Darum gehts
- Debatte um Discounter und teure Hofläden spaltet Biel-Benken, Fokus auf Prioritäten
- Schweizer Haushalte geben nur noch 7 Prozent für Lebensmittel aus
- Luxusausgaben für Bequemlichkeit verdrängen Wert hochwertiger Lebensmittel
Auf meine letzte Kolumne über die Biel-Benkemer Petition für einen Discounter erhielt ich jede Menge Zuschriften. Viele haben geschrieben, sie würden jedes Wort unterschreiben. Das hat mich gefreut. Die Gegenargumente hingegen zielten erstaunlich selten auf meine eigentliche Aussage. Statt darüber zu diskutieren, ob jetzt wirklich jedes Dorf einen Discounter braucht oder ob eine Petition dafür der richtige Weg ist, drehte sich fast alles um ein anderes Thema: «Hofläden sind zu teuer.»
Eine Frage der Prioritäten
Eines gleich vorweg: Ja, es gibt Menschen, die jeden Franken zweimal umdrehen müssen. Für sie zählt jeder Rappen. Wer mit einer mickrigen Pension oder einem tiefen Einkommen lebt, hat mein volles Verständnis. Aber sie sind selten diejenigen, die laut über Lebensmittelpreise schimpfen. Meistens sind es die Leute, die sich die Preise leisten könnten – aber sie wollen halt nicht. Das ist der eigentliche Kern der Diskussion.
Vor 80 Jahren gaben Schweizer Haushalte (laut Bundesamt für Statistik) noch ein Drittel ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Heute sind es noch 7 Prozent. Also bitte: Billiger als heute waren Lebensmittel in der Schweiz noch nie. Gleichzeitig gehören wir zu den wohlhabendsten Ländern Europas. Trotzdem geben wir (laut Uno/Eurostat) im internationalen Vergleich weniger für Lebensmittel aus als Deutschland, Frankreich oder Spanien.
Bequemlichkeit hat ihren Preis
Stattdessen leistet man sich teure Handys und Abos, Streamingdienste, Auto-Leasing, Coffee to go, Städtetrips mit Billigflügen und Essensbestellungen per App. Nicht falsch verstehen – jeder soll Geld ausgeben, wofür er mag. Aber das zeigt deutlich, dass sich die Prioritäten krass verschoben haben.
Und es zeigt vor allem eines: Wir kaufen immer seltener Lebensmittel. Wir kaufen fertiges Essen. Sandwiches, Bowls, Fertigsalate, Energy-Drinks, Take-away, Fast Food.
Wir bezahlen längst nicht mehr nur für Brot, Käse oder Tomaten. Wir bezahlen dafür, dass jemand für uns einkauft, rüstet, schneidet, kocht, verpackt und bis vor die Haustür liefert. Bequemlichkeit kostet. Und zwar deutlich mehr, als selbst zu kochen.
Die wahren Luxusprodukte
Viele haben den Blick für den Wert von echten Lebensmitteln verloren. Sie motzen über den Kilopreis von Rüebli. Den Kilopreis eines Burgers von Uber Eats oder Kapselkaffee hinterfragt dagegen kaum jemand. Dabei sind genau sie die eigentlichen Luxusprodukte.
Es geht mir nicht darum, Hofläden gegen Discounter auszuspielen. Wer aufs Budget achten muss, soll selbstverständlich dort einkaufen, wo es für ihn stimmt. Aber wir sollten aufhören, so zu tun, als seien hochwertige Lebensmittel das Problem. Das Problem ist vielmehr, dass wir immer mehr Geld für Bequemlichkeit ausgeben und immer weniger bereit sind, den Wert guter Lebensmittel anzuerkennen.
Sagen wir es so: Viele haben einfach verlernt, dass gute Lebensmittel kein Kostenfaktor sind – sondern gesunde Lebensqualität.