Darum gehts
- WHO warnt: Bis 2050 weltweit jährlich 35 Millionen neue Krebsfälle erwartet
- Wohnort beeinflusst Überlebenschancen: In armen Ländern überleben nur 40 Prozent
- 92 Prozent der Menschen erleben Krebs direkt oder über Angehörige
Die Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist deutlich: Schon in knapp 25 Jahren könnten weltweit jedes Jahr rund 35 Millionen Menschen neu an Krebs erkranken. Heute sind es rund 21 Millionen. Das entspricht einem Anstieg von fast 70 Prozent. Die Gründe reichen von Übergewicht und Bewegungsmangel bis zu Alkohol und fehlender Prävention. Die Überlebenschancen hängen auch heute noch stark mit dem Wohnort zusammen. WHO-Experte André Ilbawi warnt: «Viel zu viele Menschen werden immer noch im Stich gelassen.»
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus findet dazu ebenfalls deutliche Worte: «Ob ein Mensch den Krebs überlebt, darf niemals davon abhängen, wo er geboren wurde oder wie viel er verdient.» Blick beantwortet die wichtigsten Fragen zur drohenden Welle.
Warum nimmt Krebs so stark zu?
Die WHO nennt mehrere Ursachen. Dazu gehören vor allem Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel. Gleichzeitig wird in vielen Ländern noch immer zu wenig in Prävention und Früherkennung investiert. Auch die alternde und wachsende Weltbevölkerung trägt zur Zunahme der Krebsfälle bei. Zudem spielen bestimmte Infektionen wie HPV sowie Hepatitis B und C eine wichtige Rolle.
Welche Krebsarten kommen am häufigsten vor?
Bei Männern zählen vor allem Lungenkrebs, Prostatakrebs und Darmkrebs zu den häufigsten Diagnosen. Bei Frauen sind insbesondere Brustkrebs, Lungenkrebs und Darmkrebs weit verbreitet. Lungenkrebs ist weltweit die Krebsart mit den meisten Todesfällen. Besonders betroffen sind Länder mit einer langen Geschichte hohen Tabakkonsums, darunter beispielsweise China, die USA und Russland.
Auch Luftverschmutzung trägt in vielen Regionen, unter anderem in Teilen Asiens, zusätzlich zum Risiko bei. Brustkrebs ist weltweit die häufigste Krebsart bei Frauen. Besonders viele Fälle werden in Ländern mit hoher Lebenserwartung und guter Diagnostik registriert, etwa in Europa, Nordamerika und Australien.
Gibt es auch positive Entwicklungen?
Ja. Beim Rauchen wurden Fortschritte erzielt. Im Vergleich zu 2010 konsumieren weltweit rund 27 Prozent weniger Menschen Tabak. Weniger erfreulich sieht es beim Alkoholkonsum aus. Hier gab es kaum Verbesserungen. Bei Übergewicht und Bewegungsmangel erkennt die WHO sogar einen negativen Trend.
Warum sind die Überlebenschancen so unterschiedlich?
Laut WHO entscheidet vielerorts noch immer der Wohnort über die Behandlungschancen. Während in wohlhabenden Ländern rund 85 Prozent der Brustkrebspatientinnen mindestens fünf Jahre überleben, sind es in ärmeren Ländern lediglich rund 40 Prozent. In vielen Staaten fehlt es sogar an einer grundlegenden Krebsversorgung.
Betrifft Krebs wirklich fast alle?
Davon geht die WHO aus. Rund 92 Prozent der Weltbevölkerung werden im Laufe ihres Lebens direkt oder indirekt mit Krebs konfrontiert. Entweder, weil sie selbst erkranken, oder weil ein naher Angehöriger betroffen ist.
Welche Folgen hat eine Krebsdiagnose?
Neben der Krankheit selbst geraten viele Familien finanziell unter Druck. Laut WHO muss mehr als die Hälfte der Betroffenen mit existenzbedrohenden Gesundheitskosten rechnen. Krebs gehört weltweit zu den häufigsten Ursachen für medizinisch bedingte finanzielle Notlagen.
Wie ist die Lage in der Schweiz?
Auch die Schweiz ist vom weltweiten Anstieg der Krebsfälle betroffen. Krebs ist in der Schweiz die zweithäufigste Todesursache und verantwortlich für rund ein Viertel aller Todesfälle. Laut Krebsliga Schweiz erkranken jährlich rund 48'000 Menschen neu an Krebs, davon etwa 26'500 Männer und 21'500 Frauen. Rund 17'000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen einer Krebserkrankung.
Bei Männern ist Prostatakrebs mit rund 8300 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebsart, gefolgt von Lungenkrebs und Dickdarmkrebs. Bei Frauen steht Brustkrebs mit rund 6800 Neuerkrankungen an erster Stelle, gefolgt von Lungen- und Dickdarmkrebs.