Darum gehts
- Eine neue Studie belegt, dass der Body-Mass-Index häufig täuscht, weil er inneres Fett bei schlanken Menschen völlig übersieht.
- Verstecktes Bauchfett erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen drastisch.
- Der Bauchumfang liefert ein genaueres Bild der Gesundheit als die reine Kilozahl auf der Waage.
Wer wissen möchte, ob das eigene Körpergewicht im grünen Bereich liegt, greift meist zum Body Mass Index (BMI). Doch der beliebte Richtwert hat einen Haken: Er unterscheidet nicht zwischen Muskeln und Fett. Somit wiegen sich manche in falscher Sicherheit.
Laut einer neuen Studie, die im August im Fachmagazin «JACC» veröffentlicht wurde, können auch Menschen mit Normalgewicht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Denn die wahre Gefahr lauert im sogenannten viszeralen Bauchfett, das sich im Bauchraum unter der Muskelschicht um die inneren Organe herum ansammelt.
50 Prozent höheres Herzrisiko
Ein Forscherteam vom «Johns Hopkins Ciccarone Center for the Prevention of Cardiovascular Disease» in Baltimore (USA) wertete Daten aus 15 Kohortenstudien mit insgesamt 260'000 Teilnehmenden aus.
Das Ergebnis: Normalgewichtige mit einem hohen Anteil an Bauchfett hatten ein bis zu 50 Prozent höheres Herzrisiko. Entscheidend ist also nicht die Zahl auf der Waage, sondern die Fettverteilung. Auch Matthias Riedl, deutscher Ernährungsmediziner und Diabetologe, sagte gegenüber Blick: «Fettdepots im Bauchraum sind viel schädlicher für die Gesundheit als ein paar Fettpolster am Po.»
Viszerales Fett treibt das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzschwäche massiv in die Höhe. Auch Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes hängen viel stärker mit dem Bauchumfang zusammen als mit dem BMI.
Ab diesen Werten schlägt das Herz Alarm
Die Forscher raten dazu, regelmässig den Taillenumfang oder das Taille-Hüft-Verhältnis zu messen.
Beim Taillenumfang gelten diese Grenzwerte:
- Frauen: Ab 80 Zentimetern steigt das Risiko; ab 88 Zentimetern ist es deutlich erhöht.
- Männer: Ab 94 Zentimetern steigt das Risiko; ab 102 Zentimetern ist es deutlich erhöht.
Noch aussagekräftiger ist das Taille-Hüfte-Verhältnis. Es lässt sich ganz einfach berechnen:
- Taille an der schmalsten Stelle messen.
- Hüfte an der breitesten Stelle messen.
- Taillenwert durch Hüftwert teilen = Resultat.
Bei Frauen gelten Werte über 0,85 als erhöht, bei Männern Werte über 0,90.
Was hilft gegen das fiese Bauchfett?
Die Experten sind sich einig, dass es nicht reicht, bloss weniger zu essen. Um das viszerale Bauchfett gezielt abzubauen, muss man Dinge an seinem Lebensstil ändern.
Das heisst: eine ausgewogene, kalorienbewusste Ernährung, kombiniert mit gezieltem Ausdauer- und Krafttraining. Ergänzend hilft Intervallfasten an ein bis zwei Tagen pro Woche dabei, das tiefliegende Fettgewebe effektiv zu reduzieren.