Darum gehts
- Marc Tschanz (27) aus La Heutte spielt modernes Schwyzerörgeli, nicht nur Traditionelles
- Musizieren half ihm, den Tod seiner Mutter mit 15 zu verarbeiten
- Er tritt jährlich etwa 150-mal auf und gibt auch Onlinekurse
Wenn Marc Tschanz (27) Schwyzerörgeli spielt, trägt er dabei meist ein Käppli. Dem Berner gefällt es, mit Klischees zu brechen. Auf seinem Schwyzerörgeli spielt er nicht nur traditionelle Musik, sondern auch moderne Genres. Mit seiner frischen Herangehensweise trifft er den Nerv der Zeit: So trat Tschanz an der Eröffnungsfeier des Eurovision Song Contest 2025 in Basel auf und stand schon mit Trauffer (46) im Zürcher Hallenstadion auf der Bühne.
Zu Hause in La Heutte BE übt Marc Tschanz fleissig und oft auf seinem Schwyzerörgeli. Aufgewachsen ist der Musiker mit seiner Schwester auf dem Bauernhof der Eltern im benachbarten Prés-de-Cortébert BE. «Mit acht Jahren begann ich, Schwyzerörgeli zu spielen, weil es die anderen in der Schule auch taten», erzählt er. Nachdem er seine Lehre als Landwirt absolviert hatte, entschied er sich, alles auf die Musikkarte zu setzen. Seit vier Jahren kann er von der Musik leben.
Jährlich tritt der Künstler rund 150-mal auf, egal, ob an Beerdigungen, Hochzeiten oder an grösseren Events wie dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!
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Daneben verdient er seinen Lebensunterhalt als Musiklehrer. Seit neustem bietet Tschanz auch Onlinekurse an. «Ich möchte allen ermöglichen, Schwyzerörgeli zu lernen. Auch denen, die weit weg wohnen.»
Musik als Zuflucht und Therapie
«Das Schwyzerörgeli ergibt keinen Sinn», meint Marc Tschanz zum Aufbau des Instruments. Am Anfang sei er «grottenschlecht» gewesen. In einer schwierigen Phase seines Lebens wurde das Musizieren jedoch zu seiner Zuflucht – und zugleich war es eine Art Therapie. «Meine Mutter erkrankte an Muskelschwund und starb, als ich 15 war.» In dieser Zeit suchte der Jugendliche Trost in der Musik und konnte so den Schmerz besser verarbeiten.
Ende vergangenen Jahres veröffentlichte Marc Tschanz sein zweites Album, «Heavy Örgeli». Darauf finden sich hauptsächlich rassige Eigenkompositionen. «Ich will zeigen, dass das Schwyzerörgeli alles andere als altmodisch ist.» Auf seinen Social-Media-Kanälen beweist er zudem, wie vielseitig das Schwyzerörgeli klingt: Moderne Pop-Hits von Ed Sheeran, Songs von der Punk-Rock-Band The Offspring oder das Lied «Mon Amour» der Band Hecht interpretiert er auf seine ganz eigene Art. Marc Tschanz spielt alles nach Gehör. Noten lesen muss er dafür gar nicht.
Im März startet er mit seiner Band die dazugehörige Tour. Besonders auf einen Gast freut er sich immer wieder: «Ich könnte vor 15 000 Leuten spielen, aber wenn ich weiss, dass mein Vater da ist, bin ich am nervösesten.»