Basler Polizei zeigt sich bereit für Mega-Mai
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ESC, Demos und Meisterfeier:Basler Polizei zeigt sich bereit für Mega-Mai

Basler Behörden wollen alle Teilnehmer gleich behandeln
Kein Sonderschutz für Israel-Delegation am ESC

Bei der Medienkonferenz zum Eurovision Song Contest in Basel wurde bekannt: Die israelische Delegation erhält keinen Sonderschutz. Trotz Kenntnis illegaler Protestpläne behandeln die Behörden alle Teilnehmer gleich. Das Thema Sicherheit bleibt somit eine Wundertüte.
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Die Basler Sicherheitsbehörden informierten am Montag die Öffentlichkeit über die geplanten Sicherheitsmassnahmen am ESC 2025 in Basel.
Foto: STEFAN BOHRER

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Keine besonderen Schutzmassnahmen für israelische Delegation am ESC in Basel
  • Behörden erwarten illegale Proteste, stehen in Kontakt mit Verbindungspersonen
  • Rund 10'000 Menschen protestierten am ESC 2024 in Malmö gegen Israels Teilnahme

Rund 10’000 Menschen protestierten am Eurovision Song Contest (ESC) in Malmö 2024 gegen die Teilnahme Israels am grössten Musikwettbewerb der Welt. Das schwedische Militär stand im Einsatz, die israelische Sängerin Eden Golan durfte ihr Zimmer zeitweise nicht ohne Begleitung verlassen. Könnten sich solche Szenen in Basel wiederholen?

Seit Montag ist klar: Für die israelische Delegation wird es am ESC in Basel seitens der Schweizer Behörden keine besonderen Schutzmassnahmen geben, wie die Einsatzleitung des ESC an einer Medienkonferenz bekanntgibt. Und das, obwohl die Polizei Kenntnis von illegal geplanten Protesten in der Stadt Basel hat.

«Kein spezieller Schutz der israelischen Delegation»

«Da die ESC-Delegationen nicht völkerrechtlich geschützt sind, wird es von den Sicherheitsbehörden, keinen speziellen Schutz der Delegationen geben, auch nicht bei der israelischen Delegation», sagt der Co-Gesamteinsatzleiter des ESC, Dominik Cassani (Polizei Basel-Landschaft), an einer Medienkonferenz gegenüber Blick. Alle Teilnehmer würden gleichbehandelt. Er sagt aber auch: «Wenn es die Lage notwendig macht, werden wir entsprechende Massnahmen treffen.» Welche Massnahmen das sind, wollten die Verantwortlichen aus einsatztaktischen Gründen nicht verraten.

Wie der Sonntagsblick bereits berichtete, wird die israelische Delegation mit einem eigenen Sicherheitsdispositiv an den ESC in Basel reisen. Keine Überraschung, denn bereits letztes Jahr in Schweden kam es zu massiven Problemen rund um den Auftritt der israelischen Sängerin Eden Golan.

Der SIG weist auf Sicherheit der Basler Juden hin

Sorgen macht sich auch der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG), wie dessen Generalsekretär Jonathan Kreutner auf Blick-Anfrage sagt: «Die Sicherheitslage betrifft nicht nur die Veranstaltung selbst, sondern strahlt auch auf die jüdische Bevölkerung in Basel und darüber hinaus aus. Es gilt, alle notwendigen Massnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der jüdischen Bevölkerung sowie aller Besucherinnen und Besucher des ESC zu gewährleisten.» Man sei frühzeitig im Austausch mit den Behörden gewesen: «Wir konnten unsere Sichtweise einbringen, was wir sehr schätzen.»

Das SRF, als Organisator des globalen Events, relativiert die grössten Bedenken auf Blick-Anfrage: «Die Projektleitung des ESC und unsere eigenen Sicherheitsexperten stehen im ständigen Austausch mit den lokalen Polizeibehörden. Wir sind akribisch darauf bedacht, jederzeit die Sicherheit all der anwesenden Delegationen gewährleisten zu können.» Konkreter wird aber auch das SRF nicht.

Polizei erwartet auch Demonstranten aus dem Ausland

Nichtsdestotrotz: Die Polizei rechnet mit Protesten während des ESC. Entsprechende Aufrufe wurden in den sozialen Medien getätigt, auch aus Deutschland und Frankreich werden Demonstranten erwartet. In die Karten schauen lassen möchte sich die Einsatzleitung aber nicht. Der andere Co-Gesamteinsatzleiter des ESC, Matthias Stähli, (Kantonspolizei Basel-Stadt) verrät aber: «Wir kennen die entsprechenden Verbindungspersonen aus diesen Milieus und stehen in Kontakt, leider stiessen unsere Bemühungen bisher nicht auf Erfolg.»

Sprich: Aktuell scheint es nicht so, als würden die erwarteten Demonstranten Interesse daran haben, ihre Demos offiziell anzumelden. «Dabei gäbe es genug Platz für ein Miteinander! Die Versammlungs- und Meinungsfreiheit gilt auch während des ESC», lässt die Einsatzleitung verlauten. Man würde aber auf entsprechende, unangemeldete Demonstrationen reagieren.

Vor allem die Grenznähe Basels zu Deutschland und Frankreich macht dem SIG Sorgen: «Die Sicherheitslage rund um den Eurovision Song Contest in Basel ist zweifellos besonders sensibel. Die Veranstaltung findet in einer aufgeheizten geopolitischen Situation statt, die sich seit dem letzten ESC in Malmö deutlich verschärft hat.» Zudem könnten pro-palästinensischen Kräfte im benachbarten Ausland den ESC für Stimmungsmache nutzen, meint Kreutner.

Es bleibt abzuwarten, wie gross die Demonstrationen ausfallen und wie die Behörden auf allfällige Probleme reagieren werden. Eins hingegen ist klar: Mit der zurückhaltenden Kommunikation an der Medienkonferenz vom Montag bleibt die Sicherheit am ESC in Basel eine Wundertüte. Womit die Unsicherheit in der Öffentlichkeit gross bleiben wird.

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