Darum gehts
- Jüngere Mitarbeitende fühlen sich unsicher im Austausch mit älteren Kollegen
- 36 Prozent der Generation Z glauben, ältere wissen mehr als sie
- 67 Prozent der Befragten wollen generationenübergreifend lernen und kommunizieren
Die CEO ist ohne Computer aufgewachsen, der 50-jährige Mitarbeiter nahm seine Lieblingslieder noch mit einem Kassettenrekorder auf, die 30-Jährige chattete auf MSN oder spielte «Snake» auf dem Nokia, und der jüngste Angestellte erhielt bereits in der fünften Klasse das erste Handy.
Ob Babyboomer, Generation X, Millennials, Generation Z oder schon bald die Generation Alpha – am Arbeitsplatz treffen sie aufeinander und müssen unabhängig von ihrem Alter miteinander arbeiten. Das bringt Vielfalt, birgt aber auch Probleme. Vor allem bei der Kommunikation hapert es, wie eine Studie der Netzwerkplattform Linkedin zeigt.
Laut der 2 Jahre alten Studie hat mehr als jede und jeder zehnte Befragte der Generation Z seit über einem Jahr kein direktes Gespräch mit einer Kollegin oder einem Kollegen gesucht, die oder der fünfzig Jahre oder älter ist. Der Grund dafür: Die jüngere Generation ist unsicher, wie sie auf ältere Kolleginnen und Kollegen zugehen soll. Sie hat Angst, sich zu blamieren. Dazu kommt, dass 36 Prozent der jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer davon überzeugt sind, dass die anderen Generationen mehr als sie selbst wissen.
Unsicherheit der Generationen
Das führt zwangsläufig zu Konflikten. Tauscht sich die jüngere Generation nicht mit älteren Mitarbeitenden aus, entstehen Wissenslücken. Was Firmen zum Verhängnis werden kann, wie Generationenforscher Rüdiger Maas weiss: «In heterogenen Teams besteht die Gefahr der altersbasierten Subgruppenbildung, bei der sich junge und alte Mitarbeiter voneinander abgrenzen und gegenseitig diskriminieren.» Es spielt nicht nur die Wissenslücke mit, sondern auch die unterschiedlichen Einstellungen und Werte von den Generationen innerhalb eines Teams.
Auch Barbara Wittmann, Country-Managerin von Linkedin DACH, betont die Wichtigkeit des Interdisziplinären: «Erst der Austausch von Erfahrungen, Perspektiven und Fähigkeiten sorgt für eine dynamische Arbeitskultur, die Innovation und Wachstum ermöglicht.» Statt einer Abgrenzung sollte das Ziel sein, miteinander zu reden und voneinander zu lernen. Aber dazu brauche es auch den Willen, aufeinander zugehen zu wollen.
Der Wille wäre eigentlich da: 67 Prozent der Befragten finden, dass sie viel von anderen Generationen lernen können, und tun auch etwas für einen angeregten Austausch. So versucht etwa mehr als ein Drittel der jungen Generation, mit Arbeitskollegen aus anderen Generationen ins Gespräch zu kommen, und fast zwei Drittel der Babyboomer gehen auf ihre jungen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen zu.
Doch die Förderung des Austauschs liegt nicht nur an den Mitarbeitenden. Firmen und Führungskräfte können die Kommunikation in der Belegschaft gezielt fördern, um Verständnis und verschiedene Sichtweisen zu schaffen. «Davon profitiert nicht nur das Unternehmen, sondern auch jede einzelne Mitarbeiterin und jeder einzelne Mitarbeiter», so Wittmann.
Doch wie sieht die Situation in der Realität aus? Was tun Schweizer Unternehmen, um den generationenübergreifenden Dialog bei sich zu fördern?
Mentoring, gezielte Ansprache und einheitliche Kommunikationsmittel
Eine grosse Versicherungsgruppe arbeitet mit altersdurchmischten Mentorings. Eine ältere Person nimmt eine jüngere Mitarbeitende unter ihre Fittiche. Die beiden tauschen sich aus, die jüngere Person lernt von der älteren – und umgekehrt.
Experten in der Nachwuchsentwicklung attestieren den verschiedenen Generationen und dem Mentoring grosse Wichtigkeit: «Durch solche Programme profitieren beide Seiten vom Wissen des anderen. Es erleichtert die Kommunikation im Alltag, weil die Leute die jeweils anderen besser kennen und verstehen.»
Grundlage dafür ist aber auch ein standardisiertes Kommunikationsmittel. Hier geben die Firmen den Ton an und entscheiden sich für eine Software – das mag Slack, Google Chat oder Microsoft Teams sein. Wichtig ist, dass das Kommunikationsmittel klar ist und alle über die Nutzung informiert sind. Hier sind sich die Jungen besonders gewöhnt, damit zu arbeiten, da sie primär die heutigen Kommunikationsmittel kennen. Als «Digital Natives» wuchsen sie mit der Technologie auf und nutzen sie oftmals auch ohne vorherige Schulung.
Darauf zielen denn auch Firmen ab und binden moderne Kommunikationsmittel zunehmend in formellen Prozessen ein. Bereits viele grosse Unternehmen haben ihre Bewerbungsprozesse angepasst, die Unterlagen können per Whatsapp eingereicht werden. Ein Novum, das immer weiter Schule macht.
Generationenkaffee und Vorlieben kennen
Eine grosse Softwarefirma führt in Bezug auf den Austausch zwischen den Generationen regelmässig die «Generations Coffee Corners» durch – ein informeller persönlicher Austausch in gemischten Gruppen. Hier werden Fragen diskutiert, wie man Programme verbessern oder erweitern würde und welches die grössten Herausforderungen in Bezug auf Generationen am Arbeitsplatz sind.
Daraus entstanden Programme wie das Mature-Talent-Programm, das sich an erfahrene Mitarbeitende wendet und ihnen helfen soll, den eigenen Werdegang zu reflektieren. «Sich im Arbeitsleben zu verändern und entwickeln, projizieren wir reflexhaft auf die jüngere Generation. Dabei wissen wir, dass das Bedürfnis nach Entwicklung für ältere Mitarbeitende auch stark ist», erläutert Debora Murseli, Initiatorin und Diversity and Inclusion Lead Deutschland bei SAP, dazu.
Das ist auch ein Punkt, auf den die Generationenforscher Wert legen: Je nach Alter variieren die Motive für die Arbeit – mit zunehmendem Alter steigt die intrinsische Motivation. Firmen müssen dabei alle Generationen im Auge behalten und ihre Leute spezifisch ansprechen, um ihre Motivation abzuholen: «Jüngere Mitarbeitende motiviert man mit beruflichen Herausforderungen, Aufstiegsmöglichkeiten, Anerkennung und monetären Anreizen, bei älteren Mitarbeitern empfiehlt sich ein Werben mit Autonomie, Jobsicherheit und sozialen Beziehungen.»
Gegenseitiges Mentoring, ein informeller Austausch und als Folge eine gezielte Ansprache durch die Firma, das schätzen Junge und Alte in der Firma. Wenn Firmen das erfolgreich schaffen, dann arbeiten heute bis zu fünf Generationen zufrieden unter einem Dach. Und der Austausch verringert das Potenzial kommunikativer Missverständnisse.