Darum gehts
- Handelszeitung erklärt vier wichtige Management-Theorien mit Praxisbeispielen für Unternehmen
- Adverse Selection: Unsicherheit bei Kandidatinnenauswahl trotz Lebenslauf und Referenzen bleibt bestehen
- D&O-Versicherungen teurer: Manager-Fehltritte, IT-Risiken und Rechtskosten treiben Prämien hoch
Bücher, Texte, Essays oder Studien zu Führungsstilen gibt es eine Menge. Aus der Informationsflut herauszufiltern, was es effektiv zu kennen gilt, ist schwierig. Damit du trotzdem informiert bist über Asymmetrien in deinem Unternehmen, Wettbewerbsvorteile sowie Stolperfallen in der Kommunikation mit den Angestellten, stellt dir die «Handelszeitung» die wichtigsten Management-Theorien vor. Du findest die Theorien jeweils in aller Kürze erklärt sowie mit einem möglichen Praxisbeispiel ergänzt:
Prinzipal-Agent-Theorie
Theorie: Bei dieser Theorie stehen sich zwei Vertragsparteien gegenüber – auf der einen Seite der Prinzipal als Auftraggeber, auf der anderen Seite der Agent als Auftragnehmer. Die Krux liegt darin, dass der Prinzipal zumeist weniger Informationen über Handlung, Fähigkeit sowie Absichten des Agenten besitzt. Die Frage ist: Wie werden die bestmöglichen Anreize gestaltet, damit der Agent den Auftrag so, wie vom Prinzipal gewünscht, ausführt?
Praxis: Die Aktionäre beauftragen das Management, das Unternehmen in ihrem Interesse zu führen und den Unternehmenswert zu maximieren. Die Aktionäre besitzen aber nicht immer vollständige Informationen über die Entscheidungen und Handlungen des Managements. Es könnte also sein, dass das Management Entscheidungen trifft, die eher in seinem eigenen Interesse liegen, anstatt im besten Interesse der Aktionäre.
Adverse Selection
Theorie: Die Theorie von George Akerlof erhielt 1970 grosse Aufmerksamkeit durch seinen Artikel «The Market for Lemons». Hintergrund: Bei einer Transaktion sind zwei Parteien beteiligt, eine besitzt jedoch mehr Informationen über bestimmte Aspekte als die andere. Beim von Akerlof beschriebenen Beispiel der «Lemons» – minderwertiger Gebrauchtwagen – geht es um den Occasionsmarkt. Ein Autokäufer hat die Wahl von zwei Autos – eines ist von hoher Qualität (Peach), das andere hat Mängel (Lemon). Der Verkäufer weiss, zu welcher Kategorie sein Auto gehört, der Käufer aber möglicherweise nicht, weil er wenig von Autos versteht. Diese Informationsasymmetrie kann der Verkäufer zu seinen Gunsten ausnutzen.
Praxis: Im finalen Stage des Bewerbungsverfahrens stehen zwei mögliche Kandidatinnen zur Auswahl. Als Grundlage besitzt man zwar alle Informationen wie Lebenslauf, Motivationsschreiben sowie Referenzen und konnte bereits mehrere Eindrücke sammeln bei den Bewerbungsgesprächen. Die Unsicherheit bleibt jedoch bestehen, welche der beiden Finalistinnen besser zur Kultur des Unternehmens passt und wessen Qualifikationen und Fähigkeiten optimaler sind für die Firma.
Moral Hazard
Theorie: Bei dieser Theorie steht das «moralische Risiko» im Zentrum. Eine Partei versichert eine andere Partei. Die zweite ist sich dieser Sicherheit bewusst und neigt deshalb dazu, riskanteres Verhalten einzugehen – denn sie muss potenzielle negative Konsequenzen nicht alleine tragen. Der prominenteste Ökonom hinter dieser Theorie ist Kenneth Arrow.
Praxis: Im Management-Kontext ist eine der grössten und wichtigsten Versicherungen die Directors-and-Officers-Versicherung, kurz D&O. Firmen schliessen eine solche Versicherung für ihre Organe und leitenden Angestellten ab und schützen sich so gegen Manager-Fehltritte. Aufgrund prominenter Fehltritte – man denke an Pierin Vinzenz oder das Verhalten der obersten Etage im Drama rund um die CS –, steigender IT-Risiken sowie teurer Rechtsprozesse sind die Prämien für D&O-Versicherungen stark angestiegen. Immerhin: Geht ein Manager wissentlich ein Risiko ein, greift eine D&O-Versicherung nicht.
Prospect Theory
Theorie: Die beiden Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky entwickelten diese Theorie. Sie beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie Menschen Entscheidungen unter Unsicherheit treffen und wie sie Gewinne und Verluste bewerten. Laut der Theorie wählt der Mensch die Verhaltensweise, bei der der erwartete subjektive Gewinn gepaart mit der empfundenen Wahrscheinlichkeit, dass dieser Gewinn eintritt, am höchsten ist.
Praxis: Jede Gehaltsverhandlung fällt unter die Prospect Theory. Verhandelt ein Angestellter seinen Lohn und erreicht nicht den von ihm erwarteten und in seinen Augen angemessenen Lohn, dann empfindet er das als Verlust. In diesem Fall gilt es, als Vorgesetzte dem Angestellten klar aufzuzeigen, weshalb dieser Lohn gerechtfertigt ist, welche weiteren Vorteile er geniesst oder welche langfristigen Perspektiven mit dieser Basis möglich sind. Das führt zu Verständnis auf beiden Seiten und kann die Wahrnehmung von Verlust und Gewinn beim Angestellten beeinflussen.