Psychologie & Alltag
Warum du ständig andere kritisierst – und was wirklich dahinter steckt

Du erwischst dich dabei, ständig andere zu kritisieren – im Job, in der Familie oder im Alltag? Das ist oft kein Zufall. Psychologin Delphine Py erklärt: Dahinter steckt häufig ein inneres Bedürfnis nach Kontrolle, Anerkennung und Sicherheit.
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Problematisch wird es, wenn das Bewerten anderer zur Grundhaltung wird – im Büro, in Beziehungen oder im Freundeskreis.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ständige Kritik oft unbewusst durch Kindheitserfahrungen geprägt, sagen Psycholog:innen
  • Kritisieren kann innere Unsicherheit überspielen und ein Gefühl von Kontrolle geben
  • Hohe Erwartungen in der Kindheit fördern automatische Bewertungshaltung im Erwachsenenalter
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Du kennst diese Menschen – oder ertappst dich vielleicht sogar selbst dabei: Kaum macht jemand etwas, folgt schon ein Kommentar. Zu langsam, nicht gut genug, falsch gemacht. Ständige Kritik kann im Alltag schnell zur Belastung werden.

Doch genau dieses Verhalten hat laut Psycholog:innen oft weniger mit den anderen zu tun, als man denkt.

Die Psychologin Delphine Py sagt in einem Interview mit dem «Journal des Femmes»: Unsere Art, andere zu beurteilen, entsteht stark aus frühen Erfahrungen. Wer als Kind viel Druck erlebt hat oder nur wenig Fehlertoleranz kannte, übernimmt diese Muster oft unbewusst ins Erwachsenenleben.

Kritik gibt ein Gefühl von Kontrolle

Ständiges Kritisieren kann sich kurzfristig gut anfühlen. Es vermittelt Struktur, Ordnung – und vor allem Kontrolle. Wer andere bewertet, nimmt automatisch eine überlegene Position ein und muss sich weniger mit den eigenen Unsicherheiten beschäftigen.

Genau darin liegt laut Expert:innen oft der eigentliche Mechanismus: Kritik wird zur Strategie, um innere Unsicherheit zu überspielen.

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Wenn aus einem Muster ein Automatismus wird

Ein gewisses Mass an Kritik ist normal und sogar wichtig. Problematisch wird es, wenn das Bewerten anderer zur Grundhaltung wird – im Büro, in Beziehungen oder im Freundeskreis. Dann passiert oft etwas Schleichendes: Die gleiche Strenge, die man früher vielleicht gegen sich selbst gerichtet hat, richtet sich zunehmend nach aussen. Aus einzelnen Gedanken wird ein automatisches Reaktionsmuster.

Kindheit prägt den Blick auf andere

Besonders prägend sind frühe Erfahrungen. Wer in einem Umfeld aufwuchs, in dem hohe Erwartungen galten oder Fehler kaum akzeptiert wurden, entwickelt häufig eine starke innere Bewertungshaltung. Diese innere Stimme verschwindet nicht im Erwachsenenalter – sie wird oft einfach weitergegeben. Zuerst an sich selbst, später an andere.

Eigentlich geht es um etwas anderes

So hart die Kritik nach aussen wirkt, so oft steckt innen ein ganz anderes Bedürfnis dahinter: gesehen zu werden, Anerkennung zu erhalten und sich sicher zu fühlen. Wer dieses Gefühl nicht ausreichend erlebt hat, versucht es unbewusst über Kontrolle und Bewertung zu kompensieren. Kritik wird dann zu einer Art Ersatz für Nähe oder Bestätigung.

Nicht verallgemeinern

Nicht jede kritische Person hat automatisch schwierige Erfahrungen gemacht. Doch wenn das ständige Bewerten überhandnimmt und kaum mehr stoppbar ist, kann das ein Hinweis auf ein tiefer liegendes emotionales Muster sein.

Dieser Artikel erschien erstmals auf Onet Kobieta, die Frauen- und Lifestyle-Rubrik des polnischen Nachrichtenportals Onet, welches zu Ringier Medien gehört.

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