Darum gehts
- Emotionale Vernachlässigung in der Kindheit schadet langfristig der psychischen Gesundheit
- Mangel an Zuneigung und Aufmerksamkeit prägt Verhalten bis ins Erwachsenenalter
- Sieben Anzeichen: Flucht vor Gefühlen, innere Leere, Angst vor Verlassenwerden
Viele Betroffene merken erst Jahre später, dass in ihrer Kindheit etwas gefehlt hat. Sie hatten ein Dach über dem Kopf, genug zu essen und wurden nie geschlagen. Trotzdem begleitet sie bis heute das Gefühl, nicht gut genug zu sein oder niemandem wirklich vertrauen zu können.
Psychologen sprechen in solchen Fällen von emotionaler Vernachlässigung. Gemeint ist damit nicht körperliche Gewalt oder ständiges Anschreien. Vielmehr fehlen einem Kind Zuneigung, Aufmerksamkeit und das Gefühl, mit seinen Sorgen und Gefühlen ernst genommen zu werden.
Wenn Kinder lernen, ihre Gefühle zu verstecken
Emotionale Vernachlässigung entsteht oft nicht aus bösem Willen. Eltern können durch Stress, Depressionen, finanzielle Sorgen oder ihre Arbeit so belastet sein, dass die emotionalen Bedürfnisse ihres Kindes in den Hintergrund geraten.
Für das Kind entsteht dabei häufig eine schmerzhafte Botschaft: «Was ich fühle, interessiert niemanden.»
Um damit umzugehen, entwickeln viele Kinder Schutzmechanismen. Sie unterdrücken ihre Gefühle, werden besonders angepasst oder versuchen, mit auffälligem Verhalten Aufmerksamkeit zu bekommen. Diese Muster können bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.
Fachleute weisen darauf hin, dass belastende Kindheitserfahrungen das Risiko für Angststörungen, Depressionen und Suchterkrankungen erhöhen können.
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Sieben Anzeichen für emotionale Vernachlässigung in der Kindheit
Flucht vor den eigenen Gefühlen
Manche Menschen lenken sich ständig ab, um unangenehme Gefühle nicht spüren zu müssen. Arbeit, soziale Medien, Essen, Alkohol oder andere Gewohnheiten dienen dann als Ventil.
Starke Angst vor dem Verlassenwerden
Schon kleine Anzeichen von Distanz lösen Unsicherheit aus. Betroffene brauchen häufig Bestätigung, reagieren eifersüchtig oder beenden Beziehungen vorsorglich selbst.
Schwierige Beziehungen
Entweder klammern sie sich stark an andere Menschen oder halten alle auf Abstand. Nähe und Vertrauen fallen ihnen schwer.
Extreme Stimmungsschwankungen
Viele fühlen sich entweder überwältigt von ihren Emotionen oder haben das Gefühl, gar nichts mehr richtig wahrzunehmen. Oft entsteht der Eindruck, «zu viel» oder «nicht genug» zu sein.
Innere Leere
Ein diffuses Gefühl von Unruhe oder fehlender Erfüllung begleitet Betroffene häufig über Jahre hinweg. Sie können oft nicht genau benennen, was ihnen fehlt.
Ständiges Bedürfnis nach Aufmerksamkeit
Wer als Kind wenig Bestätigung bekam, sucht diese oft im Erwachsenenalter. Harmonie wird um jeden Preis bewahrt, selbst negative Aufmerksamkeit erscheint besser als gar keine.
Probleme mit Grenzen
Nein zu sagen fällt schwer. Eigene Bedürfnisse werden ignoriert, während andere Menschen zu viel Raum erhalten. Manche überschreiten umgekehrt auch die Grenzen anderer.
Wie sich der Kreislauf durchbrechen lässt
Experten betonen, dass der erste Schritt darin besteht, die eigenen Erfahrungen anzuerkennen. Es geht nicht darum, Eltern die Schuld zu geben, sondern die Zusammenhänge zwischen Kindheit und heutigem Verhalten zu verstehen.
Hilfreich können eine Psychotherapie, das Führen eines Emotionstagebuchs oder das bewusste Erlernen gesunder Grenzen sein. Wer lernt, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und ernst zu nehmen, kann alte Muster Schritt für Schritt verändern.
Dieser Artikel erschien erstmals auf Onet.pl.