Hoffnung für Rheuma- und Gicht-Patienten? Blick klärt auf
So nützlich ist antientzündliche Ernährung tatsächlich

Gemüse statt Schmerzmittel: Antientzündliche Ernährung verspricht Linderung bei Krankheiten wie Rheuma oder Gicht. Doch wie viel Wissenschaft steckt dahinter und wo stösst der Hype an seine Grenzen?
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In der Schweiz leiden 85'000 Menschen an rheumatoider Arthritis. Die Krankheit verursacht Gelenkschmerzen und betrifft Frauen häufiger als Männer.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Pflanzliche Lebensmittel und gesunde Fette stehen bei der antientzündlichen Ernährung im Mittelpunkt
  • Eine Schweizer Studie zeigt, dass antientzündliche Ernährung bei rheumatoider Arthritis schmerzlindernd wirkt
  • Die Ernährung sollte in den Alltag passen und nicht die Lebensqualität einschränken
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Jana GigerRedaktorin Service

Grüne Säfte, Linsen-Bowls und viel Omega-3 – wer sich derzeit mit Food-Trends beschäftigt, kommt an der antientzündlichen Ernährung nicht vorbei. Sie soll Entzündungen im Körper lindern und sogar gegen chronisch-entzündliche Krankheiten wie rheumatoide Arthritis helfen.

Ganz so neu ist die Idee nicht. Die antientzündliche Ernährung erinnert stark an die klassische Mittelmeerkost. Im Mittelpunkt stehen pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Früchte, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse. Dazu kommen pflanzliche Öle wie Oliven- und Rapsöl sowie Fisch. Stark verarbeitete Lebensmittel, Softdrinks, raffinierter Zucker und rotes Fleisch sollten eher selten auf dem Teller landen.

Ernährung und Therapie als Power-Kombi

Privatdozent Raphael Micheroli, Leitender Arzt an der Klinik für Rheumatologie des Universitätsspitals Zürich, merkt, dass der Trend viele Menschen mit chronischen Gelenkerkrankungen beschäftigt. «Patientinnen und Patienten fragen mich häufig, was sie selbst tun können, um die Krankheit positiv zu beeinflussen.» Das Thema Ernährung rücke dabei schnell in den Fokus. Er sagt: «Eine Ernährungsumstellung kann als Ergänzung zur Therapie sinnvoll sein. Allein bekommt man damit eine chronische rheumatische Erkrankung aber nicht in den Griff.»

Eine der häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen der Gelenke ist die rheumatoide Arthritis. Dabei greift das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Gelenke an. Betroffene leiden an chronischen Schmerzen und Schwellungen, die vor allem die kleinen Finger- und Zehengelenke betreffen, aber auch grössere Gelenke wie Schulter oder Knie betreffen können. 

In der Schweiz leiden etwa 85’000 Menschen daran. Die Krankheit kann grundsätzlich in jedem Alter auftreten, beginnt aber meist im mittleren Lebensalter und betrifft Frauen etwa zwei- bis dreimal häufiger als Männer. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt.

Weniger Schmerzen im Alltag

Einige Studien haben den Einfluss der Ernährung bei rheumatoider Arthritis untersucht. «Es gibt Hinweise, dass eine mediterrane oder pflanzenbetonte Ernährung die Schmerzen und Steifigkeit in den Gelenken etwas lindern kann», sagt Micheroli. Doch die wissenschaftliche Evidenz sei leider zu schwach, um eine klare medizinische Empfehlung aussprechen zu können. Ernährungsstudien sind oft klein und methodisch schwierig umzusetzen.

Eine Metaanalyse von Schweizer Ärztinnen und Ärzten aus dem Jahr 2021 zeigt allerdings, dass eine antientzündliche Ernährung bei rheumatoider Arthritis zu deutlich geringeren Schmerzen führt als eine herkömmliche Ernährungsweise. Die Forscherinnen und Forscher betonten jedoch, dass sich die Entzündungswerte im Blut nicht eindeutig verbesserten.

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Das heisst: Die Ernährung lindert vor allem das Symptom Schmerz, gemäss bisherigen Daten beeinflusst sie die zugrundeliegende Entzündung aber nicht eindeutig. Zudem wissen die Teilnehmenden in Ernährungsstudien, was sie essen. Ein gewisser Placebo-Effekt ist deshalb nicht auszuschliessen.

Lebensqualität statt strikter Verzicht

Eine Erkrankung, bei der der Einfluss der Ernährung gemäss Micheroli eindeutiger ist, ist Gicht. Sie kann zu intensiven Gelenkschmerzen führen und entsteht, wenn sich Harnsäurekristalle in den Gelenken ablagern. Dem Experten zufolge können Alkohol, insbesondere Bier, sowie rotes Fleisch, Innereien, bestimmte Meeresfrüchte und zucker- beziehungsweise fruktosehaltige Getränke das Risiko für einen Gichtanfall erhöhen.

Ein Patient von Micheroli schränkte seine Ernährung so stark ein, dass er praktisch nur noch Salat und rein pflanzliche Lebensmittel ass, um möglichst alle potenziell entzündungsfördernden Lebensmittel zu meiden. Die strikte Diät war im Alltag jedoch so belastend, dass er sich schliesslich für eine ausgewogenere Ernährung im Sinne der Mittelmeerkost entschied.

Es geht also nicht darum, alles Ungesunde komplett zu vermeiden. Auch für Menschen mit einer chronischen Erkrankung sei gelegentlich ein Stück Fleisch oder ein Glas Wein kein Problem, sagt der Experte. «Wichtig ist, dass die Ernährung langfristig in den Alltag passt und die Lebensqualität nicht darunter leidet.»

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