Darum gehts
- Bahnhof Kemptthal ZH: 20 irrtümliche Durchfahrten in 2024/2025, Spitzenreiter im SBB-Ranking
- SBB: Von 170'000 Halten wird statistisch einer vergessen, meist Verwechslungen
- Effretikon ZH: 102'100 tägliche Passagiere, meistdurchfahrener Bahnhof der Schweiz
Die SBB gelten als Musterbeispiel für Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Doch selbst bei den Schweizerischen Bundesbahnen passieren ärgerliche Fehler: Immer mal wieder fahren Züge an einem Bahnhof vorbei, obwohl sie dort eigentlich halten müssten. Ein internes SBB-Ranking, das dem «Zürcher Oberländer» vorliegt, zeigt nun, wo das besonders häufig passiert.
Spitzenreiter ist der Bahnhof Kemptthal ZH auf der Strecke zwischen Effretikon ZH und Winterthur ZH. Insgesamt 20-mal fuhren S-Bahnen in den Jahren 2024 und 2025 einfach durch, statt die wartenden Passagiere ein- oder aussteigen zu lassen. Damit liegt Kemptthal deutlich vor Liestal BL mit 14 und Pully VD mit 10 «irrtümlichen Durchfahrten», wie die SBB solche Vorfälle nennen. Für die betroffenen Reisenden sind sie höchst ärgerlich. Wer aussteigen will, landet unfreiwillig am nächsten Bahnhof. Wer auf dem Perron wartet, sieht seinen Zug ohne Halt vorbeirauschen.
Der Bahnhof Kemptthal ist längst nicht mehr der verschlafene Provinzbahnhof, der er lange war. Über 450 Züge halten dort – pro Woche. Gebaut wurde der Bahnhof 1855. Er war zentral fürs angrenzende Maggi-Areal. Julius Maggi (1848 bis 1912) baute ab 1869 direkt neben den Gleisen seine Fabrik auf, in der später die kultige Maggi-Würze und Suppen produziert wurden. Heute nennt sich das Areal The Valley. Im neuen Industrie- und Gewerbepark gibts bereits 130 Firmen mit total 1300 Jobs. Derzeit sollen 2000 Menschen auf dem Areal arbeiten. Dadurch blüht auch der Bahnhof wieder auf.
Lokführer müssen zum Debriefing antraben
Gegenüber Blick betont eine SBB-Sprecherin: «Irrtümliche Durchfahrten kommen im SBB-Netz insgesamt sehr selten vor. Statistisch gesehen geht von 170‘000 Halten einer vergessen», sagt sie. «Für die betroffenen Kundinnen und Kunden ist eine Durchfahrt ärgerlich und wir entschuldigen uns dafür.» Folgen hat sie auch fürs Personal. Denn: «Jede Abweichung werde im Nachhinein mit dem Lokführer, der Lokführerin besprochen», sagt die Sprecherin.
Doch wie kann es überhaupt passieren, dass ein Lokführer einfach durchfährt? Die SBB-Sprecherin führt verschiedene Gründe an. «Es kann zu Verwechslungen bei Bahnhöfen kommen, an denen Züge nicht immer halten», sagt sie zu Blick. «Oder zu kurzfristigen betrieblichen Anpassungen, etwa wegen Verspätungen, Baustellen oder betrieblichen Störungen.» Auch die Vielzahl an Linien und Haltemustern im dichten Taktverkehr erhöhe «die Komplexität im täglichen Betrieb». Aller Bemühungen zum Trotz liessen sich solche Durchfahrten nicht vollständig ausschliessen.
Auch Effretikon kommt in die Kränze
Spannend: Auch der Bahnhof Effretikon ZH, der nächste Stopp ab Kemptthal auf dem Weg Richtung Zürich, schaffts ins Ranking. Mit sechs irrtümlichen Durchfahrten in den Jahren 2024 und 2025 kommt er auf Platz 7, wie der «Zürcher Oberländer» weiss. Am Zürcher Knotenpunkt halten fünf S-Bahn-Linien. Und, was kaum jemand weiss: Effretikon ist der Bahnhof der Schweiz, an dem am meisten Menschen durchfahren.
Den Bahnhof Effretikon, der auch gut an den Flughafen Zürich und ans Zürcher Oberland angeschlossen ist, passieren Tag für Tag durchschnittlich 102'100 Menschen. Mit 91'900 durchfahrenden Passagieren pro Tag liegt Heitersberg AG auf der Strecke zwischen Zürich und Aarau auf Platz 2. Der dritte Podestplatz geht an Mattstetten BE, auf der Strecke zwischen Olten und Bern, mit 82'500 Menschen pro Tag.