Mit 34 Millionen in der Kreide
Argentinisches Traditionsgut im Insolvenzverfahren

Bereits vor einem Monat wurde bekannt, dass die Bodega Norton im argentinischen Mendoza in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Jetzt befindet sich das 1895 gegründete Traditionsunternehmen in einem gerichtlich angeordneten Insolvenzverfahren.
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Die Weingärten der Finca Perdriel umfassen rund 100 Hektar. Sie liegen nahe der Bodega in Luján de Cuyo, Mendoza.
Foto: zVg

Darum gehts

  • Argentinische Traditionsbodega in finanzieller Schieflage. Die Forderungen belaufen sich auf 34 Millionen Franken.
  • das Gut in Mendoza gehört zum Swarovski-Imperium
  • Absatzprobleme, Inflation, hohe Produktionskosten und Familienstreitigkeiten werden als Gründe genannt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Ursula GeigerRedaktorin Wein

Norton ist ein Superlativ. Wer den Betrieb in Mendoza besucht, kann dort den grössten Weinkeller Lateinamerikas bestaunen. In der Weinbibliothek lagern Weine ab dem Jahrgang 1936 und Geschichte des Weinguts ist ein Lehrstück für Aufbruchstimmung und Pioniergeist.

Sinkender Weinkonsum, steigende Produktionskosten, Inflation sowie Differenzen in der 1996 gegründeten Langes-Swarovski Privatstiftung, der das Weingut gehört, brachten die Finanzen jedoch in Schieflage. Ein Umschuldungsprozess soll nun helfen, den 700 Hektar-Betrieb am Leben zu erhalten.

Weinbau-Pionier in Mendoza

1895 gründete Edmund James Palmer Norton das Weingut. Norton war Spezialist für von Eisenbahnbrücken und arbeitete beim Bau der Bahnlinie über die Anden mit.

Der Ingenieur baute das erste Weingut südlich des Mendoza-Flusses. Nach Fertigstellung der Transandenbahn nutzte er seine Kontakte und lieferte die Weine seiner Bodega für den Speisewagen.

Von Swarovski-Erben gekauft

1973 verkaufte Norton die ersten Malbec-Weine ausserhalb Argentiniens und exportierte in die USA. 1989 erwarb Gernot Langes-Swarovski (1943–2021) die Bodega von der Santos-Familie. Er war der erste ausländische Investor im argentinischen Weingeschäft. Der Urenkel des Gründers des Kristallimperiums in Tirol betraute seinen Stiefsohn Michael Halstrick mit der Führung der Bodega.

Michael Halstrick führte die Geschäfte ab 1991 mit seinem Team äusserst erfolgreich. Von 1992 bis 2014 prägte der geniale Önologe Jorge Riccitelli die Weine des Gutes und wurde 2012 vom amerikanischen Magazin «Wine Enthusiast» zum «Winemaker of the Year» gekürt.

2014 übergab Riccitelli die Kellerschlüssel an David Bonomi, der den Fokus auf Terroir-Weine legte und die Erfolgsstory fortführte. Heute exportiert Norton seine Weine in über 72 Länder. 

Familienfehde

Seit dem Tod von Gernot Langes-Swarovski im Januar 2021 wurde die Privatstiftung zu 60 Prozent von Tochter Diana Langes-Swarovski und zu 40 Prozent von deren Stiefbruder Michael Halstrick verwaltet. Familienbande, die nicht lange hielten: 2023 wurde Halstrick nach über 30 erfolgreichen Jahren gezwungen, das Unternehmen zu verlassen. Damals sollen die Forderungen noch 12 Millionen Franken betragen haben.

Seit Juli 2025 ist Tomás Ricardo Lange CEO der Bodegas. Gegenüber der englischen Branchenplattform «The Drinks Business» betont er, dass der Umstrukturierungsprozess «keine Liquidation ist, sondern ein rechtliches Instrument, um das Unternehmen für die Zukunft zu erhalten, mit der vollen Unterstützung unserer Grossaktionäre und der Eigentümerfamilie, die sich dafür einsetzen, das Erbe von Norton für die kommenden Jahrzehnte zu bewahren.»

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