Fiat, Film und Martini
Ein Wochenende in Turin

Wer von Italien träumt, denkt an Rom oder Venedig. Dabei steht am Fusse der Alpen eine Stadt, die alles hat, was ein Wochenende braucht: barocke Plätze, elegante Arkaden, Weltklasse-Museen, Kaffeehäuser und die herrliche Tradition des Aperitifs. Willkommen in Turin!
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Turin, die Hauptstadt des Piemont, liegt am Fusse der Alpen. Touristisch ist die Stadt immer noch ein Geheimtipp.
Foto: Hari Seldon Photo - stock.adobe.com

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Turin verzaubert mit Geschichte, Kultur und Kulinarik von Freitag bis Sonntag
  • Höhepunkte: Mole Antonelliana, Porta Palazzo, Museo Egizio und Pista 500
  • 40'000 Exponate im Museo Egizio, grösster Markt Europas bei Porta Palazzo
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Christian BauerReise-Journalist

Freitagnachmittag

Nach der Zugfahrt machen wir es wie die Turiner: erst einmal nicht hetzen. Denn Turin ist eine Stadt des Flanierens und des Zeitlassens. Vom Bahnhof Porta Nuova geht es über die Via Roma Richtung Piazza San Carlo – Turins schönste Wohnstube unter freiem Himmel.

Erster Halt: Caffè San Carlo. Das historische Kaffeehaus wirkt wie ein kleiner Palast, elegant und edel. Wir starten das Weekend mit einem typisch Turiner Getränk, dem Bicerin – Espresso, Schokolade und Milchcreme im Glas.

Film, Mole und ein Lift ins Stadtpanorama

Nun führt der Weg zur Mole Antonelliana, dem Wahrzeichen der Stadt. Der 167 Meter hohe Bau war ursprünglich als Synagoge geplant und beherbergt heute das Museo Nazionale del Cinema – Italiens nationales Filmmuseum: Filmplakate, Kulissen, Kameras, Kinoträume.

Highlight ist der berühmte Panoramalift, der frei durch den Innenraum zur Aussichtsplattform schwebt. Von hier geniesst man einen tollen Blick auf Turins schachbrettartige Strassen, rote Dächer und barocke Palazzi; dahinter – wenn das Wetter mitspielt – die Alpen.

Tipp: Am Wochenende sollte man Tickets online vorbuchen.

Freitagabend

Zum Apéro geht es ins Quadrilatero Romano, das älteste Viertel der Stadt, dorthin, wo die Tradition des Aperitifs erfunden worden sein soll. Wichtigste Zutat: der Wermut, ebenfalls eine Turiner Erfindung. Deshalb kommt heute ganz klar ein Martini ins Glas. Geschüttelt oder gerührt? Egal: Es schmeckt so oder so.

Wer es klassisch mag, steuert die Bar Cavour oder das Caffè Torino an; oder man lässt sich einfach treiben. Hauptsache: ein Glas, ein paar Häppchen, ein bisschen Beobachten.

Zum Znacht bleiben wir piemontesisch – Turin ist die Hauptstadt des Piemont. Im historischen Ristorante Tre Galline im Quadrilatero Romano kommt Herzhaftes auf den Tisch: Vitello tonnato, die gefüllten Teigtaschen Agnolotti, geschmortes Kalb mit Nebbiolo, dazu ein Glas Rotwein aus den Hügeln vor der Stadt. Adresse: Via G. Bellezia 37. Danach? Noch ein Absacker. Ohne Frage.

Samstagvormittag

Der Samstag beginnt auf der Piazza Castello, dem machtvollen Zentrum der alten Residenzstadt. Hier stehen die beiden Residenzen des Adelsgeschlechts der Savoyer: der Palazzo Reale und der Palazzo Madama. Als die Dynastie Turin ab dem 16. Jahrhundert zur Residenz ausbaute, entstand jene barocke Eleganz, der die Stadt bis heute ihre Ausstrahlung verdankt.

Wer nur Energie für ein Schloss hat, sollte sich den Palazzo Reale vornehmen. Spiegel, Säle, Treppen, goldene Decken und Prunk in allen Facetten: Die Savoyer wussten, wie man Macht und Reichtum zur Schau stellt.

Der Dom und das umstrittenste Tuch der Christenheit

Ein paar Schritte weiter liegt das Duomo di Torino. Hinter der vergleichsweise schlichten Fassade wird das Turiner Grabtuch aufbewahrt – jenes Leinen, auf dem viele Gläubige die Spuren des gekreuzigten Jesus erkennen. Original? Fälschung? Mysterium. Die Sacra Sindone wird nur an seltenen Terminen ausgestellt; Bildschirme mit Erklärvideos liefern Hintergrundwissen.

Tipp: Wer ein originalgrosses Faksimile sehen will, besucht das Museo della Sindone.

