie einige Jahre gelebt hatte. Ihr Tod folgte wenige Tage, nachdem Grönemeyers Bruder an Leukämie gestorben war.

Grönemeyers langjährige Managerin Claudia Kaloff beschreibt den Verlust als seine «persönliche Apokalypse» und «die fundamentalste Erschütterung, die man erleben kann im Leben. Es war halt eine brutale Zeit.» Grönemeyer selbst verrät, was ihm durch die schwere Zeit half: «Hilfreich ist bei der ganzen Tragik – du kannst dir ja keine Stille leisten, weil nebenher diese zwei wunderbaren Kinder waren, wo man sagte: Was machen wir jetzt? Weil die sind auch noch da.»

«Man wird einfach mutiger»

Grönemeyer nahm eine Auszeit von der Musik. Vier Jahre später kam er mit dem Album zurück, das seine Karriere definieren sollte: «Mensch». Darauf widmete er Henkel den Song «Der Weg», der weithin als einer der emotionalsten deutschsprachigen Popsongs überhaupt gilt. «Bei ‹Mensch› geht es ums Trauern, es geht aber auch um den Aufbruch. Und durch das Trauern schafft man es auch wieder, sich aufzumachen», so Grönemeyer. «Ich habe die Platte auch ‹Mensch› genannt, um mich bei allen Menschen, die mir Zuspruch geschenkt haben, zu bedanken.» Das Album verkaufte sich über 3,6 Millionen Mal.

Grönemeyer erklärt, dass es noch eine Weile gedauert habe, bis er wieder den Boden unter den Füssen fühlte. «Bei ‹Zeit, dass sich was dreht› war ich langsam wieder da, wo ich hingehört habe», erinnert sich Grönemeyer. Der Song erschien 2006 und wurde zur Hymne der Fussball-WM in Deutschland. Er ziehe aus den Dingen, die ihm widerfahren sind, auch eine gewisse Kraft: «Wenn man Verluste erlitten hat oder auch gescheitert ist, wird man einfach mutiger. Weil man sich mit der anderen Seite des Lebens auseinandersetzen muss. Man entwickelt mehr Mut [...] und auf der anderen Seite auch eine andere Demut, weil man [...] weiss, mit welcher Wucht oder Gemeinheit oder Unfairness das Leben auch agiert.» 

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