Darum gehts
- Schweizerinnen und Schweizer leben länger, finanzielle Probleme im Alter drohen.
- Studie: Finanzierungslücken wachsen bei längerer Lebensdauer erheblich.
- Beispiel: Lücke bei 100 Jahren bis zu 80 Prozent grösser.
Die gute Nachricht zuerst: Schweizerinnen und Schweizer leben so lange wie noch nie. Die schlechte: Im Alter geht vielen die finanzielle Puste aus. Immer mehr Pensionierte riskieren, dass im Alter das Geld knapp wird. Davor warnt eine neue Studie der Hochschule Luzern.
Heute kann eine 65-jährige Frau im Durchschnitt mit weiteren 23 Lebensjahren rechnen. Zum Vergleich: 1948 waren das noch 14 Jahre. Der Durchschnittsmann hat nach der Pensionierung immerhin noch 20 Jahre vor sich – gegenüber deren 12 im Jahr 1948.
Viele werden aber noch deutlich älter. Laut den Luzerner Studienautoren erlebt jede zweite heute 65-jährige Frau ihren 90. Geburtstag, jeder zweite Mann wird mindestens 87 Jahre alt. Das ist erfreulich, kann aber zum Problem werden.
Risiko wird unterschätzt
Denn je länger der Ruhestand dauert, desto grösser wird die Finanzierungslücke zwischen den Renteneinnahmen und den laufenden Ausgaben. Wer seine Pensionierung nur bis zur durchschnittlichen Lebenserwartung plant, der unterschätzt laut der Studie das «Risiko» eines sehr langen Ruhestands deutlich. Die Hochschule Luzern hat das anhand von verschiedenen Musterbeispielen durchgerechnet.
Das Ergebnis: Schon wenige zusätzliche Lebensjahre können die finanzielle Situation massiv verschlechtern. Bei einer Person mit mittlerem Einkommen wächst die Finanzierungslücke zwischen Renten und Ausgaben um rund einen Viertel, wenn sie statt 85 bis 90 Jahre alt wird. Erreicht sie sogar das 100. Lebensjahr, fällt die Lücke rund 80 Prozent grösser aus.
«Bereits wenige zusätzliche Lebensjahre können den Bedarf an zusätzlichem Kapital erheblich erhöhen», sagt Studienleiterin Anina Hille. Wer finanziell abgesichert sein wolle, müsse deshalb möglichst früh mit dem Vermögensaufbau beginnen. Damit alleine ist es aber noch nicht getan. Viele vergessen nämlich einen weiteren, entscheidenden Kostenfaktor: Ein langes Leben bedeutet nicht automatisch, dass man dieses auch gesund und munter verbringen kann.
Mit zunehmendem Alter steigen die Ausgaben für Gesundheit, Pflege oder betreutes Wohnen meist überproportional stark an. Auch diese Kosten sollten laut der Studie bei der Finanzplanung rechtzeitig berücksichtigt werden.