Darum gehts
- Angsttaschen helfen Generation Z bei Panikattacken und gewinnen online an Beliebtheit
- In den USA leiden 61 % der 18–26-Jährigen an Angststörungen
- In der Schweiz berichten 21 % der Frauen über hohe psychische Belastung
Es klingt komisch, aber es soll helfen. Auf Tiktok entsteht derzeit ein neuer Trend rund um sogenannte «Angsttäschli». Dabei zeigen zahlreiche Videos auf den sozialen Medien, wie man solche Taschen selbst zusammenstellt und im Notfall einsetzt.
«Nichts half»
Es war ein anstrengender Arbeitstag für die junge Hannah Fowles (22) aus Provo im US-Bundesstaat Utah. Die Panik brodelte ihr in der Brust, ihre Gedanken rasten und ihre Wangen erröteten. Sie wusste sofort: Da baut sich der Anfang einer Panikattacke auf.
«Nichts von dem, was ich normalerweise tue, wie Atemübungen oder mich in einen dunklen Raum zu legen, half», sagt die 22-Jährige der «New York Post», dann sah sie ihre «Angsttasche».
Sie griff nach ihrer Tasche
Die Idee für ihr «Täschli» bekam sie beim Scrollen auf Tiktok. Nur wenige Wochen zuvor hatten Hannah und ihre Therapeutin ein kleines, praktisches Set zusammengestellt. Das «Täschli» wurde gefüllt mit Gegenständen, die ihr helfen sollten, sich bei Angstzuständen zu beruhigen.
Hannah Fowles griff nach ihrer Tasche, schluckte ihre Beruhigungsmittel und drückte sich einen Kühlbeutel in den Nacken.
«Normalerweise geht das nicht so schnell»
Sie schaltete einen kleinen Ventilator ein und liess die kühle Luft über ihr Gesicht strömen, während sie in der anderen Hand ein stacheliges Fidget-Toy umklammerte und spürte, wie sich dessen Zacken in ihre Handfläche bohrten, als die Panik nachliess. «Innerhalb von zehn Minuten konnte ich mich beruhigen und einschlafen. Normalerweise geht das nicht so schnell», so Hannah Fowles.
«Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas brauchen würde, bevor ich die Tasche genäht habe. Sie hat alles verändert – ich benutze sie ständig.»
Wie Angsttaschen helfen sollen
«Im Allgemeinen funktionieren die Gegenstände in Angsttaschen, indem sie die Aufmerksamkeit von ängstlichen Gedankenschleifen zurück in die Gegenwart – zurück in den Körper – lenken», so Jenny Martin, klinische Psychologin und Gründerin von Gemstone Wellness in Chicago gegenüber der «New York Post». «Keines dieser Hilfsmittel löst die zugrundeliegende Angst, aber sie können in akuten Momenten überraschend wirksam sein», so die Psychologin weiter.
Junge Frauen häufiger betroffen
In der Schweiz berichten rund 21 Prozent der Frauen über eine hohe psychische Belastung, und etwa zehn bis 18 Prozent der jungen Erwachsenen sind von Angststörungen betroffen. Junge Frauen sind dabei laut Bundesamt für Statistik deutlich häufiger betroffen als Männer.