Einfach Claudio fragen
Genuss ist kein Verbrechen

Die WHO will Alkohol höher besteuern und mit Warnhinweisen versehen. Claudio Del Principe wehrt sich: Wein sei mehr als Alkohol – er stehe für Genusskultur, Tradition und Eigenverantwortung.
Kommentieren
1/6
Eine aktuelle Debatte thematisiert die zunehmend kritische Haltung gegenüber der Anti-Alkohol-Kampagne der WHO und des Bundes.
Foto: Shutterstock

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die WHO empfiehlt strengere Alkoholregeln, der Bund unterstützt deren Vorschläge seit 2026
  • Unser Autor kritisiert die pauschalen Warnungen, plädiert für massvollen Genuss
  • Weinbau prägt seit 8000 Jahren unsere Kultur, er schafft Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
Claudio Del Principe_Portrait (19 von 30).jpg
Claudio Del PrincipeKolumnist

Letzte Woche wollte die «Basler Zeitung» von mir wissen, warum ich die Anti-Alkohol-Kampagne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisch sehe. Sie will Alkohol stärker besteuern, den Zugang erschweren und abschreckende Etiketten aufkleben wie auf Tabakpackungen. Die Botschaft ist klar: Jedes Glas sei schädlich. Auch der Bund folgt seit neustem dieser Empfehlung.

Gesellschaftlich wird der Ton rauer. Belehrend. Moralisierend. Täglich erscheinen Beiträge von Menschen, die gegen Alkohol missionieren. Gastronomie und Alkohollobby würden uns ins Verderben stürzen. Es entsteht – ähnlich wie beim Fleischkonsum – ein Graben: Wer abstinent lebt, gilt als vernünftig. Wer trinkt, steht unter Verdacht, Alkoholismus zu verharmlosen.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.

Dabei wird etwas Grundlegendes verwechselt: Genuss ist nicht Sucht. Ich plädiere seit je für eine massvolle Ess- und Trinkkultur. Auch zu viel Zucker, Fett oder Fertigprodukte machen krank. Trotzdem fordert niemand Warnhinweise auf der Fertigpizza. Es gibt nämlich auch noch so etwas wie Eigenverantwortung.

Viele Zuschriften nach dem Interview gingen genau in diese Richtung. Endlich sage es einmal jemand: Wer gelegentlich ein gutes Glas Wein zu einem feinen Essen geniesst, hat kein Alkoholproblem.

Natürlich ist Alkohol nicht harmlos. Übermässiger Konsum macht krank und kann abhängig machen. Darüber muss man sprechen. Aber entscheidend ist doch die Frage: Was ist übermässig? Die WHO sagt: Kein Konsumlevel ist sicher. Aber Wein ist kein Heroin. Nach dem ersten Glas wird niemand automatisch suchtkrank. Unser Körper kann Alkohol – in gemässigten Mass – sehr wohl abbauen.

Wein ist zudem mehr als Alkohol. Er ist Kulturgeschichte. Seit 8000 Jahren prägt der Weinbau Landschaften, Regionen und Traditionen. Terroir steht für Boden, Klima und Identität. Und ja: auch für Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft.

Was mich an manchen Gegnern stört, ist die selektive Empörung gepaart mit moralischer Überheblichkeit. Ob Weinbau, Gastronomie oder Genusskultur darunter leiden könnten, scheint nebensächlich zu sein. Alkohol gilt als grundsätzlich verdorben – verantwortlich seien ohnehin Patriarchat und Kapitalismus. Also weg damit.

Nach dieser Logik müssten wir auch Totenköpfe auf Sofas drucken. Wer sich zu wenig bewegt, erhöht schliesslich sein Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Genuss braucht Differenzierung, keine Dogmen. Das Leben ist selten schwarz oder weiss. Was wir brauchen, sind keine Ideologien, die spalten, sondern Dialoge, die verbinden: Freude, Verantwortung und vor allem – ein gesundes Masshalten. Auch beim Argumentieren gegen Wein.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen