Darum gehts
- Patti Basler kritisiert Bundesrat Rösti für die braunen Felder im Aargau
- Hitze und Trockenheit beeinträchtigen die Landwirtschaft trotz intensiver Bewässerung
- Solarpanels könnten Schatten spenden, Strom produzieren und landwirtschaftliche Fläche erhalten
Patti Basler hat ein Video veröffentlicht. Sie blickt im Aargau auf braune Felder und rechnet mit Bundesrat Rösti ab. Nennt ihn «*uresohn», vergleicht die braunen Felder mit der Gesinnung seiner «braunsten Parteimitglieder» und fordert: «Jetzt unterstütze doch mal die Bauern!»
Ich verstehe die Sorge. Seit Wochen ist es heiss und trocken. Die Natur und die Landwirtschaft leiden. Das ist real, und wir sollten es ernst nehmen. Sich im Ton zu vergreifen, hilft aber nix.
Realismus statt Hysterie
Was nervt, ist dieser Reflex, bei jedem Problem anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben, sich moralisch aufzuspielen und von der Politik unverzügliches Handeln zu verlangen. Als könnte ein Bundesrat die Temperatur herunterregeln.
Beim Birsmattehof, wo ich mein Biogemüse beziehe, erlebe ich gerade, was die Hitze konkret bedeutet. Seit Wochen sind die Bewässerungsleitungen im Einsatz. Trotzdem schiesst Fenchel vorzeitig in die Blüte, Rüeblisamen kommen kaum durch die heisse Bodenkruste und Kartoffeln bleiben klein. Das ist dramatisch genug. Man muss es nicht extra aufkochen. Immerhin sind die Erträge im Gewächshaus stabil und die Abo-Körbe weiterhin mehr als gut gefüllt.
Genau diese beiden Seiten gehören zusammen. Anpassen statt verzweifeln. Wir werden solche Sommer wie jetzt nicht wegempören können. Umso wichtiger wird eine Fähigkeit, die den Menschen von jeher auszeichnet: sich anzupassen. Menschen leben am Polarkreis und in der Wüste. An alle, denen die Situation Angst macht – wir finden Lösungen.
Innovation auf dem Feld: Schatten, Schutz und Strom
Auch für die Landwirtschaft. Bessere Wasserspeicherung, angepasste Kulturen oder Agri-PV. Letzteres begeistert mich besonders: Solarpanels über landwirtschaftlichen Kulturen können Schatten spenden, vor Hagel schützen und gleichzeitig sauberen Strom produzieren. Das Land bleibt landwirtschaftlich nutzbar.
Genau da könnte die Politik helfen. Nicht bei der nächsten spektakulären Luftnummer, sondern beim Ermöglichen praktischer Lösungen. Denn untätig ist unsere Politik keineswegs in Sachen Klimaschutz. Ob jede Massnahme und Verordnung sinnvoll ist, steht hingegen auf einem anderen Blatt. Gerade unter Handlungsdruck entstehen oft teure Lösungen, die gut gemeint sind, aber in der Praxis wenig bewirken.
Und zum moralischen Druck auf jeden Einzelnen von uns noch dies: Klar ist es vorbildlich, klimafreundlicher zu leben. Aber seien wir ehrlich: Davon wird der nächste Sommer nicht kühler. Wir müssen akzeptieren, dass nicht jedes Problem verhindert werden kann. Manche müssen wir lösen. Mit Technik, Investitionen und Anpassung. Also ja: Die Hitze ist eine Herausforderung, aber hört auf, euch verrückt zu machen. Nicht jedes braune Feld bedeutet Weltuntergang. Und vor allem: Hört auf, bei jedem Problem sofort einen Schuldigen zu suchen.
Wir brauchen keine Wut und Empörung. Wir brauchen einen klaren Kopf und bessere Lösungen.