Darum gehts
- Youtuber Marvin Wildhage entlarvt Medfluencer mit Fake-Krankheit «Post-Viral Nose Hypersensitivity»
- Ärztin Alina Walbrun bewirbt Fake-Kampagne und erfindet zusätzliche Symptome
- Walbrun hat 300'000 Follower auf Instagram, gesteht Fehler ein, sieht sich aber teils im Recht
Derzeit sorgt Youtuber Marvin Wildhage (30) mit einem Experiment für Aufsehen. Mit einer Fake-Krankheit und einem fiktiven Pharmaunternehmen versucht er, sogenannte Medfluencer dazu zu bringen, für seine erfundene Kampagne zu werben.
Dass ihm eine junge Medizinerin bei seinem Experiment tatsächlich auf den Leim geht, soll zeigen, wie zweifelhaft die Glaubwürdigkeit mancher Social-Media-Ärzte wirklich ist – und dass sich manche von ihnen auf Tiktok und Instagram «still, illegal und heimlich eine goldene Nase verdienen».
Pinocchio-Krankheit
Wildhages Experiment hat folgenden Hintergrund: Da es Ärzten nicht erlaubt ist, für Medikamente zu werben, weicht die Pharma-Industrie auf einen Umweg aus – so erklärt es Wildhage in seinem Youtube-Video. Sogenannte «Disease-Awareness-Kampagnen» sollen vordergründig über Krankheiten aufklären; dabei würden jedoch absichtlich Ängste bei Patienten geschürt: «Also erst mal Angst machen und dann die passende Lösung dafür verkaufen.»
Wildhage kritisiert, dass Medfluencer allzu bereitwillig für solche Kampagnen werben und ihre Autorität als Mediziner für Profit ausnutzen. «Ärzten vertrauen wir. Schliesslich geht es um unsere Gesundheit», schreibt er auf Instagram. «Genau deshalb wollte ich wissen: Wie kritisch prüfen Medizin-Influencer eigentlich die Produkte und Kampagnen, für die sie werben?»
Dafür konstruiert Wildhage eine Erkrankung, die «Post-Viral Nose Hypersensitivity», bei der die Nase anschwellen soll – eine deutliche Anspielung auf die Pinocchio-Figur, deren Nase beim Lügen wächst. Die Leiterin seines «Pharmaunternehmens» nennt er Dr. Geppetto – der Name von Pinocchios Schöpfer. Sogar auf der Website, die er für sein fiktives Unternehmen erstellte, versteckt Wildhage Hinweise darauf, dass es sich um einen Prank handelt.
Ärztin geht Fake-Unternehmen auf den Leim
Trotz allem stösst Wildhage nach eigenen Angaben auf zahlreiche Influencer, die seine Kampagne bewerben wollen. Eine von ihnen ist die frisch approbierte Ärztin Alina Walbrun, die die Werbung auf Instagram veröffentlichte. In ihrem Video erzählt sie ihren 300'000 Followern, die Krankheit während ihres Studiums kennengelernt zu haben. Sie fügt darüber hinaus Symptome hinzu, die in dem Kampagnen-Briefing für die Fake-Krankheit gar nicht enthalten waren.
Wildhage fügt zur Einordnung hinzu, dass ein einzelner Fall nicht gleich alle Medfluencer unseriös mache. Trotzdem würden Personen, die medizinische Inhalte verbreiten, auch Verantwortung für die Gesundheit ihrer Follower tragen.
Walbrun hat sich mittlerweile zu dem Vorfall geäussert. Sie gestand, den Namen der angeblichen Krankheit ungeprüft übernommen und die erfundene Krankheit mit anderen Krankheiten vermischt zu haben, «ohne zu prüfen, ob dieser Name überhaupt existiert». Sie trage dafür die volle Verantwortung.
Zuletzt postete Walbrun jedoch in ihrer Instagram-Story Screenshots von Youtube-Kommentaren, in denen User ihr für ihre Aussagen in dem Werbevideo recht geben; die von ihr beschriebenen Symptome gibt es laut ihnen sehr wohl, Walbrun habe nichts Unwahres behauptet. Augenscheinlich sieht sich Walbrun doch nicht ganz im Unrecht.