Bäume zwischen Reben
Die Ära der gepützelten Weinberge geht zu Ende

Immer mehr tun es: Bäume zwischen die Reben pflanzen, Steinlinsen als Rückzugsort für Reptilien anlegen und Hecken und Grünstreifen einfach mal wuchern lassen. Immer mehr Winzer verabschieden sich von der Monokultur.
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Zehn Weinbergspfirsiche pflanzte Gianmarco Ofner 2024 am Eglisauer Stadtberg, der Spitzenlage des Weinguts Pircher.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Immer mehr Winzer pflanzen Bäume zwischen ihre Rebzeilen
  • «Vitiforst» heisst das Konzept, das die Reben widerstandsfähiger machen soll
  • Mit dem Pflanzen von Obstbäumen schafft man auch Mehrwert
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Ursula GeigerRedaktorin Wein

Natürlich gehe es in erster Linie um die Artenvielfalt, doch mit Obstbäumen und Sträuchern die Reblandschaft aufzulockern, sei auch Balsam fürs Auge, für die Seele und fürs Herz, erklärt Gianmarco Ofner seine Motivation. Ofner leitet das Weingut Pircher in Eglisau am Rhein und «forstet» den Stadtberg auf. 

Dessen steile Rebterrassen schauen auf den Fluss. Der sonnige Hang und der Einfluss des Gewässers machen den Eglisauer Stadtberg zu einer der besten Pinot-Lagen im Kanton Zürich.

Toskana-Feeling am Rhein

2024 pflanzte Ofner zehn Weinbergpfirsich-Bäume und knüpft damit an eine alte Tradition an, die wegen Flächenzusammenlegungen und dem Trimmen der Rebberge auf Mechanisierbarkeit fast vergessen ging: Im Weinbauklima gedeihen auch Mandeln, Kakis, Kiwis und andere wärmebedürftige Früchte.

In einer Junganlage wurden pro Rebzeile drei Ahornbäume gepflanzt und die Zufahrt zum Weingut säumen dreizehn Säuleneichen, die 20 Meter hoch werden. Sie sollen das natürliche Empfangskomitee für Gäste bilden, wie die Zypressen-Alleen in der Toskana.

Vom Rebberg zur Mischkultur

«Vitiforst» heisst das Konzept, das die strikte Geometrie endloser Rebflächen durchbrechen soll. Die Bäume bieten nicht nur einen Lebensraum für Vögel und Insekten, sie schützen die Trauben auch vor zu viel Sonne. Eine Notwendigkeit, die vor zwanzig Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Ergänzend zu Bäumen und Sträuchern lockern weitere Strukturelemente die Reblandschaft auf. In terrassierten Parzellen darf an den Böschungen zwischen Rebzeilen ruhig wachsen, was da wachsen kann und möchte.

Duft-Plausch

Gianmarco Ofner kürzt diese Grünflächen alternierend und von Hand mit der Motorsense. Gräser und Kräuter können so versamen und die Artenvielfalt steigt.

Wilder Majoran, wilde Möhre, Schafgarbe und Wolfsmilch fühlen sich an den warmen Böschungen wohl und schaffen ein Paradies für Insekten. Und noch etwas erzählt Ofner: «Im Frühjahr blühen hier Veilchen, deren Duft uns bei der Arbeit im Rebberg begleitet. Das ist ein Riesen-Plausch.» 


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