«Man muss sich selbst vertrauen können»
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Helena Graf übers Klettern:«Man muss sich selbst vertrauen können»

Reporterin Helena Graf zwischen Todesgefahr und Höhenrausch
«Ich habe das Glück, dass ich eigentlich nie Angst habe»

In Kriegsgebieten muss Helena Graf ruhig bleiben und alles um sich herum ausblenden. Das gelingt der Aussenreporterin auch beim Klettern. Blick begleitet sie an den Fels und erfährt, wie ihr das Klettern hilft, nach Reportagen wieder im Alltag anzukommen.
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Helena Graf ist Aussenreporterin bei Blick mit Fokus auf investigative Recherchen – ihr Spezialgebiet sind Kriegs-, Krisengebiete und Extremsituationen.
Foto: Nikolina Pantic

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Helena Graf ist Aussenreporterin
  • Sie wechselt zwischen Kriegsreportagen und dem Klettern
  • Sie barg bereits Soldaten in der Ukraine und schläft trotz Drohnen ruhig
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Nikolina PanticRedaktorin News

Helena Graf (28) zieht den Klettergurt fest und setzt den Helm auf, dessen Kratzer von früheren Touren erzählen. Sie blättert im «Plaisir»-Kletterführer, wählt eine Route und gleicht sie mit dem Felsen ab. «Ich wollte schon immer meine Grenzen testen. Manche würden mich einen Adrenalinjunkie nennen», sagt sie.

Als Aussenreporterin ist sie in Kriegsgebieten der Ukraine unterwegs oder begleitet den Geiselaustausch in Israel. Orte, die sonst niemand freiwillig besucht. Wie verarbeitet man das Gesehene? Nicht mit Stillsitzen, jedenfalls für Graf.

Das ist Blick-Reporterin Helena Graf

Helena Graf (28) ist Aussenreporterin bei Blick und auf investigative Recherchen spezialisiert. Seit 2017 berichtet sie über Gewalt, Krisen und Kriege.

Für ihre Reportagen reist sie regelmässig in gefährliche Gebiete. So berichtete sie aus Frontgebieten in der Ukraine, reiste für einen Geiselaustausch nach Israel und interviewte in Afghanistan einen ranghohen Taliban-Vertreter.

Ihre Eindrücke und Geschichten der Menschen, die Graf trifft, hält sie in Form von eindrücklichen Reportagen fest.

Helena Graf

Helena Graf (28) ist Aussenreporterin bei Blick und auf investigative Recherchen spezialisiert. Seit 2017 berichtet sie über Gewalt, Krisen und Kriege.

Für ihre Reportagen reist sie regelmässig in gefährliche Gebiete. So berichtete sie aus Frontgebieten in der Ukraine, reiste für einen Geiselaustausch nach Israel und interviewte in Afghanistan einen ranghohen Taliban-Vertreter.

Ihre Eindrücke und Geschichten der Menschen, die Graf trifft, hält sie in Form von eindrücklichen Reportagen fest.

Vom Frankfurter Drogenviertel ins urchige Näfels

Erst kürzlich war sie im Frankfurter Bahnhofsviertel unterwegs und begleitete Crack- und Fentanylabhängige in ihrem Alltag. Nun begleitet Blick sie, ihren Mann und Hund Paco (4) in den Klettergarten Plattenwand in Näfels GL. Für die drei sind solche Ausflüge längst Routine. Sie braucht das Klettern, um nach ihren Reisen wieder im Alltag anzukommen. «Ausruhen funktionierte nicht, weil ich nicht ausruhen konnte», sagt sie.

Wer glaubt, die Reportagen würden sie emotional überwältigen, irrt. Die Reporterin wirkt warmherzig und interessiert, ihre Sätze sind scharf überlegt. «Ich habe Empathie für die Person, die mir gegenübersitzt. Das, was sie mir erzählt, erschüttert mich nicht.» Doch die Arbeit in Extremsituationen hat auch für sie ihren Preis. «Der negative Aspekt ist, dass man irgendwann das Gefühl hat, man brauche den Krieg. Man brauche diese Extremsituationen, um überhaupt noch etwas zu spüren.»

Das Klettern hilft ihr, diesem Sog etwas entgegenzusetzen. Sie habe nach etwas gesucht, das sie ganz einnehme, sagt sie auf dem Weg. Die Rückkehr in den Alltag falle ihr schwer. Im Freien gelingt sie ihr leichter: «Ich war schon immer sehr gern draussen. Die Natur ist etwas, das in mir ziemlich viel auslöst.»

