Panini-Bildli bleiben Kult
«Fast alle sammeln, auch die Mädchen»

Panini-Sticker boomen und begeistern zur Fussball-WM Jung und Alt. Blick hat eine Tauschbörse in Zürich besucht.
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Reges Treiben an der Panini-Tauschbörse in der Pestalozzi-Bibliothek Schütze in Zürich.
Foto: Raphaël Dupain

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In der Schweiz gibt es diverse Panini-Tauschbörsen zur WM 2026
  • Händler berichten von Rekordverkäufen der Sammelsticker
  • 35- bis 44-Jährige sind besonders aktive Käufer

«Kanada zwölf?», ruft ein Junge über den Tisch. «Ich schaue mal», erwidert ein anderer. «Tüschlisch de Amenda?» Sekunden später wechseln zwei kleine Stickerbildchen die Besitzer. Am nächsten Tisch werden Stapel gezählt, Listen verglichen, Doppelte sortiert.

Im Lesecafé der Pestalozzi-Bibliothek Schütze in Zürich herrscht an diesem Samstagnachmittag reges Treiben. Vor dem Eingang liegen Trottinetts, Helme und Kinderschuhe. Drinnen wird gefeilscht. Kinder, Eltern, junge Männer: Sie sind hier, um Panini-Sticker zu tauschen.

Ende einer Ära

Seit dem Start der Fussball-WM am 11. Juni finden im ganzen Land solche Panini-Tauschbörsen statt – in Bibliotheken, Gemeinschafts- oder Einkaufszentren. Die Begeisterung ist gross. Rund eineinhalb Monate nach dem Verkaufsstart melden Händler Rekordnachfragen: Migros, Coop, Denner oder Galaxus berichten von deutlich höheren Verkäufen als zu den letzten beiden WM 2022 oder 2018. Ein Grund: Die WM 2026 ist die grösste der Geschichte. Erstmals nehmen 48 Länder teil, das sind 16 mehr als bisher. Entsprechend benötigt man auch mehr Sticker, um das Album zu füllen.

Zugleich ist es eine Ära, die sich dem Ende zuneigt. Nach der WM 2030 wird Panini die Rechte verlieren; ab 2031 übernimmt der US-Konkurrent Topps die offiziellen Fifa- und Uefa-Sticker. Für viele Sammler macht gerade das die aktuelle Kollektion besonders reizvoll.

Handgeschriebene Liste

An fünf Tischen sitzen Sammlerinnen und Sammler dicht gedrängt. Manche haben ausgedruckte Listen dabei, andere führen akribisch Buch in Apps oder streichen fehlende Nummern von Hand durch. Einige sitzen auf dem Boden zwischen den Regalen. Überall dieselbe Frage: «Was brauchst du?»

Miro besucht die 3. Klasse und sammelt zum ersten Mal Panini-Sticker. Vor ihm liegt ein Fotoalbum mit sämtlichen Doppelten – fein säuberlich nach Nationalteams sortiert. Daneben eine handgeschriebene Liste, auf der er jede erfolgreiche Tauschaktion sofort durchstreicht.

130 Bilder fehlen Miro noch. Rund 150 Franken haben sein Vater Fabrizio und er bisher ausgegeben. «Mein Sackgeld geht auch dafür drauf», erzählt Miro. Fussballfan sei er erst seit zwei Jahren. Sein Lieblingsteam? Italien. «Schade, dass sie nicht dabei sind.»

Vor zwölf Jahren zuletzt gesammelt

Für Vater Fabrizio ist das Sammeln eine Reise in die Vergangenheit. Zwischen 1990 und 2008 brachte er jedes Album komplett voll. Jetzt erlebt er das Hobby mit seinem Sohn noch einmal.

Am Nachbartisch sitzen vier Jungen. Einer sagt laut: «102 fehlen mir noch.» Die Stapel werden nebeneinandergelegt, Listen getauscht, Nummern runtergerattert. Zwei Freunde sammeln gemeinsam in einem Album. Wenn es fertig ist, gehört es einem der beiden.

Zwischen den Kindern fällt Maximilian auf. Der 31-Jährige scannt Stapel wie ein Profi. Seine Suchliste führt er auf der Notiz-App seines iPhones. «2014 habe ich zuletzt gesammelt. Während dieser WM hatte ich einfach wieder Lust dazu.»

Rund 170 Sticker fehlen ihm noch, etwa 50 bis 60 hat er doppelt. Eine Box und rund 20 zusätzliche Päckchen hat er gekauft. «Als kleiner Bub habe ich immer mit grossen Augen geschaut, wenn Erwachsene eine Box gekauft haben, jetzt kann ich das auch.»

Topps sind keine Alternative

Besonders freut ihn, dass das Frankreich-Team fast komplett ist. Nur der Verteidiger Jules Koundé fehlt ihm noch. Gegen Ende der Tauschbörse hält er ihn tatsächlich in den Händen.

Topps? Für Maximilian keine Alternative. «Panini ist Nostalgie. Topps sind einfach nicht dasselbe.»

Ein paar Tische weiter sitzen der Viertklässler Bernat und seine jüngere Schwester Altea. Mit Bleistift führen sie Buch über ihre fehlenden Bilder. 76 fehlen ihnen noch. Spanien, ihr Lieblingsteam, ist bereits komplett.

Ariel, acht Jahre alt, sammelt zum ersten Mal und braucht gar keine Liste. «Ich weiss alles auswendig», sagt er stolz. Rund 50 Franken haben seine Eltern bisher ausgegeben. Getauscht wird nicht nur hier, sondern auch auf dem Pausenplatz. «Fast alle sammeln, auch die Mädchen», erzählt später der Fünftklässler Noah, der bereits zum dritten Mal ein Panini-Album füllt und nur noch 41 Sticker sucht. «Die Besten, also Messi, Mbappé und Ronaldo, hab ich aber schon.»

Panini? Nostalgie!

Auffällig ist, wie generationenübergreifend das Hobby geworden ist. Händler berichten, dass Erwachsene inzwischen einen grossen Teil der Käufer ausmachen. Besonders aktiv sind laut Galaxus etwa die 35- bis 44-Jährigen. Panini selbst spricht gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem stark wachsenden Interesse bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren.

Einer von ihnen ist David (26). Seine doppelten Sticker hat er in Ziploc-Beuteln mitgebracht. «Mit zwölf habe ich zuletzt gesammelt, jetzt hat es mich wieder gepackt.» Auch er sagt: Panini, das sei Nostalgie, Topps seien für ihn nicht dasselbe.

Ronaldo und Messi begehrt

Die Freunde Ángel (25) und Alejandro (27) sammeln gemeinsam. Früher als Kinder, «jetzt arbeiten wir und haben endlich Geld», sagen sie lachend. Ihre komplette Sammlung verwalten sie in einer App. Über die Sticker von Ronaldo und Messi hätten sie sich besonders gefreut. «Dass es vermutlich ihre letzte Weltmeisterschaft ist, macht das Album speziell.»

Nach gut zwei Stunden leert sich das Lesecafé langsam wieder. Manche freuen sich über zehn neue Sticker, andere über sechzig. Einige haben ihre Wunschspieler gefunden, andere suchen weiter.

Mit dem Einzug der Schweizer Nati in den Sechzehntelfinal dürfte die WM-Begeisterung vorerst nicht nachlassen und auch die Jagd nach den letzten fehlenden Panini-Stickern weitergehen.

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