Älplerin in Kinofilm zu sehen
75-jährige Sennin bringt einen alten Brauch auf die grosse Leinwand

Im Film «Melodie» ruft die Sennin den Alpsegen in den Alpstein. Die Appenzeller Innerrhoderin bringt den alten Brauch auf die Leinwand – ein Gebet für Schutz, Natur und Vieh.
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Der Film zeigt, wie Mina Inauen im Alpstein um den Segen bittet. Auch ihr verstorbener Mann hat noch mitgewirkt.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Appenzellerin Mina Inauen spielt im Film «Melodie» über Alpsegen mit
  • Sie ruft den Alpsegen mit Holztrichter und fühlt sich geborgen
  • Seit 2003 führt sie mit Familie die Alp Streckwees im Alpstein
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Aurelia Robles, GlücksPost
Glückspost

Durch sie findet ein alter Brauch der Älpler und Älplerinnen seinen Weg auf die Kinoleinwand: Appenzell-Innerrhoderin Mina Inauen wirkt im Film «Melodie» von Regisseurin Anka Schmid mit, der aktuell im Kino läuft. Darin wird die 75-jährige Sennin gezeigt, wie sie den Alpsegen in die Berge des Alpsteins ruft. Mit dem Sprechgesang bittet sie Gott und die Heiligen darum, das Vieh, die Natur und die Berggegend zu beschützen. Mina Inauen ist eine von zehn Personen, die im Film über die Kraft des Singens und über das Zusammenspiel von Gesang und Gefühlen dokumentiert werden. «Der Film hat mir sehr gut gefallen. Ein bunter Bogen von Melodien ist kunstvoll und interessant zusammengefügt», findet sie.

Schon 2012 wirkte die pensionierte Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin in der Dokumentation namens «Alpsegen» mit. «Wenn ich mich selbst in einem Film sehe, muss ich zuerst einmal mit mir selbst zurechtkommen. Man nimmt sich selbst schon anders wahr, als wie man auf andere wirkt.» Die Meinung anderer über sie und ihren Brauch ist ihr jedoch unwichtig, denn sie tue das, was für sie stimme. So ist die fünffache Mutter und 16-fache Grossmutter stets mit einem Hut unterwegs und trägt Sandalen oder gar nichts an den Füssen – sofern kein Schnee oder «Pflotsch» liege. «Ich trage einfach nicht gerne Schuhe.»

In jungen Jahren oft auf der Alp

Mit dem Beruf kam Mina Inauen schon als Mädchen in Berührung. Der fast verloren gegangene Brauch wurde in der Alpstein-Region 1948/1949 bei den Sennen und Sennerinnen aktiv wieder angeregt. «Jede Alphütte erhielt deshalb einen eigenen Holztrichter», weiss Inauen. Auch die Hütte ihres Vaters auf der Alp Streckwees besass so einen. «An einem Tag kam der Milchkontrolleur vorbei, um die Milch der Kühe fürs Zuchtbuch zu messen», erinnert sich Inauen, die als Jugendliche zwei Sommer lang als «Handbueb» mithalf. «Als dieser den Holztrichter erblickte, fragte er, wer bei uns den Alpsegen rufe.» Die Antwort war «niemand», weshalb er sie noch am selben Tag die Worte des «Ave Marias» lehrte. «Normalerweise wird der Segen von den Älplern gerufen. Doch ich wusste, dass ich genau gleich beten kann wie ein Mann.»

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Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

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«Bhüets Gott ond erhalts Gott» – seither ruft Mina Inauen mit dem Holztrichter in den Alpstein, wenn sie auf der Alp weilt, selbst wenn kein Vieh da ist. «Mir gibt dies Ruhe, Zuversicht und Dankbarkeit. Auch fühle ich mich geborgen.» Für sie ist der Alpsegen ein Gebet und keinesfalls eine Touristenattraktion. «Wenn jemand zuhören möchte, darf er das. Aber ich rufe immer nur einmal, wiederhole ihn nicht, und immer zu meiner Zeit.» Diese liegt abends zwischen 19 und 20 Uhr. «Es ist wichtig, dass Körper, Seele und Geist dabei sind.»

Alp übernommen

Im Jahr 1995 übernahmen Mina Inauen und ihr Mann Andreas schliesslich die Alp Streckwees. Während die ersten acht Jahre ein Angestellter diese führte, übernahm das Paar ab 2003 ganz. Ihr Mann erledigte fortan die Sennenarbeit rund ums Vieh, sie den Haushalt und das Erbitten des Alpsegens.

Auch diesen Sommer wird Mina Inauen wieder dort verbringen – jedoch ohne ihren Mann Andreas, der vergangenen Oktober verstarb. «Wir haben nun wieder jemanden für die Sennenarbeit angestellt.» Für die Person werde sie kochen und daneben mehr Zeit für sich haben. «Die vergangenen Jahre waren streng, da ich immer mehr Arbeiten meines Mannes übernommen habe.» Übrigens ist Mina Inauen nicht nur im Sommer, sondern jede Woche für einen Tag auf der Alp Streckwees. «Dort bin ich daheim und fühle mich tief verankert. Natur, Einfachheit und Ruhe sind mir sehr wichtig. Auf der Alp kann ich einfach nur sein.»

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