Darum gehts
- Forschende entwickeln Haar-Test zur Messung des Biorhythmus an der Charité Berlin
- 17 Gene zeigen innere Uhr und Tagesrhythmus durch maschinelle Analyse
- Personen Mitte 20 werden eine Stunde später müde als Mitte 50
Ganz ehrlich: Ich stehe gerne früh am Morgen auf. Es fällt mir leicht. Ich bin eine Lerche, so nennt man den Typ Mensch, der in der Früh keine Probleme hat, in die Gänge zu kommen. Ganz im Gegensatz zur Nachteule. Der Name ist Programm. Dieser Typ Mensch kann bis spät in die Nacht aktiv sein, während die Lerche schon schlafen geht. Unsere innere Uhr ist individuell und tickt bei jedem etwas anders.
Der sogenannte zirkadiane Rhythmus beeinflusst nicht nur den Schlaf, sondern auch den Stoffwechsel und sogar die Wirkung von Medikamenten, wie das Deutsche Gesundheitsportal berichtet.
Einfache Methoden, um den Biorhythmus zu bestimmen, waren bisher wenig effektiv. Dieses Feld möchte Achim Kramer, Leiter Chronobiologie an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin, in einem neuen Sonderforschungsbereich mit einem Test vorantreiben. Der Bericht über den Test ist in der Fachzeitschrift «PNAS» erschienen.
17 Gene sind entscheidend
Der Test funktioniert folgendermassen: Die Forschenden schauen sich laut Kramer in den Haarzellen an, wie aktiv 17 bestimmte Gene sind. Diese Gene steuern die innere Uhr des Körpers oder werden von ihr beeinflusst, erklärt er gegenüber dem Gesundheitsportal.
Aus diesem Muster lässt sich herauslesen, an welchem Punkt im Tagesrhythmus sich die Person gerade befindet. Und der Test funktioniert. Er zeigt ähnliche Ergebnisse wie andere Methoden, sei gemäss Kramer jedoch einfacher durchzuführen.
«Genetische Veranlagung, Alter»
Die Ergebnisse zeigen im grossen Umfang, was Befragungen vermutet haben: Der Biorhythmus hängt vom Alter ab, Personen Mitte 20 werden rund eine Stunde später müde als Personen Mitte 50 und Frauen tendenziell früher müde werden als Männer. «Genetische Veranlagung, Alter, Geschlecht und Lebensstil spielen zusammen», sagt der Chronobiologe.
Das Forschungsteam arbeitet nun daran, den Test so weiterzuentwickeln, dass er in normalen Laboren eingesetzt werden kann. Zudem lässt sich damit untersuchen, ob Behandlungen besser wirken, wenn sie an die innere Uhr angepasst sind – ein möglicher Fortschritt für die Medizin.
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