Darum gehts
- Ersatz der Gotthard-Funkanlage ist massiv verzögert
- 228 Kilometer Schienen, 40 Grad Celsius: Arbeiten im Tunnel stark erschwert
- Abbruch des Projekts erwogen, Kostenrahmen liegt bei über 4,6 Mio. CHF
Die Projektmanager der SBB sind nicht zu beneiden. Erst recht nicht, wenn sie für den Gotthard-Basistunnel verantwortlich sind. Zwei Röhren, vier Gleisstränge, 228 Kilometer Schiene: Die Dimensionen des längsten Eisenbahntunnels der Welt sind gewaltig. Entsprechend komplex gestalten sich Unterhaltsarbeiten – und entsprechend teuer wird es, wenn etwas schiefläuft.
Derzeit läuft einiges schief. Betroffen ist die Tunnelfunkanlage. Sie sorgt dafür, dass Reisende auch tief im Gotthardmassiv auf Tiktok scrollen oder mit ihren Liebsten chatten können. Wichtiger noch: Sie dient der Steuerung des Zugverkehrs. Ohne sie können Lokführer weder untereinander kommunizieren noch die Betriebszentrale telefonisch erreichen.
Abbruch steht im Raum
Die Lebensdauer der Funkanlage neigt sich ihrem Ende zu. Eigentlich hätte sie bei den Unterhaltsarbeiten zwischen 2024 und 2026 ersetzt werden sollen. Doch daraus wird nichts. Auf der Beschaffungsplattform Simap schreiben die SBB von «massiven Verzögerungen» und einem Projekt, das so aus dem Ruder gelaufen ist, dass «auch ein Abbruch als Alternative im Raum steht».
Die Ursachen des Debakels sind zahlreich. Der externe Lieferant der neuen Anlage kämpft mit «technischen und intern organisatorischen Problemen». Dazu kommt, dass der Zugang zum Tunnel «viel schwieriger als vorgesehen» ist. Nach der Zugentgleisung im August 2023 waren die Röhren über ein Jahr gesperrt. Und bei Normalbetrieb sind die Zeitfenster für Arbeiten eng. Im Innern herrschen 40 Grad Celsius. Bauarbeiter verspüren da nur begrenzt Lust, stundenlang am Stück zu werkeln.
Die SBB sehen sich deshalb gezwungen, die Verträge mit dem Betreiber der aktuellen Anlage um zwei Jahre zu verlängern, mit Option auf bis zu sechs weitere Jahre. Das Kostendach liegt bei über 4,6 Millionen Franken – für laufende Supportleistungen sowie einen allfälligen Neustart oder Abbruch des Projekts. Die SBB betonen, dass ein Teil davon ohnehin anfallende Betriebskosten seien, also keine reinen Zusatzkosten.
Wer zahlt?
Nun stellt sich aber die Frage, wer die Mehrkosten trägt. Die SBB-Medienstelle teilt mit: «Wir sind nicht zufrieden, wie das Projekt verlaufen ist.» Derzeit würden Massnahmen gegen die verantwortliche Firma geprüft, darunter etwa Entschädigungen.
Reisende können jedoch beruhigt sein. Die Sicherheit des Zugverkehrs sei nicht gefährdet, so die SBB. Die Verlängerung der Wartungsverträge stelle den Betrieb sicher – auch wenn der Gotthard-Basistunnel vorerst keine neue Funkanlage erhält.