Darum gehts
- Lymphwalking fördert den Lymphfluss durch bewusstes Gehen, Atmen und Armbewegungen
- Wissenschaftliche Belege für Vorteile gegenüber normalem Gehen fehlen bisher
- Bewegung wie Spaziergänge unterstützt allgemein die Gesundheit und den Lymphfluss
Du brauchst weder Fitnessstudio noch spezielle Geräte: Beim sogenannten Lymphwalking soll allein die Art, wie du gehst und atmest, den Lymphfluss ankurbeln. Der Trend wird vor allem auf Social Media als Methode für eine bessere Entgiftung und weniger Wassereinlagerungen angepriesen.
Ganz neu ist die Idee allerdings nicht. Denn Bewegung unterstützt grundsätzlich den Transport der Lymphe durch den Körper.
Was ist Lymphwalking?
Lymphwalking unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von einem normalen Spaziergang. Entscheidend sind einige bewusste Bewegungen: Du gehst aufrecht, atmest langsam und tief in den Bauch und lässt die Arme stärker mitschwingen.
«Jede Art von Gehen stimuliert das Lymphsystem», erklärt die Physiotherapeutin und zertifizierte Lymphtherapeutin Kelly Sturm. Denn anders als das Blutkreislaufsystem besitzt das Lymphsystem keine eigene Pumpe. Die Bewegung der Muskeln hilft dabei, die Lymphflüssigkeit durch den Körper zu transportieren. Beim Lymphwalking wird dieser Effekt bewusst unterstützt.
Warum die Atmung eine Rolle spielt
Eine wichtige Rolle spielt die tiefe Bauchatmung. Beim Ein- und Ausatmen verändert sich der Druck im Brust- und Bauchraum. Das kann den Transport der Lymphe im zentralen Bereich des Körpers unterstützen.
Auch die Armbewegungen sollen helfen. Viele Lymphknoten befinden sich im Bauch-, Brust- und Achselbereich. Durch die Kombination aus Gehen, bewusster Atmung und Armbewegungen sollen diese Bereiche stärker aktiviert werden. Das klingt zunächst nach einer ausgeklügelten Methode. Tatsächlich ist vieles davon aber schlicht normale Bewegung.
Ist Lymphwalking besser als normales Gehen?
Hier wird es interessant: Dafür gibt es bislang keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. Die Physiotherapeutin und zertifizierte Lymphtherapeutin Kathleen Shillue weist darauf hin, dass es keine soliden Studien gibt, die zeigen, dass eine bestimmte Art des Gehens dem Lymphsystem grundsätzlich mehr bringt als eine andere.
Auch Studien, die verschiedene Gehtechniken direkt miteinander vergleichen, fehlen. Was dagegen gut belegt ist: Bewegung und körperliche Aktivität sind grundsätzlich gesund und können den Lymphfluss unterstützen. Auch die tiefe Zwerchfellatmung wird schon lange in der Lymphtherapie eingesetzt. Lymphwalking ist deshalb weniger eine völlig neue Trainingsmethode als eine bewusste Kombination aus bekannten Bewegungen.
Kann Lymphwalking beim Entgiften helfen?
Auf Social Media wird häufig von «Detox» gesprochen. Hier lohnt sich allerdings ein genauer Blick: Das Lymphsystem ist tatsächlich wichtig für den Transport von Flüssigkeit und bestimmten Stoffen im Körper. Es ist aber nicht so, dass ein spezieller Spaziergang den Körper plötzlich von «Giftstoffen» befreit. Die Vorstellung, dass Lymphwalking eine Art Entgiftungskur ersetzt, ist deshalb irreführend.Wer sich regelmässig bewegt, unterstützt seinen Körper vielmehr ganz allgemein bei seinen natürlichen Prozessen. Dafür braucht es keine spezielle Schrittfolge.
Besonders interessant bei Lymphödemen
Für Menschen mit einem Lymphödem kann Bewegung dennoch eine wichtige Rolle spielen. Bei einem Lymphödem sammelt sich Lymphflüssigkeit im Gewebe an, wodurch beispielsweise Beine oder Arme anschwellen können. Lymphwalking kann in solchen Fällen eine sinnvolle Ergänzung sein, es ersetzt aber keine Behandlung.
Bei einem Lymphödem kommen je nach Situation beispielsweise Kompressionsversorgung, manuelle Lymphdrainage und weitere therapeutische Massnahmen zum Einsatz. Welche Behandlung sinnvoll ist, sollte mit einer Fachperson geklärt werden.
Das Beste daran: Du musst eigentlich nichts Neues lernen
Wer Lymphwalking ausprobieren möchte, kann das problemlos beim nächsten Spaziergang tun: aufrecht gehen, bewusst tief in den Bauch atmen und die Arme etwas aktiver bewegen.
Der entscheidende Punkt ist aber: Du musst nicht auf die Bezeichnung «Lymphwalking» setzen, um etwas für deine Gesundheit zu tun: Ein ganz normaler Spaziergang ist ebenfalls wertvoll. Und wenn dich die bewusste Atmung und die zusätzlichen Armbewegungen dazu motivieren, öfter loszulaufen, hat der Social-Media-Trend vielleicht doch einen ziemlich guten Nebeneffekt.
Dieser Artikel erschien erstmals auf Onet Kobieta, der Frauen- und Lifestyle-Rubrik des polnischen Nachrichtenportals Onet, das zur Ringier-Gruppe gehört.