Kaffeepause im Caffè Baratti & Milano

Danach ist es Zeit für eine Pause. Besonders stilvoll gelingt das im Caffè Baratti & Milano in der eleganten Galleria Subalpina, nur ein paar Schritte vom Dom entfernt: Spiegel, dunkles Holz, Jugendstil-Details und Schokoladenduft – ein kleiner Palast für Espresso, Bicerin und die Haselnuss-Pralinés Gianduiotti.

Tipp: An der Bar trinken ist günstiger und authentischer, als am Tisch zu sitzen.

Samstagmittag

Nun wechseln wir vom höfischen Turin ins pralle Alltagsleben. Die Porta Palazzo gilt als grösster offener Markt Europas und liegt nur wenige Schritte vom Zentrum entfernt. Obst, Gemüse, Käse, Fisch, Haushaltswaren: Hier gehts bodenständig und herrlich ungeschminkt zu und her – ein toller Ort zum Bummeln und um ein paar kulinarische Souvenirs zu shoppen.

Für den Zmittag gibt es zwei Möglichkeiten. Variante eins: Auf dem Markt Käse, Brot, Oliven, Haselnüsse und etwas Obst kaufen und sich ein improvisiertes Picknick zusammenstellen. Variante zwei: in den Mercato Centrale Torino gleich daneben, voller Bars und Markt-Restaurants.

Samstagnachmittag

Nach so viel Italianità steht nun ein Besuch in einer völlig anderen Welt an: im Alten Ägypten. Das Museo Egizio ist das älteste Museum der Welt, das ganz der altägyptischen Kultur gewidmet ist. Rund 40'000 Objekte lagern hier – von Papyri und Sarkophagen bis zu monumentalen Pharaonenstatuen. Besonders eindrucksvoll ist die Galleria dei Re mit Statuen der Götter und Könige Ägyptens. Zwei Stunden sollte man einplanen, besser drei.

Nach so viel Geschichte braucht es wieder etwas leichtere Kost. Über die Via Roma geht es zurück Richtung Piazza San Carlo, weiter in die Via Lagrange und die umliegenden Gassen, wo man Mode, Design, Buchhandlungen, Schokolade und Delikatessen findet – stets in italienischer Eleganz, versteht sich. Wer ein essbares Souvenir sucht, sollte Gianduiotti einpacken, die berühmten Haselnuss-Pralinés aus dem Piemont, beispielsweise bei Stratta auf der Piazza San Carlo.

Samstagabend

Für den frühen Abend lohnt sich ein Abstecher zu den OGR Torino, den ehemaligen Officine Grandi Riparazioni. Wo früher Züge repariert wurden, ist ein Space für Ausstellungen, Konzerte, Talks, Tech-Events und Kunstprojekte entstanden. Hier ist immer etwas Interessantes geboten – und hier zeigt sich zudem, wie die Industriestadt Turin den Wandel hin zu einer kreativen und innovativen Metropole geschafft hat.

Vom hippen Artspace geht es zurück ins untouristische Turin. Nur ein paar Schritte von den OGR entfernt liegt das Ristorante Quattro Soldi, ein Lokal mit ehrlicher Küche ohne viel Inszenierung. Auf der Karte stehen Klassiker der Region, dazu einfache Gerichte, gute Pasta, Fleisch, Wein und typisch italienische Gastlichkeit.

Und natürlich endet der Tag mit einem weiteren Wermut. Vielleicht ein roter Vermouth auf Eis, oder wenns etwas mehr Feuer sein darf, dann ein Negroni.

Sonntagvormittag

Der Sonntag steht im Zeichen der Industriegeschichte Turins. Erster Boxenstopp: das Lingotto-Quartier. Hier baute Fiat ab 1916 eine der modernsten Autofabriken Europas; auf dem Dach wurden einst Autos getestet. Heute ist der Komplex ein Mix aus Shopping, Hotel, Messe, Kunst und Architektur – umgebaut unter anderem von Stararchitekt Renzo Piano, inklusive dem neuen Kunstmuseum Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli.

Die Pista 500 ist heute ein Ort mit Kunst, Pflanzen und weitem Blick. Internationale Künstler bespielen die Strecke mit Skulpturen, Licht- und Soundinstallationen. Für alle Autofans ein Muss ist anschliessend der Besuch der Casa Fiat, des hauseigenen Fiat-Museums.

Bald ist es Zeit für den Abschied – aber nicht, bevor wir noch einen Kaffee nippen, und zwar im Zentrum der italienischen Kaffeekultur: bei Lavazza, einer Marke, die ebenfalls aus Turin stammt. Im Aurora-Quartier erzählt das Museo Lavazza die Geschichte der Kaffeefirma und verbindet Familiengeschichte, italienische Industriegeschichte und Kaffeerituale vom 19. Jahrhundert bis heute.

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