Darum gehts
- Schlafexpertin Kirsty Vant entlarvt schädliche Schlaf-Tipps und bietet Alternativen
- Strikte Schlafregeln und Fokus auf Perfektion können Schlafprobleme verschlimmern
- Schlafindustrie: 460 Milliarden Franken Marktwert für Tracker und Spezialprodukte
Schlafprobleme sind in der Schweiz keine Seltenheit. Viele Menschen leiden an ausgeprägter Müdigkeit, weil sie nicht genug oder nicht erholsam schlafen. Nicht überraschend also, dass die Schlafindustrie boomt und so manche Tipps kursieren, die die Schlafhygiene verbessern sollen.
Die renommierte Schlafexpertin Kirsty Vant möchte dem jetzt entgegenwirken. Ihre These: Manche «Tipps» können Betroffenen eher schaden als helfen, wie sie im Wissenschaftsmagazin «The Conversation» erklärt.
Mehr Zeit im Bett verbringen
Statt zu helfen, verstärken strikte Regeln oft die Frustration und den Druck, endlich einzuschlafen. Ein Beispiel: Früher ins Bett zu gehen, klinge erst einmal logisch. Doch Vant warnt: «Je länger man wach im Bett liegt, desto stärker wird die Verbindung zwischen Bett und Frustration – und desto schwächer die Verbindung zwischen Bett und Schlaf.» Ihre Empfehlung: Es ist auch okay, etwas später ins Bett zu gehen, nur sollte man jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen. Diese Routine stärke den natürlichen Schlafdruck.
Striktes Meiden von Bildschirmen
Der Verzicht auf Bildschirme vor dem Schlafengehen ist nicht für alle Betroffenen automatisch die beste Lösung. Entscheidend ist weniger das Gerät selbst als der Inhalt: Beruhigende Formate wie ein Podcast oder eine leise Dokumentation können manchen Menschen sogar helfen, während zielloses Scrollen eher belastet. Ein Nachtmodus kann zusätzlich die Reizwirkung reduzieren.
Spezialprodukte und Schlaftracking
Mit einem Marktwert von insgesamt über 460 Milliarden Franken locken Schlaftracker und Spezialmatratzen. Doch die Jagd nach perfektem Schlaf bringe oft das Gegenteil. «Schlaf ist wie Verdauung – eine autonome Funktion. Zu viel Fokus auf Qualität kann den Schlaf verschlechtern», so Vant. Ihr Rat: Loslassen und dem Körper vertrauen.
Kompletter Verzicht auf Koffein
Koffein blockiert Adenosin, einen Botenstoff, der uns müde macht. Allerdings verarbeitet nicht jeder Koffein gleich. Deswegen verbessert ein kompletter Verzicht auf Koffein nicht unbedingt den Schlaf.
Manche Menschen empfinden einen Morgenkaffee als hilfreich, um die Müdigkeit nach dem Aufwachen zu vertreiben und aktiv zu werden, was einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützen kann, erklärt Vant. Bei einer Koffeinempfindlichkeit ist es jedoch ratsam, Koffein im Laufe des Tages zu meiden – ein vollständiger Verzicht ist aber nicht immer notwendig. Wichtig ist, die eigene Reaktion zu kennen.
Behandlungsmöglichkeiten
Schliesslich betont die Britin, dass Schlaf keine starre Grösse ist. Faktoren wie Stress, Alter oder das Elternsein beeinflussen die Schlafdauer. «Flexibilität ist entscheidend. Erwarten Sie nicht jede Nacht perfekten Schlaf.» Für hartnäckige Schlafprobleme gebe es bewährte Lösungen wie die kognitive Verhaltenstherapie für Schlaflosigkeit oder neue Medikamente, die das Wachheitssystem im Gehirn blockieren.
Dieser Artikel erschien zuerst auf Blic. Das serbische Nachrichtenportal gehört wie Blick zu Ringier.