Darum gehts
- Spanischer Kardiologe entwickelt 60-Stufen-Test für Herz-Kreislauf-Fitness
- Teilnehmende, die über 90 Sekunden brauchen, weisen sehr schlechte Werte auf
- Der Test ist einfach, aber aussagekräftig, weil er nah am Alltag ist
Wer es im Moment nur langsam eine Treppe hinaufschafft, muss sich womöglich keine Sorgen machen. Schuld daran könnte die Hitze sein, die den Menschen im Sommer ähnlich schlapp macht wie eine Erkältung im Winter.
Bei einigermassen normalen Temperaturen sollte man Stockwerke allerdings in einem bestimmten Tempo schaffen. Wer deutlich langsamer ist, könnte ein Problem mit dem Herzen haben.
Der 60-Stufen-Test
Wissenschaftlich präzisiert hat das der Kardiologe Jesús Peteiro, tätig an der Universitätsklinik von Coruña, Spanien. Er liess 165 Patienten Treppen laufen und mass dabei ihren Energieverbrauch. Er unterschied zwischen Werten, die – in Verbindung mit Herzleistung – mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden sind, und solchen, die auf eine tiefere Sterblichkeitsrate hinweisen.
Dabei zeigte sich, dass Teilnehmende mit guten Werten vier Treppen mit insgesamt 60 Stufen in 40 bis 45 Sekunden hinter sich bringen konnten. Probanden, die länger benötigten, wiesen dementsprechend schlechte Werte auf. Diejenigen, die länger als 90 Sekunden brauchten, sogar sehr schlechte. Daraus lassen sich Kategorien ableiten. Zu welcher man gehört, kann man mit einer Stoppuhr selbst messen:
- Suche dir eine Treppe mit mindestens 60 Stufen. Das entspricht ungefähr vier Etagen.
- Gehe zügig nach oben, aber renne nicht.
- Miss die Zeit mit dem Smartphone oder einer Stoppuhr.
- Achte während des Aufstiegs und direkt danach auf deine Atmung und deinen Puls. Er sollte sich «normal» anfühlen.
So interpretierst du deine Zeit
Unter 45 Sekunden: Das spricht für eine sehr gute Fitness und ein geringes Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme.
45 bis 60 Sekunden: Das spricht für eine gute bis durchschnittliche Fitness. Wahrscheinlich besteht kein akuter Handlungsbedarf, es gibt aber Potenzial zur Verbesserung.
Über 60 Sekunden oder deutliche Kurzatmigkeit: Das kann auf eine eingeschränkte Herz-Kreislauf-Belastbarkeit hindeuten. In diesem Fall kann ein Gesundheits-Check sinnvoll sein. Wenn du nach dem Test noch nach ein bis zwei Minuten Atemnot, Herzklopfen oder Schwindel verspürst, ist eine ärztliche Abklärung dringend empfohlen.
Simpel, aber nah am Alltag
Der Treppen-Test sei nicht neu, aber in seiner Klarheit fast genial, sagt Sportwissenschaftler Dr. Michèl Gleich gegenüber «Focus». Anders als ein EKG im Ruhezustand oder ein Test im Labor messe er das Zusammenspiel aus Herzleistung, Atemregulation, Muskelkraft und Kreislauf-Reserven. «Also genau das, was wir im Alltag ständig brauchen.»
Wahre Stärke bedeute für ihn, mit einem Kind auf dem Rücken und einer Einkaufstasche in der Hand vier Etagen hochzulaufen – ohne zu keuchen, sagt Gleich. «Nicht, weil ich muss, sondern weil ich kann.»