Darum gehts
- Neue Bahnhöfe in Altdorf und Müllheim-Wigoltingen haben ein Toilettenproblem
- Altdorf hat nur ein WC für 2200 Reisende täglich, Müllheim-Wigoltingen gar keines
- Umbau in Müllheim-Wigoltingen kostet 16 Millionen Franken, 590 Nutzer pro Tag
Schweizer Bahnhöfe und Toiletten. Das ist so eine Sache! Wenn man mal dringend muss, ist das WC entweder besetzt oder geschlossen – oder es gibt gar keines. Immer wieder kommts rund um Bahnhöfe zu Knatsch wegen des stillen Örtchens. Etwa in Altdorf UR, wo der Bahnhof zwar für stolze 110 Millionen Franken umgebaut wurde – es seither aber nur noch eine Toilette gibt.
Männer, Frauen, Personen mit Behinderung und Kinder, die einen Wickeltisch brauchen, teilen sich eine einzige öffentliche Toilette. Und die kostet erst noch. Mit Münz bezahlen geht nicht. Das nervt Einheimische wie Touristinnen und Touristen. Denn wenn ein Bus vom Tell-Denkmal am Bahnhof Altdorf ankommt, wirds kritisch. Wenn mehrere der Passagiere, die auf den Zug nach Zürich umsteigen wollen, Druck auf der Blase haben, dann gibts Probleme. Und eine lange Schlange ungeduldiger Reisender vor dem WC-Häuschen.
«Notdurft in der Unterführung verrichten»
Noch blöder dran ist, wer in Müllheim-Wigoltingen TG schnell aufs Häuschen muss. Dort gibts gar keine Toilette. Und das wird auch künftig so bleiben. Der Bahnhof an der Strecke von Romanshorn TG nach Winterthur ZH wird derzeit zwar für 16 Millionen Franken umgebaut. Ein WC gibts aber auch künftig keines, wie die «Thurgauer Zeitung» berichtet.
Das kommt vor Ort nicht gut an. «So muss man auch in Zukunft die Notdurft in der Unterführung verrichten», sagt ein Pendler im Bericht. Die 16 Millionen Franken findet er viel zu viel für einen so kleinen Bahnhof. Und moniert: «Das ist für mich ohne Augenmass und eine Verschwendung von Steuergeldern.» Pro Tag nutzen im Schnitt 590 Reisende den Bahnhof.
Die SBB halten gegenüber der «Thurgauer Zeitung» dagegen. Der Bahnhof werde umgebaut, damit er den Vorgaben aus dem Behindertengleichstellungsgesetz entspricht. Die Perrons werden auf 55 Zentimeter erhöht, damit man ohne Stufe in die Züge kommt. Zudem werde das Perron auf 220 Meter verlängert. Und Bahn- und Signaltechnik sowie Fahrleitungen erneuert. Für den Bau eines WCs gebe es keinen gesetzlichen Auftrag.
WC-Zutritt nur mit Karte
Zurück nach Altdorf. Warum gibt es dort nur eine Toilette? Nach welchen Kriterien entscheiden die SBB über die Grösse der Toilettenanlagen? Zentral ist die Zahl der ein- und aussteigenden Reisenden. In Altdorf sind es täglich 2200 Personen. Zu wenig für eine grössere Toilette, ein ganz normales Modul-WC muss reichen. Das steht an vielen kleinen Bahnhöfen im Land und hat ein WC, ein Pissoir und einen Wickeltisch. Eine SBB-Sprecherin betonte gegenüber Blick: «Zusätzlich haben unsere Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, die rollenden WCs in unseren Zügen zu nutzen.»
Landesweit stören sich Reisende auch immer wieder daran, dass sich die Türe der Toilette nur öffnet, wenn man einen Franken bezahlt – mit einer Debit- oder Kreditkarte. Bei den SBB sieht man das anders: «Die Rückmeldungen unserer Kundinnen und Kunden haben gezeigt, dass sie die berührungslose und damit hygienische Bedienung der Anlage sehr schätzen», sagte die SBB-Sprecherin. Wer mit Bargeld bezahlen möchte, kann zudem am Selecta-Automaten daneben eine WC-Zutrittskarte kaufen.