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Wie die Liebe zum Klettern entstand

Ihre Kletterkarriere startet 2022 auf Klettersteigen. Damals arbeitet Graf noch beim Fernsehen – unter Dauerstress. Ein Jahr später besucht das Paar Freunde in den USA. Diese nehmen die Schweizer an eine Boulderwand in Los Angeles mit.

Ein nächster Besuch aus Amerika führte die Kletterbegeisterten nach Ligurien. Dort lernte die Kletterbegeisterte, wie man sich richtig sichert. Die Knoten kannten ihr Mann und sie bereits aus Jubla-Zeiten. Doch auslernen tut sie nie: «Ich könnte von einem Kurs profitieren, wie man richtig fällt, aber bis jetzt bin ich immer mit blauen Flecken davongekommen.»

Keine Spur von Angst

Wer mit Graf spricht, merkt schnell, dass sie wenig aus der Ruhe bringt. Denn am Klettern reizt sie «schon das Adrenalin», wie sie erklärt, und «auch das ganze Technische dran. Das Kniffeln beim Bouldern zum Beispiel». Sie ergänzt: «Manchmal musst du auch mit deiner Angst kämpfen oder sie überwinden.» Ein Gefühl, das die Reporterin nicht kennt: «Ich habe das Glück, dass ich eigentlich nie Angst habe.» Selbst wenn draussen Drohnenattacken stattfinden, kann sie normal schlafen und arbeiten.

Furchtlosigkeit kann ein Vorteil sein, doch für die Aussenreporterin ist sie auch ein Nachteil. So verschwimmen die Grenzen zwischen Sicherheit und Risiko aufgrund der fehlenden Angst. «Mir ist wichtiger, keine Angst zu haben und die Risiken zu kennen, als mich als die Krasseste aufzuspielen.»

Ihre Furchtlosigkeit beweist Graf in der Ukraine. Mitten im Einsatz birgt ihr Team zwei ukrainische Soldaten aus einem brennenden Wagen. Das Auto wurde von einer russischen Drohne getroffen. Kamera oder Handy zückt Graf nicht. Der ukrainische Kommandant bat darum. Für Graf klar: «Ich bin zuerst Mensch und dann Journalistin.»

Die Ähnlichkeiten zwischen Kriegsgraben und Klettern

Zwischen Krisengebiet und Fels bestehen überraschend viele Parallelen. Schwierig, sich das vorzustellen, denn Graf wirkt geerdet, wenn sie klettert. «Wenn ich im Kriegsgebiet und auch an der Kletterwand bin, bin ich extrem ruhig und konzentriert. Ich kann das andere rundherum vergessen. Das gibt mir Luft und Ruhe im Kopf», so ihre Erklärung.

Hobby und Beruf haben weitere Parallelen. «In meinem Alltag versuche ich als Reporterin, möglichst viel Material zu bekommen, sodass ich schlussendlich das Gefühl habe, keine Energie oder Zeit mehr zu haben, um einen Artikel schönzuschreiben.» Das gleiche Dilemma verfolgt sie beim Klettern. «Man muss nicht immer bis zum Schluss so fest Gas geben, dass keine Reserve mehr da ist.»

Zwischen Zweifel, Erfolg und einem neuen Rekord

Klettern verleiht ihr ein Gefühl von Erfolg. Es sind nicht zwingend die mutigen Reportagen, die Geschichten und Extremsituationen haarscharf porträtieren. Das mag erstaunen, aber für sie ist es ein messbarer Erfolg. «Klettern ist messbar. Du hast es geschafft und kannst es nicht auf jemand anderes abschieben.» Bei ihren Reportagen habe sie keine Kontrolle, ob diese erfolgreich werden.

«Ich denke zu 70 Prozent, dass ich es nicht schaffen werde», sagt sie und blickt skeptisch auf ihre nächste Kletterroute. Als sie jedoch mit beiden Füssen wieder auf festem Boden steht, hat sie eine 6a+-Route absolviert, eine Kategorie längst über dem Anfängerniveau. «Für gute Kletterer ist das nichts, aber für mich ist es ein neuer Rekord», berichtet sie stolz. Für einen Moment ist von ihrem Leben zwischen Kriegsgebieten und Krisenschauplätzen nichts zu spüren.

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