Darum gehts
- In Kanjiza tanzen Millionen Eintagsfliegen, sterben nach wenigen Stunden
- Die grösste Eintagsfliege Europas misst bis zu 12 Zentimeter
- Drei Jahre Larvenleben, dann 3–5 Tage Massenschwarm bei 21 °C Wassertemperatur
Tanzen bis zum Umfallen. Das ist das Motto bei einem der seltensten Naturphänomene Europas, das sich rund um die serbische Kleinstadt Kanjiza abspielt. Die sogenannte «Theiss-Blüte» beginnt.
Dabei schlüpfen Millionen Eintagsfliegen gleichzeitig. Sie tanzen in der Abenddämmerung, paaren sich – und sterben nur wenige Stunden später. Zurück bleibt ein Fluss, der aussieht, als sei er mit Blütenblättern bedeckt, wie die serbische Tageszeitung «Danas» berichtet.
Was genau ist das Blühen der Theiss?
Statt Blüten spriessen hier Insekten. Millionen von Eintagsfliegen schlüpfen gleichzeitig. Sie verwandeln nahezu gleichzeitig die Oberfläche des Flusses in ein schimmerndes Insektenmeer.
Die Theiss-Eintagsfliege ist ein Insekt und mit einer Länge von bis zu 12 Zentimetern und einer Flügelspannweite von rund sieben Zentimetern auch die grösste ihrer Art.
Drei Jahre in der Dunkelheit, ein paar Stunden im Licht
Ihre Geschichte zählt zu den dramatischsten in der Natur. Die Larven verbringen bis zu drei Jahre im Schlamm am Flussgrund. Wenn sie schliesslich an die Oberfläche gelangen, leben sie nur wenige Stunden.
In dieser kurzen Zeit schwärmen sie, paaren sich, legen Eier und sterben. Das erklärt auch, weshalb die Theiss von Millionen weisser Flügel bedeckt ist.
Der beste Zeitpunkt, um das Spektakel zu beobachten
Das Naturspektakel findet meist Mitte Juni statt, wenn die Wassertemperatur 21 Grad Celsius übersteigt. Zunächst erscheinen nur wenige Exemplare, doch innerhalb weniger Tage kommt es zu einem Massenschwarm von Millionen Insekten, die nachmittags die Flussoberfläche bedecken.
Der intensivste Schwarm dauert in der Regel drei bis fünf Tage und ist zwischen 16 und 19 Uhr zu beobachten.
Einzigartig auf der Welt
Das Naturspektakel ist nicht nur ein serbisch-ungarischer Schatz, sondern eine weltweite Rarität. Einst in ganz Europa verbreitet, überlebt dieses Insekt heute nur noch in den Flussbecken von Theiss und Jangtse in China. Die Umweltverschmutzung hat die Eintagsfliege fast verdrängt.
Die gute Nachricht ist, dass sich das Blatt zum Positiven wendet. Experten sagen, dass die Blütenpracht der Theiss in den letzten Jahren intensiver geworden sei, unter anderem dank des Baus zahlreicher Kläranlagen im Oberlauf des Flusses auf ungarischem Gebiet.
Für ein spektakuläres Naturschauspiel muss man allerdings nicht ans andere Ende Europas reisen. Auch die Schweiz hat Naturwunder zu bieten, die mindestens genauso faszinierend sind.
Wenn die Sonne durchs Martinsloch scheint
Zweimal im Jahr wird das 600-Seelen-Dorf Elm GL zum Schauplatz eines Naturspektakels. Nämlich im Frühling und Sommer, wenn die Sonne durch das Martinsloch scheint und den Turm der Dorfkirche in Szene setzt. Das Ereignis ist filmreif: Die massiven Berge werden vom weichen Sonnenschein aufgeweicht, die schroffen Felswände verlieren ihre Härte und wirken plötzlich sanft und beinahe schwerelos – als läge ein leuchtender Heiligenschein über der ganzen Landschaft.
Das Lichtspiel dauert knapp fünf Minuten, aber jeder Moment lohnt sich. Das nächste Mal kann man das Ereignis am 29. und 30. September 2026 beobachten.
Sternschnuppenregen am dunkelsten Fleck der Schweiz
Zugegeben: Die Perseiden gibt es nicht nur in der Schweiz. Denn es handelt sich dabei um einen Sternschnuppenregen, der hierzulande im August den Höhepunkt erreicht. Doch was die Schweiz einzigartig macht, ist die «Gantrisch Dark Sky Zone» des Naturparks Gantrisch, der sich gegen die Lichtverschmutzung einsetzt. Der Naturpark ist als einziger der Schweiz mit dem Dark-Sky-Label zertifiziert.
Der Meteorschauer lässt sich von blossem Auge bestaunen. Dennoch: Kein Ort eignet sich besser, um die Sternschnuppen in ihrer vollen Pracht zu bestaunen. Diese entfachen ihre volle Wirkung gemäss der Sternwarte Eschenberg am 13. August 2026 zwischen vier und sechs Uhr morgens.
Wenn das Verzascatal zu leuchten beginnt
Während Sternschnuppen den Himmel erhellen, lassen Glühwürmchen die Nacht auch am Boden aufleuchten. Besonders gut kann man die kleinen Leuchtkäfer im Verzascatal TI beobachten. Ähnlich wie die Theiss-Blüte sorgen die Glühwürmchen während der Paarungszeit von Ende Mai bis Mitte Juni für ein Lichtspektakel.
Das Verzascatal ist mit seinen verträumten Landschaften und glasklaren Bademöglichkeiten an sich schon einen Besuch wert. Doch wenn in der Dämmerung die Männchen mit ihren leuchtenden Signalen um die Weibchen werben und diese antworten, verwandelt sich das Tal in eine beinahe magische Kulisse voller Licht und Leben.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.