Darum gehts
- Deutsches Paar kritisiert Essenspakete der Tafel wegen angeblich abgelaufener Produkte
- Vorsitzender betont, dass Mindesthaltbarkeitsdatum nicht Verwendbarkeit beeinflusst
- In der Schweiz kosten Essenspakete 1–2 Franken, Qualitätsstandards gelten
Sie sind bis über beide Ohren verschuldet, auf Sozialhilfe angewiesen und müssen regelmässig zur Tafel. Und trotzdem stellen Mike (26) und Angelique (21) von «Armes Deutschland» noch Ansprüche, wenn es um ihre Unterstützung geht.
Kürzlich sorgten sie für Aufruhr, weil sie sich über die Essenspakete der deutschen Tafel beschwerten. «Ich finde, es ist schon eine Verarsche, dass wir fünf Euro zahlen – einfach deswegen, weil eigentlich alles abgelaufen ist ausser das Gemüse. Und das Gemüse ist nicht das frischeste», motzte Angelique lauthals in der Sozial-Doku von RTL Zwei.
Sie meckert – sie Tafel wehrt sich
Abgelaufene Produkte sortiert das Paar rigoros aus, selbst Müsli, Chips oder Schokolade lehnen sie ab, weil die Lebensmittel wenige Tage über dem Ablaufdatum sind. Auch eine «wässrig» schmeckende Melone fällt bei Angelique durch. «Ich esse nichts Abgelaufenes. Denn wenn ich etwas Abgelaufenes esse, kriege ich Magenschmerzen. Wieso soll ich das essen? Ich habe einen sehr sensiblen Magen», sagt die 21-Jährige. Immerhin: Was sie nicht essen, verschenken sie an Nachbarn.
Nun wehrt sich der Vorsitzende der Tafel Pirmasens (D) gegen die Kritik der Bürgergeldempfänger. In einem Interview mit rheinpfalz.de erklärt er: «Die Tafel hat in ganz Deutschland klare Richtlinien, wann Lebensmittel ausgegeben werden dürfen. Wir achten genau darauf, was wir herausgeben, es ist keine verdorbene Ware.» Nur, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten sei, heisse das nicht, dass man Lebensmittel nicht mehr essen könne, sagt er weiter. «Je nach Art können Nahrungsmittel noch Tage, Wochen oder sogar Monate nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum unbedenklich verzehrt werden.» Die Aussagen des Paares halte er für «hochproblematisch».
Wie sieht es in der Schweiz aus?
In der Schweiz funktioniert die Ausgabe von Essenspaketen etwas anders. Die Tafel verteilt Lebensmittel beispielsweise an Gassenküchen, Obdachlosenunterkünfte und Frauenhäuser, welche aus den Produkten Mahlzeiten herstellen. Auch Lebensmittelabgabestellen erhalten von der Tafel Essen, welches sie in Taschen verpacken und für einen symbolischen Betrag von ein bis zwei Franken an Bedürftige abgeben, erklärt Roger Biedermann von der Stiftung Schweizer Tafel gegenüber Blick. Für die Lebensmittel orientiert sich die Einrichtung «an den gesetzlichen Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit», erklärt Biedermann. «Ware, die wir weitergeben, muss zum Zeitpunkt der Übergabe an die Einrichtungen unbedenklich konsumierbar sein. Hierbei ist die Differenzierung zwischen Verbrauchsdatum und Mindesthaltbarkeitsdatum zentral.»