Einfach Claudio fragen
Warum darf man eigentlich keine Pizza Hawaii essen?

Die Pizza Hawaii ist äusserst umstritten. Aber wieso? Kochbuchautor Claudio Del Principe erklärt, woher diese Art von Pizza kommt und wieso sie nicht so verwerflich ist, wie sie oft dargestellt wird.
Publiziert: 17.05.2024 um 11:29 Uhr
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Aktualisiert: 17.05.2024 um 15:30 Uhr
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Die Pizza Hawaii – eine umstrittene Pizza, über die besonders in Italien die Nase gerümpft wird.

Ja, warum eigentlich? Man könnte genauso gut fragen: «Warum darf man keine Dosenravioli essen?» Ganz einfach, weil man sich dadurch als geschmacksverirrter Zeitgenosse outen würde. In Italien fragt man sich übrigens, was schlimmer ist, Pizza Hawaii oder Pizza mit Pommes frites und Würstchen. Beides, das muss man fairerweise einräumen, findet in Italien durchaus eine begeisterte Kundschaft. So viel zum Reality Check.

Beiden Kreationen, also Pizza Hawaii und Pizza mit Pommes und Würstchen liegt der Gedanke zugrunde, aus der Norm auszubrechen, sich vom engen Korsett der italienischen Esstradition zu lösen und mal etwas «Modernes» zu wagen, das womöglich eine jüngere Kundschaft ansprechen könnte.

Erfunden wurde die Pizza Hawaii mit Ananas und Schinken auf Tomatensauce 1962 vom Griechen Sam Panopoulos in Kanada. Weiter ging es mit der für Traditionalisten schamlosen Kombination «Würstel e Patatine» (mit Wurst und Pommes) von Antonio Starita. Dieser soll sie Ende der 1980er-Jahre erstmals in der altehrwürdigen Pizzeria «Starita a Materdei» mitten in Neapel serviert haben. Anscheinend aus strategischen Gründen, um als Pizzeria dem Einzug von Burger-Ketten in Italien etwas entgegenzusetzen und sich einen Anteil von deren Klientel zu sichern. Sowohl die Pizza Hawaii als auch diejenige mit «Würstel e Patatine» sind übrigens vor allem bei Kindern und Teenagern beliebt. 

So befremdlich diese schrägen Kombinationen für wahre Liebhaber der klassischen Pizza sind, so spannend und bereichernd können gewagte Pizzakreationen sein. Das findet zumindest Gino Sorbillo, neapolitanischer Pizzabäcker in dritter Generation. Erst kürzlich sorgte er für einen neuen Eklat, als er in vollem Ernst seine Version der Pizza mit Ananas auf die Karte setzte. Er findet, frische Ananas, nicht aus der Dose, passt sehr wohl auf Pizza, jedoch nicht mit Tomatensauce und Schinken, sondern als fruchtiger Kontrast mit kräftigen Käsesorten, darunter geräucherter Caciotta. 

Einer der angesagtesten Pizzabäcker, Gabriele Bonci aus Rom, der «Michelangelo der Pizza», wie ihn die italienische Food-Journalistin Elisa Menduni nennt, sei ebenfalls für ein paar Pizza-Revolutionen bekannt: Er habe Pizza, die mehr oder weniger als Junkfood gilt, auf ein nie da gewesenes Gourmet-Level gehoben. Denn er belegt sie mit hochwertigen, regionalen Zutaten von kleinen Erzeugerinnen und Erzeugern. Und er hat der Pizza eine neue Identität gegeben, indem er den Teig so sorgfältig, exquisit und komplex belegt, als wäre es ein Tellergericht in einem Sternerestaurant. Bonci und fünf weitere aussergewöhnliche Pizza-Persönlichkeiten sind übrigens die Protagonisten der absolut sehenswerten Serie «Pizza» aus der Reihe «Chef's Table» von Netflix. Tipp: Taschentücher bereitlegen – die Porträts sind so herzergreifend!

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