Mit dem Aschermittwoch beginnt in vielen christlich geprägten Ländern traditionell die Fastenzeit vor Ostern. Gleichzeitig begehen Musliminnen und Muslime weltweit den Ramadan – ebenfalls eine Zeit der bewussten Enthaltsamkeit. Phasen des Verzichts sind in vielen Kulturen tief verankert. Doch längst fasten nicht mehr nur religiös motivierte Menschen. Immer mehr entdecken den zeitweiligen Verzicht als Impuls für einen bewussteren Lebensstil.
Fasten-Trend: So gesund ist Verzicht wirklich
Fasten liegt im Trend, besonders bei jüngeren Menschen. Dabei geht es nicht nur um Nahrung, sondern ebenso um Alkohol, Süssigkeiten, Fleisch oder digitale Medien. Der bewusste Verzicht wird zur Selbstreflexion: Welche Gewohnheiten tun gut, welche sind bloss Routine? Eine begrenzte Pause kann helfen, eingefahrene Muster zu hinterfragen und neue Prioritäten zu setzen.
Altern gilt oft als reine Abnützungserscheinung. Wie eine Maschine mit der Zeit verschleisst, so – meint man – nutzen sich auch Knochen und Organe ab. Ganz so einfach ist es jedoch nicht: Der menschliche Körper verfügt über ausgeklügelte Reparaturmechanismen. Unsere Zellen werden laufend erneuert, repariert oder abgebaut. Manche leben nur wenige Tage, andere deutlich länger. Dieser ständige Erneuerungsprozess hält den Organismus im Gleichgewicht.
Mit Fasten Zellen unterstützen
Das bedeutet allerdings nicht, dass es keinen Alterungsprozess oder keine Krankheiten gibt. Probleme können entstehen, wenn Reparatur- und Erneuerungsprozesse aus dem Gleichgewicht geraten. Ob sich eine Zelle teilt, repariert wird oder abstirbt (Apoptose), wird durch komplexe biologische Mechanismen gesteuert. Dabei spielen auch bestimmte Gene und Enzyme eine Rolle, die auf den Zustand der Zelle reagieren. Ihre Aktivität hängt unter anderem von der Nährstoffverfügbarkeit ab. Phasen reduzierter Nahrungszufuhr – etwa beim Fasten – können diese Prozesse beeinflussen und körpereigene Reparaturmechanismen anregen.
Was bewirkt Fasten im Körper?
Beim Fasten stellt der Körper seinen Stoffwechsel um. Er greift vermehrt auf Fettreserven zurück und passt verschiedene hormonelle Prozesse an. Dabei werden biochemische Abläufe aktiviert, die mit Regeneration und Energiehaushalt in Verbindung stehen. Viele Menschen berichten zudem von einem Gefühl geistiger Klarheit während Essenspausen. Neben längerem Nahrungsverzicht gewinnt vor allem das sogenannte Intervallfasten an Popularität. Dabei wechseln sich Phasen des Essens und des bewussten Verzichts ab.
Nur eine Mahlzeit pro Tag?
Es existieren unterschiedliche Formen des Intervallfastens. Manche Menschen verlängern die nächtliche Esspause, andere konzentrieren ihre Mahlzeiten auf ein kürzeres Zeitfenster am Tag. Ziel ist es, dem Körper regelmässige Pausen zu gönnen. Studien weisen darauf hin, dass solche Essenspausen mit verschiedenen positiven Effekten in Verbindung stehen können, etwa im Hinblick auf Blutzucker, Stoffwechsel oder Entzündungsprozesse. Wie lange Essenspausen sinnvoll sind, hängt jedoch von individuellen Faktoren ab.
Fasten und Alltag
Einige kombinieren Fastenphasen mit Kaffee oder fetthaltigen Lebensmitteln wie Kokosöl, um das Hungergefühl zu dämpfen. Koffein kann den Stoffwechsel beeinflussen, während bestimmte Fette als gut sättigend gelten. Entscheidend bleibt jedoch nicht ein einzelner «Trick», sondern das Zusammenspiel aus bewusster Ernährung, Bewegung und ausreichender Erholung. Fasten ist kein Wundermittel, kann aber – richtig angewendet – ein Bestandteil eines gesunden Lebensstils sein.
Jüngere Menschen zeigen sich insgesamt offener gegenüber neuen Formen des Fastens. Neben dem klassischen Nahrungsverzicht gehören heute auch digitale Auszeiten oder bewusste Konsumpausen dazu. Fasten wird damit weniger als religiöse Pflicht verstanden, sondern vielmehr als persönliches Experiment – als Möglichkeit, Gewohnheiten zu überdenken und neue Impulse für einen bewussteren Lebensstil zu setzen.