Glück lässt sich nicht einfach herbeizaubern. Ein neuer Job, mehr Geld oder die nächste Reise können Freude bereiten, doch solche Höhepunkte halten meistens nicht dauerhaft an. Entscheidend ist auch, wie wir unseren Alltag gestalten und mit uns selbst und anderen umgehen.
Dabei geht es nicht darum, jeden Tag gut gelaunt zu sein. Auch glückliche Menschen haben Stress, Sorgen und schlechte Tage. Bestimmte Gewohnheiten können aber dazu beitragen, dass wir mit unserem Leben insgesamt zufriedener sind.
Sieben davon tauchen in der psychologischen Forschung immer wieder auf:
Dankbarkeit für das, was bereits da ist
Wer ständig darüber nachdenkt, was im eigenen Leben noch fehlt, übersieht leicht das, was bereits gut läuft. Dankbarkeit richtet die Aufmerksamkeit bewusst auf positive Aspekte des eigenen Lebens. Das kann etwas Grosses sein, etwa eine enge Freundschaft, aber genauso ein gutes Essen, ein schöner Spaziergang oder ein Gespräch, das gutgetan hat. Dankbarkeit bedeutet dabei nicht, Probleme schönzureden. Sie kann vielmehr helfen, den Blick nicht ausschliesslich auf das Negative zu richten.
Beziehungen brauchen Aufmerksamkeit
Menschen sind soziale Wesen. Enge Beziehungen zu Partnern, Freunden oder Familie gehören zu den Faktoren, die eng mit Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden verbunden sind. Dabei kommt es nicht darauf an, möglichst viele Kontakte zu haben. Entscheidend ist, ob es Menschen gibt, mit denen man sich verbunden fühlt und denen man vertrauen kann. Eine Nachricht, ein gemeinsamer Kaffee oder ein längeres Gespräch sind deshalb mehr als blosse Zeitvertreibe. Beziehungen entstehen und bleiben durch Aufmerksamkeit.
Bewegung ist auch gut für die Stimmung
Sport ist kein Wundermittel gegen schlechte Laune. Regelmässige Bewegung wird jedoch mit verschiedenen positiven Effekten auf körperliches und psychisches Wohlbefinden in Verbindung gebracht. Dafür muss niemand jeden Tag hart trainieren. Spazieren, Velofahren, Schwimmen oder Tanzen zählen ebenfalls. Entscheidend ist vor allem, Bewegung regelmässig in den Alltag einzubauen.
Auch ausreichend Schlaf gehört dazu. Wer dauerhaft zu wenig schläft, hat es schwerer, sich körperlich und emotional zu erholen.
Nicht ständig in der Vergangenheit oder Zukunft leben
Was habe ich falsch gemacht? Was wird morgen passieren? Was, wenn es schiefgeht? Gedanken über Vergangenheit und Zukunft sind normal. Problematisch kann es werden, wenn sie so viel Raum einnehmen, dass der aktuelle Moment kaum noch wahrgenommen wird.
Achtsamkeit setzt genau hier an: die Aufmerksamkeit bewusst auf das zu richten, was gerade passiert. Beim Essen nicht nebenbei aufs Handy schauen, beim Spaziergang die Umgebung wahrnehmen oder im Gespräch wirklich zuhören. Das klingt unspektakulär. Gerade deshalb kann es im Alltag einen Unterschied machen.
Freundlichkeit tut auch dem eigenen Wohlbefinden gut
Menschen zu unterstützen, Zeit zu schenken oder jemandem eine Freude zu machen, kann das eigene Gefühl von Verbundenheit und Sinn stärken. Dabei muss es keine grosse gute Tat sein. Einer Kollegin Arbeit abnehmen, einem Freund zuhören oder einem fremden Menschen helfen reicht. Wer sich regelmässig mit anderen verbunden fühlt und erlebt, etwas beitragen zu können, kann daraus selbst Zufriedenheit ziehen.
Mit sich selbst nicht härter umgehen als mit anderen
Ein Fehler, eine verpasste Chance oder ein schlechter Tag können schnell zur persönlichen Abrechnung werden: «Ich bin einfach nicht gut genug.» Selbstmitgefühl bedeutet nicht, sich einzureden, dass alles perfekt ist. Es bedeutet, sich selbst in schwierigen Situationen mit derselben Fairness zu begegnen, die man einem guten Freund entgegenbringen würde.
Was würdest du einer Freundin sagen, die gerade denselben Fehler gemacht hat? Vermutlich nicht, dass sie wertlos ist. Mit sich selbst genauso umzugehen, kann helfen, aus einem einzelnen Misserfolg keine Abrechnung mit der eigenen Person zu machen.
Ziele geben dem Alltag eine Richtung
Ein zufriedenes Leben braucht nicht zwingend grosse Lebensziele. Aber etwas zu haben, worauf man sich freut oder woran man arbeiten möchte, kann dem Alltag Struktur und Bedeutung geben. Das kann ein berufliches Projekt sein, eine Reise, ein Hobby, Sport oder Zeit mit der Familie. Wichtig ist, dass das Ziel tatsächlich zu den eigenen Wünschen passt und nicht nur einem äusseren Ideal entspricht. Denn auch bei Zielen gilt: Mehr ist nicht automatisch besser. Wer sich ständig neue Aufgaben auflädt, kann ausgerechnet durch den Versuch, sein Leben zu verbessern, zusätzlichen Druck erzeugen.
Glück ist kein Dauerzustand
Keine dieser Gewohnheiten macht einen Menschen automatisch glücklich. Lebenszufriedenheit hängt von vielen Faktoren ab, darunter Beziehungen, Lebensumstände, Gesundheit und persönliche Voraussetzungen.
Trotzdem lässt sich aus der Forschung eine einfache Idee ableiten: Glück entsteht nicht nur in den grossen Momenten. Es hat auch damit zu tun, worauf wir im Alltag unsere Aufmerksamkeit richten, wie wir mit anderen umgehen und wie wir uns selbst behandeln. Es geht also weniger darum, ständig glücklich zu sein. Sondern darum, dem eigenen Leben möglichst oft Bedingungen zu geben, unter denen Zufriedenheit entstehen kann.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.