Darum gehts
- Schafe eignen sich perfekt als Rasenmäher im Rebberg
- Auf dem Weingut Burkhart in Weinfelden leben seit 26 Jahren rund 80 Ouessant-Schafe
- Die vierbeinigen Rasenmäher sorgen auch für organischen Dünger und vertreiben die Mäuse
Wer bei Nicole und Michael Burkhart auf dem Weingut Burkhart im thurgauischen Weinfelden zu Besuch ist, läuft Gefahr, sich unsterblich zu verlieben. Nicht nur in die unkonventionellen, teilweise aus sogenannten PIWI-Sorten gekelterten Weine, sondern in die knuddeligen kleinen Mähmaschinen auf vier Beinen, die durch die Rebberge stromern.
Seit mehr als 26 Jahren leben Schafe auf dem Weingut. Wie viele es genau sind, kann Nicole Burkhart nicht sagen, denn: «Im Moment kommen fast jeden Tag Lämmchen auf die Welt, so ändert die Zahl laufend. Aber es sind etwa 80 Schafe.» Nicht irgendwelche Schafe, sondern Ouessantschafe. Sie stammen aus Ouessant, einer windumtosten kargen Insel im äussersten Westen der Bretagne, und sind die kleinste Schafrasse Europas.
Robuste Bretonen
Der grosse Vorteil dieser kleinen Schafe? «Ihre Robustheit!», kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Die kniehohen Schäfchen sehen zwar putzig aus, sind aber zäh und kerngesund. Während Nachbarn mit anderen Schafrassen in letzter Zeit mit diversen Krankheiten bei ihren Tieren zu kämpfen hatten, waren Burkharts Ouessantschafe immer gesund und munter. Und sie bleiben das ganze Jahr draussen, bei Wind und Wetter. «Nur wenn es ganz übel stürmt, nehmen wir sie in den Stall. Oder wenn die Wolfs-App ein Wolfsrudel in der Nähe meldet …»
Die Grösse der Ouessantschafe prädestiniert sie für ihre Arbeit, passen sie doch locker unter Rebtrieben und Drähten hindurch. «Sie sind besser als jeder Rasenmäher, sie fressen sogar am Fuss der Rebstöcke alles weg, sodass wir seit mehr als 20 Jahren keinerlei Herbizide mehr brauchen», lobt Nicole Burkhart. «Zudem düngen sie den Boden auf organische Weise. Und halten durch ihre stetige Bewegung die Mäuse fern.»
Rasenmäher Marke «genügsam und effizient»
Neben dem Gras und den Kräutern aus dem Rebberg brauchen die Tiere nur Wasser und etwas Salz. Und hin und wieder eine Handvoll Hafer oder anderes Kraftfutter, nämlich dann, wenn die Herde in eine andere Rebparzelle umplatziert wird. Mit Speck fängt man Mäuse – und mit Hafer lockt man Schafe, die angesichts der Köstlichkeit eilig angerannt kommen …
Doch wie steht es mit den Rebblättern, die jetzt im Frühling austreiben, und später den Trauben? «Die würden die kleinen Feinschmecker natürlich nur zu gern fressen», sagt Nicole und lacht, «deshalb werden die Schafe jetzt für ein paar Monate auf anderen Flächen weiden, ohne Reben.» Doch keine Sorge: «Nach dem Wümmet kommen die Schafe wieder zurück in die Rebberge.» Das freut tierliebende Besucher – und natürlich die Schäfchen selbst.