Darum gehts
- Japan: Touristen konsumieren täglich 570 Gramm Reis, mehr als Einheimische
- 91'000 Tonnen Naturreis von Touristen zwischen Juli 2025 und Juni 2026
- 2025: 42,7 Millionen Reisende, Rekordtourismus beeinflusst Reismarkt deutlich
Japan wollte nach der Reiskrise von 2024 herausfinden, warum plötzlich so viel Reis fehlte. Nun sorgt eine neue Auswertung für eine Überraschung: Ausgerechnet ausländische Feriengäste greifen deutlich häufiger zur Reisschüssel als die Menschen, die in Japan leben. Das Ministerium musste seine Berechnungen darum nun massiv nach oben korrigieren.
Touristen essen täglich grosse Portionen Reis
Dass Reis in Japan auf fast jeden Tisch gehört, gilt als selbstverständlich. Doch inzwischen sind es offenbar die Millionen Feriengäste, die besonders kräftig zulangen. Nach neuen Berechnungen des japanischen Landwirtschaftsministeriums isst ein ausländischer Tourist durchschnittlich 570 Gramm gekochten Reis pro Tag. Bisher war die Regierung von lediglich 350 Gramm ausgegangen.
Zum Vergleich: Die Menschen in Japan kommen im Schnitt nur auf 330 bis 340 Gramm täglich. Damit essen Touristen rund 70 Prozent mehr Reis als die Einheimischen.
Sushi ist nicht der einzige Grund
Wer an Japan denkt, denkt oft zuerst an Sushi. Doch das erklärt den hohen Verbrauch nur teilweise. Viele Touristen holen sich mehrmals täglich Onigiri – die beliebten gefüllten Reisbällchen aus den Convenience Stores oder Supermärkten. Auch bestellen sie meistens Reis zu Ramen, Curry oder anderen Gerichten. Während Feriengäste möglichst viele japanische Spezialitäten probieren möchten, greifen viele Japaner im Alltag heute immer häufiger zu Brot oder Nudeln.
Für die neuen Zahlen befragte das Ministerium Besucher aus 14 Ländern. Das Ergebnis: Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 verbrauchten ausländische Gäste rund 91'000 Tonnen Naturreis. Im Frühjahr hatte die Behörde den Bedarf noch auf lediglich 61'000 Tonnen geschätzt.
Diese Touristen essen am meisten Reis
Besonders gross ist der Appetit bei Gästen aus Südostasien. Spitzenreiter sind Reisende aus Vietnam mit durchschnittlich 718 Gramm Reis pro Tag. Dahinter folgen Indonesien (714 Gramm), die Philippinen (695 Gramm) und Thailand (629 Gramm). Auch Besucher aus den USA (565 Gramm) und China (546 Gramm) liegen klar über dem japanischen Durchschnitt. Selbst Touristen aus Hongkong, die den niedrigsten Wert erreichten, kommen noch auf 468 Gramm pro Tag.
Reiskrise brachte Japan ins Grübeln
Der Auslöser für die neue Berechnung war die Reiskrise von 2024. Damals waren Supermarktregale zeitweise leer, gleichzeitig schossen die Preise in die Höhe. In Japan sprach man sogar von den «Reiwa-Reisunruhen». Die Ursachen waren vielfältig: Extreme Hitze verschlechterte die Ernte, viele Haushalte legten Vorräte an – und der Reisverbrauch der stetig wachsenden Zahl von Touristen wurde schlicht unterschätzt.
Allein verantwortlich waren die Feriengäste allerdings nicht. Laut Ministerium fehlten damals insgesamt 400'000 bis 500'000 Tonnen Reis. Der Anteil der Touristen fiel im Vergleich dazu deutlich kleiner aus.
Rekordtourismus verändert den Reisbedarf
2025 reisten mit 42,7 Millionen Menschen so viele ausländische Besucher nach Japan wie noch nie. Trotz des Booms machen Touristen nur rund 1,3 Prozent des gesamten Reisverbrauchs des Landes aus. Dennoch will das Landwirtschaftsministerium seine Prognosen künftig regelmässig anpassen. So sollen Engpässe wie vor zwei Jahren möglichst verhindert werden.
Die Lage entspannt sich, aber ganz sorgenfrei ist Japan nicht
Immerhin: Dank grösserer Ernten dürfte die Versorgung vorerst gesichert sein. Für 2026 rechnet das Ministerium mit einer Produktion von rund 7,32 Millionen Tonnen Reis – mehr als voraussichtlich benötigt wird. Langfristig bleiben die Probleme jedoch bestehen. Viele Reisbauern sind bereits im Pensionsalter, immer weniger Menschen arbeiten in der Landwirtschaft, und viele Betriebe bewirtschaften nur kleine Flächen. Japan muss deshalb nicht nur den Tourismus, sondern auch die Zukunft seiner wichtigsten Kulturpflanze im Blick behalten.