Darum gehts
- Laut einer Studie verändert Schlafmangel die Gehirnstruktur schon nach einer Nacht
- Die geistige Leistungsfähigkeit ist dadurch im Alltag drastisch eingeschränkt
- Die Forscher warnen vor dauerhaften Schäden und einem beschleunigten Alterungsprozess des Gehirns
Wer zu wenig schläft, fühlt sich am nächsten Tag müde, unkonzentriert und gereizt. Aber was bewirkt der Mangel im Gehirn? Mitarbeitende des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin des Forschungszentrums Jülich (FZJ) in der gleichnamigen Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, gingen dieser Frage nach.
Das Team um den Schlafexperten Professor David Elmenhorst fand Hinweise darauf, dass sich Schlafmangel auf die Struktur des Gehirns auswirken kann, wie es im Fachjournal «PLOS Biology» berichtet. Schon eine einzige schlaflose Nacht kann gemäss den Studienergebnissen zu verstärkten Verbindungen zwischen Gehirnzellen führen. Das bedeutet leider nichts Gutes.
Eine schlaflose Nacht verändert die Gehirnstruktur
Für die Studie wurden 40 Personen an zwei Tagen untersucht. Eine Hälfte durfte in der Nacht zwischen den zwei Tagen schlafen, die andere musste wach bleiben. Am zweiten Tag liess sich bei den «Schlaflosen» in mehreren Hirnregionen mehr vom Protein SV2A nachweisen. Dieses Protein kommt vor allem dort vor, wo Nervenzellen über Synapsen Informationen austauschen. Die Menge an SV2A gilt deshalb als Indikator dafür, wie viele Synapsen ungefähr vorhanden sind. Der höhere Wert deutet darauf hin, dass die schlaflose Nacht mehr Verbindungen zwischen den Nervenzellen entstehen liess oder bestehende verstärkte.
Mehr oder stärkere Synapsen bedeuten jedoch nicht automatisch ein leistungsfähigeres Gehirn – im Gegenteil. Denn während das Gehirn tagsüber Verbindungen zwischen Nervenzellen bildet und verstärkt, baut es einen Teil davon nachts wieder ab. «Schlaf ermöglicht eine synaptische Herunterregulierung, erhält Energie und steigert die Effizienz neuronaler Netzwerke», zitiert «Geo» das Forschungsteam um Elmenhorst.
In der Nacht würden wichtige Verknüpfungen erhalten oder gefestigt, weniger bedeutende dagegen abgeschwächt. Ein zu dichtes Netzwerk, das durch Schlafmangel entstehe, verbrauche mehr Energie. Zudem könnten sich Proteine ansammeln, die das Gehirn wieder abbauen müsse. Auch das bedeute zusätzliche Arbeit für das Organ.
Schlafprobleme wie Ein- oder Durchschlafstörungen sowie zu frühes Erwachen, die über längere Zeit bestehen, können gesundheitliche Folgen haben. Kurzfristig werden zudem oft das Wohlbefinden sowie die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit verringert.
santé24 begleitet Betroffene mit Coaching Calls oder Online-Trainings und bietet einen Online-Selbsttest für eine Ersteinschätzung.
Schlafprobleme wie Ein- oder Durchschlafstörungen sowie zu frühes Erwachen, die über längere Zeit bestehen, können gesundheitliche Folgen haben. Kurzfristig werden zudem oft das Wohlbefinden sowie die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit verringert.
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Das Reinigungssystem im Kopf
Dass Schlaf weit mehr ist als reine Erholung, gilt längst als belegt. Rund ein Drittel unseres Lebens verschlafen wir. In dieser Zeit festigt das Gehirn Erinnerungen, verarbeitet Gelerntes – und entsorgt Stoffwechselabfälle, die sich tagsüber beim Denken und Entscheiden ansammeln.
Dabei hilft ein körpereigenes Reinigungssystem: Rhythmische elektrische Wellen treiben eine Flüssigkeit durchs Hirngewebe, die Abfallstoffe aufnimmt und über die Lymphgefässe abtransportiert. Bleiben solche Stoffe – zum Beispiel infolge von Schlafmangel – zu lange im Gehirn, kann das neurologische Erkrankungen begünstigen. Wer dauerhaft zu wenig schläft, riskiert also mehr als nur Müdigkeit und schlechte Laune – grundlegende Abläufe im Körper können gestört werden.