Darum gehts
- Messerangriff in Winterthur am 28. Mai entfacht Terrorabwehr-Debatte
- NDB verzeichnet 44 Risikopersonen
- Seit November 2025 stieg Zahl «auffälliger Nutzer» von 922 auf 958
Das Attentat in Winterthur ZH vom 28. Mai hat neue, intensive Diskussionen über die Terrorabwehr ausgelöst. Funktionieren die Dispositive in der Schweiz? Sind der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) und die Polizeikorps für die Bedrohungen gewappnet?
Der Messerangreifer Nesip Dedeler war der Sonderkommission Master der Zürcher Kantonspolizei bekannt, diese setzte die Bundeskriminalpolizei zwei Tage vor der Tat darüber ins Bild, dass sich der 31-Jährige mit einem wirren Hilferuf bei der Stadtpolizei in Winterthur gemeldet hatte.
Widersprüchliche Informationen
Nicht bekannt ist, ob die Sonderkommission Dedeler permanent auf dem Radar hatte, seit er sich vor über zehn Jahren radikalisiert hatte. Dagegen spricht, dass die Zürcher Verantwortlichen an der Medienkonferenz sagten, dieser sei erst kurz vor der Tat aus der Türkei in die Schweiz zurückgekehrt.
Die Mutter von Nesip Dedeler gab der Polizei jedoch an, ihr Sohn sei seit vergangenem Sommer wieder in der Schweiz, nachdem er ein Jahr zuvor in die Türkei ausgereist war.
Offensichtlich stand die Sonderkommission mit den Bundesbehörden in Kontakt bezüglich Dedeler. Personen wie ihn verzeichnet der NDB im Rahmen der Terrorismusabwehr als sogenannte Risikopersonen, die eine Bedrohung für die innere und äussere Sicherheit der Schweiz darstellen. NDB-Sprecher Christoph Gnägi sagt auf Anfrage von Blick: «Anfang Juni 2026 registrierte der NDB 44 Risikopersonen.» Diese melde der NDB laufend dem Bundesamt für Polizei und der Bundesanwaltschaft. Bei Verdacht auf strafbare Handlungen übergebe er die Fälle den Strafverfolgungsbehörden.
Fast 1000 «auffällige Nutzer»
Der NDB, der mit Serge Bavaud (53) seit gut einem halben Jahr einen neuen Direktor hat, beurteilt die Terrorbedrohung als erhöht und von der dschihadistischen Bewegung geprägt. «Die grösste Bedrohung geht von Einzelpersonen oder Kleingruppen aus, die etwa mit Messern schwer zu schützende Ziele angreifen», sagt Sprecher Gnägi. Das Attentat in Winterthur entspricht also einem solchen Gefährdungsfall.
Neben den Risikopersonen hat der NDB auch «auffällige Nutzer» von Internetseiten, sozialen Medien und Foren von Dschihadisten im Auge. Die Zahl dieser Nutzer ist seit vergangenem November von 922 auf 958 gestiegen. Das heisst laut NDB aber nicht, dass er alle diese Personen, die durch Onlineaktivitäten aufgefallen sind, auch überwacht.