Darum gehts
- «Managing Up» verspricht berufliche Kontrolle durch gute Beziehung zur Führungskraft
- Expertin warnt: Führung von Vorgesetzten ist nicht Aufgabe der Mitarbeitenden
- Strategien: Offene Kommunikation, Eigeninitiative, Weiterbildung, Wechsel bei mangelnder Entwicklung
Absolute Kontrolle über den eigenen beruflichen Werdegang haben – das wünscht sich praktisch jede Person, die nicht selbst Chefin oder Chef ist. Der Karrieretipp «Managing Up», der immer wieder kursiert, verspricht, diesen Wunsch zu erfüllen.
Bei «Managing Up» geht es darum, strategisch eine gute Beziehung zur Chefin oder dem Vorgesetzten aufzubauen. Durch das «Führen von unten» sollen Mitarbeitende dem Chef oder der Chefin die eigenen Führungsqualitäten unter Beweis stellen und durch offene Kommunikation und proaktive Zusammenarbeit dazu bringen, mehr auf die eigenen Bedürfnisse – wie beispielsweise die berufliche Weiterentwicklung – einzugehen.
Also soll der Chef zum Freund werden? Eine Karriereexpertin verneint: «Grundsätzlich schadet es natürlich nicht, eine gute Beziehung zur eigenen Führungskraft zu haben», sagt sie, «aber es gehört nicht zu den Aufgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihre Vorgesetzten zu führen.»
Statt die Führungsverantwortung zu übernehmen, die eigentlich nicht ins eigene Aufgabenfeld gehört, sollte man die eigenen Bedürfnisse und Herausforderungen klar kommunizieren. Auch ohne «Managing Up» kann berufliche Zufriedenheit und Weiterentwicklung erreicht werden. Hier vier Tipps der Expertin, wie das gehen kann:
1. Zeige deine Qualitäten, statt den Chef zu führen
Auf den ersten Blick mag «Führen von unten» wie die richtige Herangehensweise klingen, um dein Führungspotenzial unter Beweis zu stellen. Dass du dadurch aber tatsächlich den beruflichen Aufstieg beschleunigen kannst, ist zu bezweifeln.
Such dir lieber Projekte, bei denen du Verantwortung übernehmen kannst, und schreib dir die kleinen und die grossen beruflichen Erfolge auf. Steht das nächste Personalgespräch an, kannst du damit punkten – ganz ohne den Chef oder die Chefin managen zu müssen.
2. Sprich offen über deine Bedürfnisse
Der einzige Weg, Probleme und Herausforderungen im Job anzugehen, ist, darüber zu sprechen. Im Gespräch solltest du nicht nur an die negativen Auswirkungen des Problems denken, sondern die positiven ins Zentrum rücken. Und sich fragen: Was sind die Veränderungen für dich selbst und für das Unternehmen?
Solche klaren Vorstellungen können dir dabei helfen, eine Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen und den Anforderungen im Job zu finden.
3. Stell dir selbst die Weichen
Die Methode des «Managing Up» wird grösstenteils aus einem Grund angewendet: wegen eines unerfüllten Veränderungswunsches. Geht deine Chefin oder dein Chef nicht auf diesen ein, kannst du es aber auch selbst in die Hand nehmen.
Das kannst du tun, indem du dich beispielsweise einer neuen Aufgabe annimmst, die nicht in dein normales Aufgabengebiet fällt. Oder indem du in eine andere Abteilung wechselst.
Fehlen dir die nötigen Fähigkeiten dazu, sind digitale Lernplattformen die erste Anlaufstelle. Damit kannst du dich von überall aus – von zu Hause, einer Bibliothek, einem Café – weiterbilden, dazulernen und weiterentwickeln. Und die neuen Fähigkeiten in deinem Job anwenden.
4. Wissen, wann es Zeit für etwas Neues ist
Zeit, sich nach einer neuen Stelle umzusehen? Dafür ist es an der Zeit, wenn du keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven im Job siehst und dich nicht mehr glücklich fühlst. Doch überstürzen musst du nichts. Am besten hältst du nebenbei nach offenen Stellen Ausschau und bewirbst dich bei einem Arbeitgeber, der potenziell zu deinen Werten passt.