Darum gehts
- Hackergruppe Rhysida veröffentlichte geheime Berliner Dokumente nach verweigerter Lösegeldzahlung
- Experte warnt: Auch Schweizer Behörden könnten Ziel von Cyberangriffen werden
- Zwei Millionen Euro Lösegeld gefordert, Zahlung von Experten nur selten empfohlen
Hunderttausende vertrauliche Dokumente vom Berliner Senat hat die Hackergruppe Rhysida am Samstag ins Internet gestellt. Dies, nachdem sich die deutsche Behörde weigerte, zwei Millionen Euro Lösegeld zu zahlen. Könnte sich ein solcher Vorfall auch bei einer Schweizer Behörde ereignen?
«Auch die Schweiz kann empfindlich von solch einem Zwischenfall getroffen werden», ist Marc Ruef sicher. Er ist Head of Research beim Schweizer Unternehmen Scip, das Dienstleistungen im Bereich der IT-Sicherheit anbietet.
Russland will Schweizer bereits beeinflussen
Ruef mahnt, dass der Datenklau nicht als Ausnahmeerscheinung betrachtet werden darf. «Behörden verfügen über besonders wertvolle Datenbestände: von Personal- und Steuerdaten bis zu Informationen über Unternehmen und staatliche Sicherheitsstrukturen. Gleichzeitig sind behördliche IT-Systeme komplex, historisch gewachsen und häufig stark miteinander vernetzt.»
Hinter dem Hackerangriff auf den Berliner Senat dürfte Russland stehen. Die Behörden nahmen in München zwei Bulgaren fest, die vermutlich Verbindungen zu Putins Machtapparat unterhalten.
Bundesrat diskutierte über Szenario «Russen an Schweizer Grenze»
Erst kürzlich hat Russland auch versucht, Einfluss auf die Schweizer Politik zu nehmen. Auf einem staatlich finanzierten Portal wurde für die Neutralitätsinitiative geworben. Dass der Kreml hierzulande noch weitergeht und Schweizer Behörden attackiert, ist somit keinesfalls abwegig.
Wie gut die Schweizer Behörden in einem solchen Fall vorbereitet wären, ist unklar. «Der Bundesrat will in die Armee investieren, insbesondere in den Cyberbereich und die Luftabwehr», betonte Ignazio Cassis am Samstag in einem Interview mit «Schweiz heute». Noch konkreter: Der Bundesrat habe sich mit dem Szenario von russischen Soldaten an der Schweizer Grenze beschäftigt.
Erpresser sollte man nur in einem Fall bezahlen
«Das grösste Einfallstor bleibt der Mensch», sagt Ruef. «Phishing und Social Engineering funktionieren gerade bei Verwaltungen sehr gut, weil Angreifer öffentlich verfügbare Informationen über Organisation, Hierarchien und Mitarbeiter nutzen können.» Social Engineering nutzt menschliches Vertrauen oder Angst aus, um Opfer zur Preisgabe von Daten zu verleiten. Beim Phishing geschieht dies über gefälschte Nachrichten wie E-Mails oder SMS.
Vom Zahlen einer Erpressungssumme rät Ruef in den allermeisten Fällen ab. «Einer Zahlung sollte nur nachgekommen werden, wenn dadurch Zeit gewonnen werden kann, um das drohende Risiko eigenmächtig abwenden zu können. In allen anderen Fällen ist langfristig angeraten, in den sauren Apfel zu beissen.»